Ums Training der Vögel kümmern sich die Musikgeschäfte

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Land in Südamerika : Suriname: Schlagabtausch der Vogelstimmen
Surinames Präsident Desi Bouterse spricht auf einer Demo vor Anhängern.
Surinames Präsident Desi Bouterse spricht auf einer Demo vor Anhängern.Foto: Reuters

Ums Training der Vögel kümmern sich die Musikgeschäfte. Hier gibt es nicht nur viel Reggae zu kaufen, sondern auch ein paar Meter Plattenregal, in denen die CDs mit Vogelgesängen stehen. Sparringspartner auf CD, man nehme eine, lege sie ein und lasse den eigenen Vogel gegen die Stimme des anderen antreten.

Tatsächlich singen die Tiere nämlich nicht, weil sie es können und Freude daran haben. Sondern sie singen, weil sie ihren Gegner unterwerfen wollen. Reviermarkierung mit Tönen. Nur männliche Vögel treten zum Kampf an. Vögel, die noch nie einen weiblichen Vogel gesehen haben und auch nie sehen werden. Dementsprechend hormonell ausbalanciert sind sie. Guru Dew ganz besonders: Mit 101 zu 58 hat er eben seinen Herausforderer besiegt. „Und das ist noch gar nichts!“, sagt sein Besitzer. Der größte Erfolg war ein 215 zu 90, der andere Vogel war längst verstummt, als Guru Dew immer weiter piepte.

Einer bot Lakhasingh 25.000 Dollar für den Vogel

Die Menschen reißen sich um Lakhansinghs Vogel. 25 000 Dollar hat man dem Besitzer geboten. Aber er verkauft nicht, sondern wird das Tier seinem Neffen übergeben, wenn er wieder zurückfliegt in die Niederlande.

Lakhansinghs Leben ist typisch für viele Surinamer. Wie tausende andere verließ er das Land, als es 1975 unabhängig wurde. Mit der großzügigen Ausgabe von Pässen wollte die damalige niederländische Regierung begangenes Unrecht kompensieren. In den Niederlanden leben deshalb heute mehr als 300 000 Menschen surinamischer Abstammung, darunter mit Ruud Gullit, Frank Rijkaard und Clarence Seedorf einige der besten Fußballer der jüngeren Geschichte. In Suriname selbst brach bald nach der Unabhängigkeit ein Bürgerkrieg aus, das Militär putschte sich an die Macht.

Im Präsidentenpalast auf der einen Seite der Wiese, auf der jede Woche die Vögel singen, residiert mit Desi Bouterse heute ein Mann, der als putschender Militär zumindest mittelbar an der Erschießung von 15 Oppositionellen beteiligt war. Dabei ist Suriname längst wieder eine Mehr-Parteien-Demokratie. Als 2010 ins Amt gewählter Präsident hat Bouterse das Glück, dass internationale Haftbefehle an seiner Immunität abprallen. Suriname liegt am lateinamerikanischen Ende einer Kokain-Schmuggelroute. Ein niederländisches Gericht verurteilte Bouterse 1999 in Abwesenheit wegen Kokainschmuggels zu einer elfjährigen Haftstrafe. Was dazu führte, dass er in den Folgejahren darauf bedacht war, Paramaribo nicht zu häufig zu verlassen.

Der Präsident: in Abwesenheit verurteilt zu 11 Jahren Haft

Weniger Glück hatte sein Sohn Dino Bouterse. Er wurde im vergangenen Jahr von einem US-Gericht zu 16 Jahren Haft verurteilt. Wegen Drogenschmuggels und Waffenbesitz. Außerdem gestand er, der Hisbollah Unterstützung angeboten zu haben. Für zwei Millionen US-Dollar sollte die libanesische Terrormiliz ein Trainingsgelände in Surinames Dschungel errichten können.

Und die Zeiten bleiben unruhig für das kleine Land. In den letzten Monaten ist die landeseigene Währung abgestürzt; ein Kaufkraftverlust gemessen am Euro von etwa 30 Prozent binnen weniger Wochen. Eine kleine Katastrophe.

Doch Prem Lakhansingh stört das nicht besonders. „Mein Leben ist schön“, sagt er, und die Eiswürfel klackern im Whisky. „Denn ich habe den Champ.“

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