"Die Diskussion um Obergrenzen finde ich unerträglich"

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Interview mit Klaas Heufer-Umlauf : „Jeder hat das Recht, verarscht zu werden“
Seit 2013 moderierten Klaas Heufer-Umlauf (l) und Joko Winterscheidt die Show "Circus Halligalli". Nach 136 Folgen war im Juni 2017 Schluss.
Seit 2013 moderierten Klaas Heufer-Umlauf (l) und Joko Winterscheidt die Show "Circus Halligalli". Nach 136 Folgen war im Juni...Foto: pa/Angelika Warmuth/dpa

Worüber machen Sie keine Witze?

Über Tote und Verletzte muss man nicht lachen.

Und die SPD?

Für Siechende gelten andere Regeln.

Sie sind ein Unterstützer der Partei, haben Wahlwerbung für Martin Schulz gemacht. Können Sie guten Gewissens über die Sozialdemokraten witzeln?

Sicher. Wie wenig Selbstbewusstsein muss eine Partei haben, wenn sie einen Witz nicht verträgt!

Inzwischen kann man alles mit Ironie rechtfertigen: Brillen, Haarschnitte, Herrenwitze. Kann man ironisch auf ein Konzert von Helene Fischer gehen?

Kann man, wird trotzdem traurig.

Sie haben die Sängerin angegriffen, weil sie sich in politischen Debatten nicht äußert.

Die gesamte Schlagerbranche hält sich bedeckt. Die Sänger erreichen eine Menge Leute, sie singen den ganzen Abend von Liebe, und währenddessen wird woanders der Familiennachzug verhandelt. In einem Stadion mit 40 000 Zuschauern sitzen schon statistisch bedingt ein paar Menschen, die sich dafür einsetzen, dass niemand bei uns ankommen soll. Mich wundert es, dass sich keiner der Künstler mal eindeutig positioniert.

Was schwebt Ihnen vor?

Klare, unmissverständliche Aussagen. Hat doch beim Fußball auch etwas gebracht. In den 90er Jahren war es gang und gäbe, dass Zuschauer Affenlaute gemacht haben, wenn ein schwarzer Spieler nach vorne stürmte. Das traut sich kaum noch jemand, selbst im Fanblock drehen sich die Leute um: Tickst du noch richtig?

Wer sich öffentlich positioniert, muss mit Konsequenzen rechnen. Jan Böhmermann wurde für sein Schmähgedicht sogar von Erdogan angezeigt.

Das war vielleicht nicht die feinste Ausstülpung seines Humors, es hat ihn bestimmt selbst überrascht, was daraus wurde. Doch Jan hat etwas Historisches erreicht, ein Gesetz wurde abgeschafft, das der Majestätsbeleidigung.

Was würden Sie gern abschaffen?

Die Diskussion um Obergrenzen finde ich unerträglich. Es wird darüber gestritten, unter welchen Umständen es okay ist, dass die Kinder in lebensunwürdigen Situationen sitzen und wann etwas als Härtefall gilt. Ich finde es eklig, wie saturiert wir in diesem Land leben und dabei das Gefühl haben, notleidende Menschen vor der EU-Außengrenze seien gelöste Probleme. Ich kann damit leben, dass die beknackte AfD im Parlament sitzt. Das muss eine Demokratie aushalten. Aber dass die großen Parteien es nicht hinkriegen, den Nachzug zu regeln und Humanität herzustellen, enttäuscht mich maßlos.

Sich politisch einzumischen, war das einer der Gründe, Late Night zu machen?

Nein, dafür brauchst du keine Show. Ich bin weder Politiker noch Aktivist, ich bin Moderator. Ich will und kann damit nicht die Welt verändern. Und ich darf als Unterhaltungstyp nicht vergessen: Es gibt auch noch die Kardashians. Die ganze Regierungsbildung hielt mich davon ab, wichtige Sachen bei RTL 2 zu verfolgen. Sträflich, wie mir „Naked Attraction“ durchgerutscht ist.

Was bitte?

Da sitzen Singles nackt herum und halten ihre Pimmel in die Kamera. Eine Frau soll sich anhand der Körper aussuchen, in wen sie sich heute Abend verliebt – und am Ende zieht sie sich auch aus.

Das erträgt man nur, wenn man krank im Bett liegt.

Da gucke ich wie jeder normale Deutsche nachts Hitler-Dokus. Oder ellenlange Berichte über Schwerlasttransporte – wie ein Windkraftrad mit Sonderbegleitung durch halb Deutschland gefahren wird. Solche Sachen sedieren mich extrem.

Bei anderen tut es das „Traumschiff“.

Ich würde gern selbst mitspielen. Jedenfalls dann, wenn es wie bei Harald Schmidt läuft: Drehort vor Inhalt. Vier festgeschriebene Drehtage für sechs Wochen vor Tonga. Diese Tür möchte ich noch nicht zuschlagen.

Eine andere Tür haben Sie beim ZDF zugeschlagen. Sie waren zusammen mit Joko Winterscheidt als Moderator für „Wetten, dass ..?“ im Gespräch. Warum wollten Sie nicht?

Weil man sich zwei Jahre den Kopf darüber zerbrach, wer es macht, aber niemand hinterfragt hat, was man eigentlich machen will. Deshalb war das irgendwie nix.

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