Kinderhilfswerk erweitert Zielgruppe : Unicef will junge Menschen bis 24 Jahre ansprechen

Zum 30. Geburtstag vergrößert Unicef seine Zielgruppe auf 18- bis 24-Jährige. Das sagte Schirmherrin Elke Büdenbender beim Gespräch in Schloss Bellevue.

Ein biografischer Bruch: Der Übergang von der Schule in Ausbildung oder Studium. Unicef will jetzt auch über-18-Jährigen helfen, ihren Weg zu finden.
Ein biografischer Bruch: Der Übergang von der Schule in Ausbildung oder Studium. Unicef will jetzt auch über-18-Jährigen helfen,...Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen wird älter und jünger zugleich. Im Jahr des 30. Geburtstags der Kinderrechtskonvention will sich Unicef auch auf junge Menschen zwischen zehn und 24 Jahren konzentrieren – und sie dabei auch selbst stärker einbinden. „Wir sollten nicht über, sondern für und mit den Jugendlichen arbeiten. Dafür brauchen wir eine neue internationale Solidarität“, fasste die Unicef-Schirmherrin, First Lady Elke Büdenbender, den Ansatz für die „Generation Zukunft“ am Dienstag beim Neujahrsgespräch im Schloss Bellevue zusammen.

Das zweite Lebensjahrzehnt ist entscheidend

„Wir Erwachsenen müssen die jungen Leute ernst nehmen“ – so wie sie als 17-Jährige beim Eintritt in die Gewerkschaft die Erfahrung gemacht habe: „Die wollen was von mir und ich will was von denen“.  Denn im zweiten Lebensjahrzehnt entscheidet sich, wohin das Leben führen wird. Sie selbst habe auf ihren Reisen in Libanon, Indien oder Südafrika junge Menschen mit „phantastischen Ideen“ getroffen, erzählte Büdenbender. Dafür seien „intelligente Lernformen“ und „Ermutigung, Ermutigung, Ermutigung“ wichtig.

Damit der Weg der jungen Leute weltweit bis 2030 ins Schul-, Berufs- und Arbeitsleben gelingt, will Unicef die anderen UN-Organisationen, Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, aber auch private Firmen für eine neuen Partnerschaft gewinnen. An den Jugendlichen liege es nicht, die hätten unbändigen Aufbruchswillen, sagte Büdenbender. Junge Menschen seien schon immer politisch gewesen, nur ihre Äußerungsformen seien vielleicht andere geworden.

Hintergrund des Aufrufs ist die Tatsache, dass die größte Jugendgeneration aller Zeiten aufwächst. Jeder vierte Mensch heute ist zwischen zehn und 24 Jahren alt ist, aber 200 Millionen gehen nicht zur Schule, die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch und rund 150 Millionen junge Menschen arbeiten für weniger als drei Dollar am Tag arbeiten, wie Unicef vorrechnet. Genau umgekehrt zur Entwicklung in Deutschland, wachsen in Afrika und Asien vor allem junge Leute auf.

Deren Potenzial wollen sie heben „für sie und uns“, wie Büdenbender sagt, mit Bildung, Ausbildung und Jobs. Der Unicef-Vorsitzende Georg Graf Waldersee betonte: Junge Menschen in Entwicklungsländern „brauchen die gleichen Fähigkeiten wie wir hier.“ Dazu gehörten Digitalisierung, moderne Landwirtschafft, grüne Techniken und Unternehmensführung. 

Unicef will junge Menschen begleiten

All die vielen jungen Leute „sind Individuen“, erinnerte der Unicef-Programmchef Ted Chaiban aus New York angesichts der hohen Zahlen. Gerade Deutschland mit seinem dualen Ausbildungssystem habe „eine Menge zu bieten“. Ein Wechsel in die Ausbildung nach einer Zeit im Job sei beispielsweise eine wichtige Möglichkeit. Es gehe im Übrigen nicht immer um Geld, sondern auch um die Vermittlung von Techniken, Praktika und Mentoren.

Auch Chaiban schwärmte von den Ideen junger Leute, wie die einer jungen Syrerin in Damaskus, die eine App entwickelt habe, die per Touch auf dem Smartphone Worte in Arabisch ausgebe. Dass Unicef bisher zu wenig Augenmerk auf junge Erwachsene gelegt habe, will Chaiban allerdings so nicht sehen.  Die ersten fünf Lebensjahre seien weiterhin die wichtigsten, das neue Programm sei eine Ergänzung.

Natürlich dürfte im Bellevue auch die Jugend nicht fehlen. Der 16-jährige Jess Mukeba, Mitglied des neuen Junior-Beirats, hatte sich für den Tag im Schloss extra mit weißer Fliege ausstaffiert und er klang fast erwachsener als die Erwachsenen. „Wir müssen mehr Brücken bauen statt Mauern“, für einen grünen und friedlichen Planeten arbeiten. Aber er wolle die Zukunft nicht auf sich zukommen lassen, sondern selbst in die Hand nehmen, erklärte der junge Mann. Auf dem Weg zur jungen Revolution bräuchten sie allerdings „manchmal Menschen, die uns begleiten, weil wir noch nicht so viel Erfahrung haben.“ Unicef will das nun tun.