„Die Kunst bekam durch den Pop einen anderen Stellenwert“

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Interview mit Johann König : „Ich hatte vergessen, wie meine Eltern aussahen“
Johann Königs Galerie in der Alexandrinenstraße in Kreuzberg zählt zu den wichtigsten in Deutschland.
Johann Königs Galerie in der Alexandrinenstraße in Kreuzberg zählt zu den wichtigsten in Deutschland.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ihre Galerie haben Sie in der St.-Agnes-Kirche in Kreuzberg, wo Sie Schulklassen und Milliardäre empfangen möchten.

Ich brauche die Milliardäre, weil ich meine Galerie finanzieren muss. Und die Schulklassen, weil ich Kunst vermitteln will. Dafür müssen wir das Geld über den Kunstverkauf reinholen oder über Kooperationsveranstaltungen mit Google oder Hugo Boss. Damit bauen wir Schwellenangst ab. „Ach, das ist gar nicht so schlimm hier, weder muss ich etwas kaufen noch verstehen.“ Viele haben bei Kunst das Gefühl, sie können sich das nicht anschauen, ohne vorher ein Buch gelesen zu haben.

Brauchen Sie dann ein Forum wie das Gallery Weekend, das kommende Woche stattfindet?

Durch die gesammelte Kraft aller teilnehmenden Galerien kommen mehr Leute in die Stadt. Für uns liegt das auf einer Ebene mit der Art Basel.

Immerhin die wichtigste Kunstmesse der Welt.

Das Gallery Weekend gibt uns die Möglichkeit, auf einen Künstler hinzuweisen und mit einer monumentalen Ausstellung dessen Karriere zu befördern. Die ganz großen Sammler gehen ja nicht mehr auf die Messen.

Weil es zu viele gibt?

Und weil uns die neuen Technologien erlauben, bereits im Vorfeld Kunstwerke zu verkaufen. Zum Leidwesen meiner Künstler transportiere ich das meiste mit dem Schiff, da es günstiger ist. Will ich einen Künstler im März auf der Art Basel Hong Kong ausstellen, muss er vor Weihnachten fertig sein. In den Monaten dazwischen können wir das Werk schon verkaufen. Die Vermittlungsarbeit erledigen die jeweiligen Betreuer, die sich um mehrere Künstler kümmern.

Als persönliche Assistenten?

Je nachdem. Wir haben eine Künstlerin, die will nicht alleine reisen, da kommt immer jemand von uns mit. Wir sind da, wenn es Ärger mit einem Kurator gibt, buchen Reisen oder vermitteln Wohnungen.

Wie viel des Preises streichen Sie dafür ein?

Die übliche Marge ist 50 Prozent. Davon zahle ich das Personal, die Messen, die Versicherung, die Künstlersozialkasse, die Miete.

Was bringt mehr Prestige: wenn das MoMA etwas kauft oder ein Sammler wie Christian Boros?

Das MoMA natürlich. Die kaufen nur nicht so viel. Und sie stellen es nicht sofort aus, da schon alles knallvoll gehängt ist.

Besprechen Sie mit Ihren Künstlern, was Sie von ihnen erwarten?

Nach dem Motto: Wir brauchen zwei mal zwei Meter, und es sollte grün sein? Nein. Wir sagen höchstens, komm, wir zeigen ein richtig großes Bild als Statement, auch wenn es sich schwerer verkauft.

Weil es automatisch teurer wird?

Der Preis ist nicht das Problem, sondern der Platz. Alles ab 2,40 Meter wird schwierig, weil es in New York nicht mehr in den Aufzug passt. Dann können die Sammler es nicht in ihr Loft hängen.

Als einer von wenigen Galeristen arbeiten Sie mit Auktionshäusern zusammen, was Ihnen sofort Kritik Ihrer Kollegen einbrachte.

Damit halte ich mich nicht auf. Ich arbeite für meine Künstler, außerdem setze ich mich für eine niedrigere Mehrwertsteuer und den Bürokratieabbau ein, das tu ich für den Nachwuchs. Es ist doch jedem selber überlassen, welche Form er findet, das Beste für seine Künstler zu erreichen.

Ihr Vater ist Kasper König, der bis 2012 das Museum Ludwig in Köln leitete. Ihr Onkel Walther König wurde durch die Museumsbuchhandlungen berühmt. Die Liebe zur Kunst weckte bei Ihnen jedoch der Kunstlehrer im Internat.

Weil er mich an zeitgenössische Kunst heranführte. Bei uns zu Hause wurde Beuys ja nicht erklärt. In der Blindenschule hat man mit Absicht zeitgenössische Kunst behandelt. Weil der Lehrer meinte, der normale Sehende stehe oft wie ein Blinder vor der Kunst.

In Museen waren Sie schon vorher.

Ich war ziemlich genervt vom Aufwachsen in der Kunstwelt. Selbst die Ferienorte wurden nach Ateliers oder Museen ausgewählt. Wir sind immer zu irgendwelchen Künstlern gefahren, die in Irland wohnten, weil sie dort keine Steuern zahlen mussten. Im Kunstunterricht merkte ich auf einmal, hey, das sind alles Leute, die ich kenne. On Kawara, Gerhard Richter, Joseph Beuys.

Was verbanden Sie mit denen?

Mit On Kawara fuhren wir in den Urlaub, Gerhard Richter war der Trauzeuge meiner Eltern. In der Schule habe ich auch gemerkt, dass die Kunst durch den Pop einen anderen Stellenwert bekam. Das sehe ich jetzt bei meinen vier Kindern. Die finden das spannend, wenn Michael Ballack ein Bild bei mir kauft oder Kanye West in die Galerie kommt.

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