Kolumne: Der Kinderdok : Wann kommt endlich die Impfung gegen Scharlach?

Er ist eine echte Kinderkrankheit – und der Albtraum aller Kita-Eltern. Leider existieren zu viele Erreger. Eine Kolumne.

Scharlachzeit. An den Türen von Kindergärten finden sich immer wieder solche Warnzettel.
Scharlachzeit. An den Türen von Kindergärten finden sich immer wieder solche Warnzettel.Foto: Imgao/Horst Rudel

Wir können inzwischen die meisten Kinderkrankheiten durch Impfungen verhindern oder diese zumindest derart selten machen, dass sie in der alltäglichen Praxis kaum zu sehen sind. So verwundert es nicht, dass mich neulich ein Vater fragte, wann denn nun endlich die Impfung gegen Scharlach komme.

Diese Kinderkrankheit sehen wir sehr häufig. Die Warnzettel an der Eingangstür der Kita werden gar nicht mehr abgehängt. Man könnte den Aushang durch eine Marmortafel ersetzen.

Scharlach ist das Vollbild einer Infektion mit den sogenannten „beta-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A“, kurz A-Streptokokken, die auch sonst für die meisten bakteriellen Halsentzündungen verantwortlich sind. Die Übertragung erfolgt über Tröpfchen, das Anhusten und die Hände, nach einer Dauer von bis zu einer Woche kommt es zu den ersten Symptomen: Unwohlsein, Halsschmerzen, Fieber.

Ich entdecke dann geschwollene Lymphknoten am Hals und eine feuerrote Verfärbung der Gaumenmandeln, den Tonsillen. Anfangs sehe ich auch eine weißlich belegte Zunge, die sich nach ein paar Tagen zunehmend ins Rötliche mit kleinen Bläschen wandelt, sie sieht aus wie eine Erdbeere oder Himbeere. Was die Krankheit nicht schmackhafter macht. Spätestens jetzt ist der Patient richtig malad. Am Körper treten nadelstichgroße Flecken auf, insbesondere am Rumpf und im Bereich der Leiste, aber auch an den Armen und im Gesicht. Typischerweise ist dabei der Bereich um den Mund ausgespart, er imponiert weißlich, wir Kinderärzte nennen das den Milchbart.

Unbehandelt stecken sich Kinder gegenseitig an

Der Scharlach ist eine echte Krankheit des Kindesalters, er tritt am häufigsten zwischen dem vierten und 14. Lebensjahr auf. Nach einem positiven Schnelltest auf Streptokokken behandle ich richtliniengetreu für eine Woche mit einfachem Penizillin.

Immerhin ist mit dem Beginn der Antibiose der kleine Patient nur noch 24 Stunden infektiös, Besserung der Symptome tritt bereits am zweiten Tag ein. Die Haut juckt nicht mehr, Essen geht wieder, das Fieber verschwindet. Immunität gegen das Streptokokken-Toxin ist sowohl bei Antibiose wie beim natürlichen Verlauf der Krankheit gegeben, Wiederholungsfälle gibt es trotzdem: Leider existieren zu viele Serotypen der Streptokokken.

Das ist auch der Grund für die fehlende Impfung. Sie könnte vermutlich niemals gegen alle Streptokokken dieser Welt wirken, die Erfolgschancen wären zu gering. Zum Glück können wir ja noch erfolgreich behandeln, dem Kind zuliebe sollte das nicht unterbleiben, was leider immer häufiger vorkommt. Unbehandelt dauert die Erkrankung stolze 14 Tage – bei ebenso langer Infektiosität.

Das Wort Scharlach kommt übrigens aus dem Arabischen und bezeichnete einen roten Tuchfarbstoff, „scarlatin“. Cineasten werden sich an Scarlett O’Hara erinnern, die unglückliche vom Winde verwehte Liebe mit den roten Haaren. Aber ich schweife ab. Ob sie jemals einen Milchbart oder eine Himbeerzunge hatte, ist nämlich nicht überliefert.

Unser Kolumnist betreibt eine Praxis in Süddeutschland, bloggt unter kinderdok.blog und schreibt ab sofort alle vier Wochen an dieser Stelle.

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