Kolumbien : Pilgerstätte für Escobar-Anhänger wird gesprengt

Die Villa des Kartellchefs Escobar verfällt seit 25 Jahren. Die Bewohner Medellíns verfolgen den geplanten Abriss mit Interesse, sogar Tribünen wurden gebaut.

Lina Vanegas AFP
Vor Escobars Anwesen in Medellín explodierte 1998 eine Bombe.
Vor Escobars Anwesen in Medellín explodierte 1998 eine Bombe.

Das letzte Domizil des des kolumbianischen Drogenbosses Pablo Escobar ist ein protziger achtstöckiger weißer Klotz inmitten eines Wohngebiets. In den vergangenen Jahren ist das Anwesen in Escobars Heimatstadt Medellín ziemlich heruntergekommen. Am Freitag, gut 25 Jahre nach Escobars gewaltsamem Tod, soll es gesprengt werden. Ein Grund ist die Erinnerungskultur um den Drogenboss, der von den einen verachtet und den anderen immer noch verehrt wird.

Escobar wurde im Dezember 1993 im Alter von 44 Jahren von einer kolumbianischen Spezialeinheit auf dem Dach eines Wohnhauses in Medellín erschossen. Zuletzt hatte der Kriminelle, der jahrelang auf der "Forbes"-Liste der reichsten Menschen weltweit stand, in dem schicken Viertel El Poblado gewohnt. Das weiße bunkerähnliche Gebäude mit dem Namen Mónaco trägt noch die Spuren eines Autobombenanschlags des mit Escobar verfeindeten Cali-Kartells im Jahr 1988 und verfällt zusehends.

Die Instandsetzung des ehemaligen Luxus-Domizils würde elf Millionen Dollar (9,7 Millionen Euro) kosten. Stattdessen will die Stadtverwaltung lieber etwa zweieinhalb Millionen Dollar ausgeben, um anstelle des Hauses einen 5000 Quadratmeter großen öffentlichen Park zu Ehren der zehntausenden Opfer von Escobar und seinem Drogenkartell zu errichten.

Gedenken an 46.000 Opfer

In den Wochen vor der Sprengung wurde die Hausfassade mit zahlreichen Plakaten behängt, die mit Fotos und Texten an die insgesamt mehr als 46.000 Opfer in den Jahren 1983 bis 1994 erinnern. "Respektiert unseren Schmerz, ehrt unsere Opfer (1983 bis 1994)" lautete einer der Slogans.

Manuel Villa, der sich als Vertreter der Stadtverwaltung von Medellín um den Abriss kümmert, bezeichnete das Mónaco im Dezember als "Anti-Symbol". Die Kinder in Medellín sollten sich künftig nicht mehr wünschen, "dass sie Pablo Escobar werden wollen, wenn sie groß sind", sagte er.

Pilgerstätte für Escobar-Anhänger

Tatsächlich ist das weiße Gebäude bis heute eine Pilgerstätte für Escobar-Anhänger. Auch Touristen aus dem Ausland lassen sich das Gebäude bei den täglichen Besichtigungstouren im Viertel gerne zeigen. Escobar wird immer noch von vielen Kolumbianern verehrt, etwa weil viele an seinem Drogenkartell mit verdienten. Außerdem sehen einige in ihm einen Schutzpatron der Armen, der Häuser für Obdachlose errichten ließ.

Doch der Drogenboss säte vor allem Angst und Schrecken. Allein von September bis Dezember 1989 hatte Escobar hunderte Autobomben zünden lassen, mindestens 3000 Menschen starben damals. Jahrelang bestimmte die Gewalt seines Drogenkartells das öffentliche Leben in Kolumbien.

Entsprechend groß ist das Interesse am Abriss von Escobars letzter Residenz. Und damit Zuschauer die spektakuläre Sprengung live verfolgen können, wurden rund um das Mónaco eigens Tribünen aufgebaut.