Kolumne: Angie Pohlers sucht die Liebe : Warum man mit Feminismus bessere Beziehungen hat

Diskriminierung gibt es im Alltag schon genug. Aber was, wenn der Partner keinen Sinn für Gleichberechtigung hat?

Wenn das Private politisch ist: Eine Beziehung ohne Feminismus ist eine Beziehung von gestern, findet unsere Autorin.
Wenn das Private politisch ist: Eine Beziehung ohne Feminismus ist eine Beziehung von gestern, findet unsere Autorin.Foto: Christian Charisius/dpa

Die Welle an Texten und Spezialausgaben, Dokus und TV-Reportagen, Posts in sozialen Netzwerken rund um den Frauentag ist zwar gerade abgeebbt. Aber ich habe eine (gute) Nachricht: Das Thema bleibt uns erhalten. Frauen gibt es 365 Tage im Jahr, ihre Diskriminierung auch, nicht nur am Arbeitsplatz, nicht nur in der Gesundheitsversorgung und der Altersvorsorge. Feminismus fängt im Kleinen an, nämlich in Beziehungen.

Hetero-Paare haben eine natürliche Geschlechterparität – klasse Voraussetzung, um moderne Politik im privaten Rahmen zu betreiben und zu schauen, was man selbst besser machen kann, damit es auch gesamtgesellschaftlich vorangeht. Achtung: Das ist so wenig bequem wie ein zwei Nummern zu kleiner Push-up-BH, aber wenn man dadurch nicht nur die Welt ein bisschen besser macht, sondern auch bessere Beziehungen führen kann, lohnt es sich.

Beispiel: Janna hat einen neuen Freund, der wirklich nicht im Verdacht steht, ein „Macker“ zu sein, sondern eher das, was manche als „modernen Mann“ bezeichnen. Kocht gut, hört seiner Liebsten zu, zeigt Schwäche, lackiert sich auch mal einen Fingernagel.

Sie fragte sich: Wer liegt da eigentlich neben mir?

Letztens regte sie sich darüber auf, dass Männer dafür gefeiert werden, wenn sie zwei Monate Elternzeit nehmen. Arne nickte, ein bisschen müde nach einem langen Tag, und meinte, sie solle sich nicht aufregen, es gebe Schlimmeres.

Aber Janna kam gerade erst in Fahrt, und dass ihr Partner, den sie für aufgeklärt und woke gehalten hatte, sie so abkanzelt, brach ihr ein wenig das Herz. Sie gab nicht nach, er wurde bockig, was folgte, war einer ihrer ersten großen Streits. Janna schlief spät ein, ein Gedanke hielt sie wach: Wer liegt da eigentlich neben mir?

Gute Frage. Es ist ja kein Geheimnis, dass selbst die lässigsten Paare mit dem ersten Kind schnell in traditionelle Geschlechterrollen zurückfallen, die anscheinend nur in ihnen geschlummert haben. Die Rolle der Milchbar ist klar zugeordnet, daraus folgt für die Frauen fast automatisch: mehr Kümmern, mehr Häuslichkeit.

Gleichberechtigung nützt auch Männern

Eine gerechte Aufteilung der Care-Arbeit ist fast unmöglich, vor allem, wenn einer nun mal auch arbeiten gehen muss – und dann auch noch mehr verdient, nicht zuletzt, weil er dem vermeintlich produktiveren Teil der Gesellschaft zugerechnet wird.

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Das Problem: Diese Aufgabenteilung wird auch später kaum hinterfragt. Kein böser Wille, sondern die Macht der Gewohnheit. Im Ergebnis trotzdem: verheerend. Auch für Männer.

Gleichberechtigung nützt auch jenen, die es blöd finden, dass die Kinder immer lieber auf Mamas Arm wollen, dass sie alle Reparaturen im Haushalt wuppen, dass sie die Ernährer sind (und unter entsprechendem Druck stehen) und jede Krise „wie echte Männer“ wegstecken.

Wer könnten bessere Verbündete sein als Menschen in Beziehungen?

Deutlich mehr Selbstlosigkeit erfordert es, sich dafür einzusetzen, dass alle Frauen (nicht nur Freundinnen, Ehefrauen, Schwestern, Töchter und Enkelinnen) die gleichen Chancen haben wie Jungen und Männer. Für die, die das verstanden haben, gibt es im angelsächsischen Raum den Begriff male ally, männliche Verbündete im Feminismus.

Von anderen Frauen abgesehen: Wer könnte ein besserer Verbündeter sein als die Person, der man am nächsten ist? Gleichberechtigung gibt es nur, wenn alle mitziehen.

In der Zeit nach dem Streit fielen Janna einige Dinge auf. Arne las in feministischen Klassikern und schimpfte über Kollegen, die Kolleginnen verunglimpften, weil die aus Reproduktionsgründen eh irgendwann „raus“ seien.

Am Frauentag war Janna nicht in Berlin, also aktivierte Arne einen Freund und dessen Freundin, mit ihm zur Demo zu kommen. „Ist es komisch, dass ich ihn deshalb noch mehr mag?“, fragte sie mich.