Luther erfand den "Lückenbüßer"

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Luthers Vermächtnis : Am Anfang war sein Wort
Der Mönch aus Wittenberg hatte ein großes Talent zu einer bildhaften Sprache.
Der Mönch aus Wittenberg hatte ein großes Talent zu einer bildhaften Sprache.Foto: Alamy Stock Photo

MACHTWORT

Martin Luther erfand das „Machtwort“, um zu erklären, wie Gott die Welt erschaffen hat: Er habe ein „Machtwort“ gesprochen, wodurch die Dinge aus dem Nichts in die Existenz gekommen seien. Gottes Wort tue, wovon es spricht. Es sei ein Tatwort, eben ein echtes Machtwort.

LÜCKENBÜSSER

Im Mittelalter bedeutete „büßen“ schlicht „füllen“. Luther erfand den „Lückenbüßer“ bei der Bibelübersetzung. Im Alten Testament, Buch Nehemia, Kapitel 4, Vers 7 geht es um die Mauer des Jerusalemer Tempels. Sie hatte Löcher, Lücken, die gefüllt wurden.

IM DUNKELN TAPPEN

Im Alten Testament, 5. Buch Mose, Kap.28, Vers 29 ist die Rede von jemandem, der Gott nicht gehorcht. Luther übersetzt: „Und du wirst tappen am Mittag, wie ein Blinder tappt im Dunkeln, und wirst auf deinem Wege kein Glück haben und wirst Gewalt und Unrecht leiden müssen dein Leben lang und niemand wird dir helfen.“

PERLEN VOR DIE SÄUE WERFEN

Die Redewendung war in mittelalterlichen Predigtsammlungen enthalten. Luther machte sie bekannt, weil er sie in seine Bibelübersetzung einbaute. Im Neuen Testament, Matthäusevangelium, Kapitel 7, Vers 6 schrieb er: „Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.“

AUF SAND BAUEN

Den Vergleich erfand Luther bei der Übersetzung des Matthäusevangeliums, Kapitel 7, Vers 26. An dieser Stelle geht es um diejenigen, die sich nicht an Jesu Wort halten: „Wer meine (Jesu) Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.“

SEIN LICHT UNTER DEN SCHEFFEL STELLEN

In der Bergpredigt im Matthäusevangelium rät Jesus seinen Jüngern in der Übersetzung von Martin Luther: „Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten.“ Scheffel ist ein alter Name für Gefäß. 

DIE ZÄHNE ZUSAMMENBEISSEN

Seinem depressiven Freund Jonas von Stockhausen empfahl Luther in einem Brief am 27. November 1532, er müsse sich mit aller Kraft gegen den Teufel wehren, der ihm die depressiven Schübe verpasse: „Ihr müsst ein Herz und Trotz fassen gegen Euch selbst und mit Zorn zu Euch selbst sprechen: … So will’s mein Gott, so will ich’s haben; hebt euch, ihr Teufelsgedanken, in den Abgrund der Hölle mit Sterben und Tod; hier habt ihr nichts zu schaffen. Und die Zähne zusammengebissen wider die Gedanken!“

EIN HERZ UND EINE SEELE 

Im Neuen Testament, Apostelgeschichte Kapitel 4, Vers 32, geht es um die Gütergemeinschaft der ersten Christen. Luther übersetzt: „Die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.“ Die Redewendung benutzte Luther auch in einem Brief 1542 an seinen Freund Justus Jonas. Dessen Frau war gestorben. „Meine Käthe war außer sich, denn die beiden waren ein Herz und eine Seele“, schreibt Luther.

ZEICHEN DER ZEIT

Im Matthäusevangelium, Kapitel 16 heißt es: Die Pharisäer fordern von Jesus, er solle sie „ein Zeichen vom Himmel“ sehen lassen. Jesus antwortet ihnen mit Luthers Worten: „Abends sprecht ihr: Es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot; und morgens sprecht ihr: Es wird heute Ungewitter sein, denn der Himmel ist rot und trübe. Ihr Heuchler! über des Himmels Gestalt könnt ihr urteilen; könnt ihr denn nicht auch über die Zeichen dieser Zeit urteilen?“

IN DEN SAUREN APFEL BEISSEN

Am 28. März 1532 schickte Luther Kurfürst Johann von Sachsen Glückwünsche zur Genesung. Der Fürst war krank und „hat müssen Wermuth essen und in den sauren Apfel beißen“, schreibt Luther.