Hotelkolumne: In fremden Federn : Die Müggelspree ist der Nabel der Welt

Als Tourist in der eigenen Stadt in Köpenick. Berlin-Flagge am Steg, drinnen Fischernetze und Holzmöwen: In der „Wasserpension Ambiente“ läuft die Zeit langsamer.

Jakob Pontius
Ferienwohnung in Schwedenhäuschenrot. Wer nicht gleich aufs Wasser will, kann auch im Wald nebenherlaufen.
Ferienwohnung in Schwedenhäuschenrot. Wer nicht gleich aufs Wasser will, kann auch im Wald nebenherlaufen.Foto: promo/wasserpension-berlin.de

Auf einem schaukelnden Steg im Nieselregen stehen, zwischen Berlin und Brandenburg, zwischen der verschachtelten Altstadt von Köpenick und der beruhigenden Weite des Müggelsees: Es gibt Schlimmeres.

Die Gedanken fließen immer ruhiger, sie passen sich dem gemächlichen Tempo der Müggelspree an, auf die man hinausschaut. Nach 45 Minuten kommt der Vermieter, mehr schlendernd als in Eile, und bringt den Schlüssel zum Hausboot vorbei.

„Immer mitter Ruhe, janz entspannt“, sagt er, wie zu sich selbst. „Ick hoffe, du hast nich zu lange jewartet.“

Ach was, die Zeit läuft hier langsamer, in dieser Mitte zwischen Stadt und Land, zwischen Ufer und Wasser. In Sichtweite der Allende-Brücke liegt die „Wasserpension Ambiente“, eine schwimmende Ferienwohnung in Schwedenhäuschenrot.

Ambiente heißt: Terrasse mit gewebten Plastikstühlen, Berlin-Flagge am Steg; drinnen Fischernetze und Holzmöwen, mobiler Herd auf der Küchenzeile, eine Hochebene mit Matratzenlager für vier. Warmes Wasser kommt aus einer Pumpe, die auch des nachts ab und an erwacht. Und mit ihr die Gäste.

„Bettwäsche findeste oben inner Kommode“, sagt der Vermieter. Wieder dieses Du. Es ist ein freundliches, lockeres Du – weder zu verbindlich noch schroffe Berliner Schnauze.

Schuhe schnüren und ab Richtung Müggelsee

Wer morgens nicht gleich aufs Wasser will, kann auch nebenherlaufen. Also Schuhe schnüren und ab Richtung Müggelsee. Der Kiefernwald hat den Weg mit einem federnden Nadelteppich überzogen. Drüben, auf der anderen Seite des Wassers, liegen der Yachtclub Grünau und das Wassersportzentrum Berlin. Ein geputztes Hausboot mit Naturholzfassade ist auch zu sehen. Drüben, auf der anderen Seite des Wassers, da sieht es nach Siezen aus.

Auf dem Fahrrad schafft man es in ein, zwei Stunden einmal rund um den Müggelsee, die Strecke ist auch bei Läufern beliebt, und wer sich ertüchtigt, muss essen. Auch am Stadtrand gilt: Regional ist erste Wahl. Hier draußen ist dieser Anspruch natürlich viel einfacher zu erfüllen als in Prenzlauer Berg. In „Evelins Café Restaurant“ gibt es frischen Fisch aus dem Müggelsee. Heute steht gebratenes Zanderfilet auf der Karte.

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Nach dem Essen bleibt nur noch, sich mit einem kühlen Bier auf die Hausboot-Terrasse zu setzen. Dort denkt man nicht mehr daran, in einer Zwischenwelt zu sein. Wenn man den vorbeiziehenden Ruderern zunickt, als seien sie alte Bekannte, fühlt man sich am Mittelpunkt angekommen. Dann ist die Müggelspree der Nabel der Welt. Kannst du mir glauben.

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