Hotelkolumne: In fremden Federn : So schmeckt Berliner Freiheit

Als Touristin in der eigenen Stadt auf der Spree: Passagiere des Eastern Comfort suchen Ferne in der Großstadt.

Schwimmendes Hotel: Das Eastern Comfort gleich hinter der East Side Gallery.
Schwimmendes Hotel: Das Eastern Comfort gleich hinter der East Side Gallery.Foto: imago/Joko

Ein Boot bedeutet Freiheit. Wer das Glück hat, Kapitän zu sein, setzt einfach die Segel oder schmeißt in der weniger verträumten Variante zumindest den Motor an. Ziel? Hauptsache weiter. Dahin, wo es schön ist.

Die Eastern und die Western Comfort haben sich, das muss man ehrlicherweise sagen, schon seit Jahren nicht mehr bewegt. Das eine Schiff aus Wilhelmshaven und das andere aus der Nähe von Warschau, sind nach Berlin gekommen, um gleich hinter der East Side Gallery nur noch ein bisschen auf den sanften Wellen der Spree zu wippen und als schwimmendes Hotel herzuhalten. Zwischen der alten Mauer und dem anderen Ufer. Ost und West. Friedrichshain und Kreuzberg. Passagiere werden nicht in die Ferne gebracht, sondern suchen diese hier. In einer Kajüte inmitten der Großstadt.

Die Lage ist optimal. Nicht weit von der Warschauer Brücke, der Simon-Dach-Straße, dem Wrangelkiez. Es gibt Dönerbuden, Burgerläden und Spätis. Die U1 und M10 verbinden mit dem Rest der Stadt. Man ist schnell da. Egal wo. Das ist ein Grund für den Ankerplatz, sagt Kapitän Edgar. Aber, und das ist ihm wichtig, dieser Ort hat auch Geschichte. Eine, die ebenfalls viel von Freiheit und Unfreiheit erzählt.

Nachts herrscht Ruhe

Über die Spree versuchten Menschen aus der DDR zu fliehen. Manche zahlten für ihren Traum von einem neuen Leben mit dem Tod. Hans Räwel etwa, 21 Jahre jung, feierte mit seinen Freunden und stieg dann in das eiskalte Wasser. Er wollte ans gegenüberliegende Ufer. DDR-Grenzsoldaten erschossen ihn. Genau hier war das. Die bunt besprühten Mauerreste erinnern daran.

Berliner Freiheit ... An diesem Abend, während die gelbe U-Bahn über die rote Oberbaumbrücke rattert und die einst getrennten Bezirke verbindet, da schmeckt sie nach bitterem Sternburger und klebrigsüßem Becks Green Lemon. Für die drei Berliner Jungs, die Bushido durch die Boxen rappen lassen, womöglich auch nach dem ersten Joint der Nacht. Es scheint, als wollten nicht nur die Touristen hier dem Alltag entfliehen.

Die Eastern und die Western Comfort aber sollen keine Partyboote sein. Darauf wird explizit verwiesen. Nachts herrscht Ruhe! Personal kontrolliert das. Angestoßen wird trotzdem. Nur eben etwas leiser. Warum auch nicht? Wie hatte es Marius Müller-Westernhagen so schön besungen: „Alle, die von Freiheit träumen, sollen’s Feiern nicht versäumen.“ Und jetzt kommt die Stelle zum Tanzen!