Und dann ist da natürlich noch Aphrodite

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Kulturhauptstadt 2017 : Wie sich Paphos zur Welt öffnet
Kunstwerk. Aphrodite am Meer.
Kunstwerk. Aphrodite am Meer.Foto: Art Studio

Im Viertel Mouttalos in der Oberstadt lebten vor 1974 vorwiegend türkische Zyprer. Manche der alten, zweistöckigen Häuser machen einen verlassenen Eindruck, in andere sind neue Geschäfte, Cafés und Restaurants eingezogen. Die Gassen sind zum Teil überdacht. „Heute wohnen hier meist griechische Zyprer, die aus dem Norden geflohen sind“, erzählt Fremdenführer Eugenios Neophytou. Eine politische Lösung des Zypernkonflikts scheiterte bisher, noch immer gibt es eine UN-gesicherte Pufferzone zwischen Nord und Süd. In dem Quartier in Paphos befindet sich auch eine Moschee, „ursprünglich eine griechisch-orthodoxe Kirche, die die Osmanen umgewandelt haben“. An anderer Stelle kann man Bäume sehen, deren Stämme bunt umhäkelt sind. Das ist Teil des Kunstprojekts „Peace2Peace“, es bringt türkische und griechische Zyprierinnen zusammen. Die Abschlussveranstaltung soll im Oktober in Mouttalos stattfinden.

Teilweise sind die Bauarbeiten für das Jahr als Kulturhauptstadt nicht abgeschlossen, Straßen sind aufgerissen, auch am neuen Theater wird noch gewerkelt. Eugenios Neophytou führt Gäste sowieso am liebsten zu den antiken Stätten, seit jeher Paphos’ Hauptattraktion, und in die Natur der Umgebung.

Der Archäologiepark, der sich neben dem Hafen befindet – er umfasst etwa ein Drittel der antiken Stadt „Nea Paphos“ –, zeigt die Ausgrabungen von Palästen aus der römischen Zeit, darunter das 10 000 Quadratmeter große Anwesen eines Statthalters. „Wer genau in diesen Villen gewohnt hat, weiß man nicht“, sagt Neophytou. Die Bodenmosaike, die polnische und einheimische Archäologen seit den 60er Jahren ausgegraben haben, sind prächtig. Im „Haus des Dionysos“ zeigen sie zum Beispiel den griechischen Gott des Weins auf einem Prunkwagen, gezogen von zwei schwarzen Panthern.

Die spätbyzantinische Kirche Agia Kyriaki Chrysopolitissa.
Die spätbyzantinische Kirche Agia Kyriaki Chrysopolitissa.Foto: mauritius images

Auf der Akamas-Halbinsel soll Aphrodite dem Meer entstiegen sein

Und dann ist da natürlich noch Aphrodite, die im Meer vor Zypern geboren worden sein soll und anschließend an Land ging. Östlich des heutigen Paphos – dort, wo sich der Ort ganz früher befand – liegt das Aphrodite-Heiligtum, in vorchristlicher Zeit ein Wallfahrtsort, zu dem die Leute aus dem Mittelmeerraum pilgerten. Wenig mehr als ein paar Mauern und Bodenplatten sind davon geblieben, aber es gibt ein Museum. Nördlich von Paphos, auf der Akamas-Halbinsel, befindet sich das Bad der Aphrodite, ein Tümpel in einer Grotte. An diesem Ort soll die Göttin jene Affäre mit dem Prinzen Akamas begonnen haben, wegen der sie auf den Olymp zurückkehren musste.

Katerina Foukara und Arsenty Lysenkov haben im vergangenen Jahr eine Reminiszenz an die Liebesgöttin und an die Mosaike von Paphos geschaffen. Sie sammelten unterschiedlich farbige Natursteine, die nach einem vorher ausgetüftelten Plan am Strand von Freiwilligen zu einem Aphrodite-Bild gelegt wurden. Erkennen konnte man das Mosaik erst auf den Fotos, die eine Drohne schoss. „Die Historie hier ist inspirierend“, sagt Foukara. Die Brücke in die Vergangenheit – für die Künstler von Paphos offenbar selbstverständlich.

"Es gibt so viele Veranstaltungen, man weiß kaum, wohin"

Andreas Charalambides, Jahrgang 1939, Paphos’ großer alter Maler, sieht es jedenfalls genauso. Er hat mal Zeit in England verbracht, aber auch für ihn war klar, dass er zurückkehren würde. „Woanders könnte ich nicht leben, Sie sollten mal das Licht im November sehen!“ Charalambides’ Gemälde erinnern an Ikonen aus orthodoxen Kirchen, und sie greifen Themen der griechischen Mythologie auf, allerdings verfremdet, ohne bloße Illustration zu sein. „Damit bin ich aufgewachsen, das prägt mich nur noch stärker, je älter ich werde.“

Wie seine jungen Kollegen gefällt ihm das Jahr als Kulturhauptstadt. „Momentan gibt es so viele Veranstaltungen, man weiß kaum, wohin“, sagt er. Aber ob sich dadurch dauerhaft etwas verändern könne in Paphos, sei fraglich: „Die Wurzeln sind da, jetzt warten wir darauf, dass die Pflanze wächst.“

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