11,91 Millionen sehen Halbfinal-Niederlage : Handball-WM: Was bleibt vom Medienhype?

Das WM-Halbfinale brachte fast zwölf Millionen Zuschauer vor die ARD-Schirme. Aber ein TV-Boom ist trotzdem nicht in Sicht

Tiefe Enttäuschung. Die deutschen Handballer nach ihrer Niederlage gegen Norwegen im Halbfinale der Handball-WM
Tiefe Enttäuschung. Die deutschen Handballer nach ihrer Niederlage gegen Norwegen im Halbfinale der Handball-WMFoto: dpa

Ein Land und zwei TV-Sender im zweiwöchigen Handballrausch – ARD und ZDF hat die am Sonntag endende Weltmeisterschaft bei der Übertragung der deutschen Spiele herausragende Quoten beschert, nicht zuletzt wegen der Erfolge der Mannschaft um Trainer Christian Prokop. Am Freitagabend, beim verlorenen Halbfinale gegen Norwegen, waren es 11,91 Millionen Zuschauer im Ersten, Rekord bei dieser WM. Stellt sich die Frage, was von diesem Medienhype nach der WM übrig bleibt.
Fest steht: Wer Handball – wohl die wichtigste Ballsportart hinter Fußball – regelmäßig sehen will, braucht ein Sky-Abo. Die Füchse, THW Kiel oder Rhein-Neckar Löwen (wo viele der internationalen WM-Stars spielen) hinter der Paywall. Seit der Saison 2017/18 überträgt der Pay-TV-Sender alle 306 Spiele der Handball-Bundesliga live. Pro Spieltag sind laut Sky rund 250 000 Zuschauer dabei. In der Hinrunde haben sich die Reichweiten gegenüber der Vorsaison zwar verdoppelt, aber es gibt sicher ein noch größeres Fanpotenzial.

Mehr mediale Präsenz

Eine Medienkooperation mit ARD/ZDF sieht vor, dass die mediale Präsenz durch regelmäßige Highlightberichte in deren Sendern signifikant erhöht werden soll. Überdies seien Liveübertragungen von zwölf Ligaspielen in der ARD/den Dritten vorgesehen. Die ARD hat von dieser Option in der laufenden Saison 2018/19 elf mal Gebrauch gemacht (beispielsweise live vom Liga-Spiel Füchse Berlin gegen SC Magdeburg im RBB-TV) oder wird das noch tun, vor allem Anfang April im Ersten mit dem DHB-Pokal Final Four. An die mediale Präsenz von Wintersport, speziell Biathlon, oder Fußball kommt das nicht heran. In der ersten Reihe sitzen Handballfans nur bei den WMs 2021, 2023, und 2025 sowie den EMs 2020, 2022 und 2024 in Deutschland bei Spielen der deutschen Mannschaft exklusiv in ARD und ZDF. "Wir haben gerade erst die Rechte für die WMs und EMs für die nächsten Jahre erworben. Das muss erst einmal reichen“, sagte ein ZDF-Sprecher.
Kontinuität in der Berichterstattung sieht anders aus. Die Liga boomt. Ein Pay-TV-Sender bleibt die Heimat aller Handballfans. Es gebe viel zu tun für die öffentlich-rechtlichen Handball-Experten wie Delling, Bommes (ARD) oder Christoph Hamm (ZDF). Wenn es darum geht, die mediale Begeisterung für eine der rasantesten Sportarten auf die Bundesliga zu übertragen (die Hallen sind ja auch hier voll), müsste auch in Sachen Kurzberichte im Free-TV (in „Sportschau“ oder „Sportreportage“) mehr kommen.

Mehr zum Thema

Handball-WM: Spiel um den 3. Platz Deutschland - Frankreich, Sonntag, ZDF, 14 Uhr 10, Finale Norwegen - Dänemark, Sonntag, Eurosport, 17 Uhr 30