25 Jahre Rosamunde-Pilcher-Fernsehen : Wir im Herzkino

Fernsehkritiker Joachim Huber macht den Fans des ZDF-"Herzkinos" ein Angebot, das sie nicht ablehnen können

Ist das nicht schön? Bei der Suche nach ihrer Vergangenheit kommen sich Lilli (Anna Herrmann) und Ian (Jens Atzorn) näher. "Wo dein Herz wohnt", ZDF, Sonntag, 20 Uhr 15
Ist das nicht schön? Bei der Suche nach ihrer Vergangenheit kommen sich Lilli (Anna Herrmann) und Ian (Jens Atzorn) näher. "Wo...Foto: ZDF

Dieser Autor hat in mehr als 30 Jahren nur eine einzige Fernsehkritik über das „Herzkino“ der Rosamunde Pilcher im ZDF geschrieben. Das ist erschreckend. Am Sonntag läuft mit „Wo dein Herz wohnt“ nämlich der bereits 148. Film der Reihe, die am 30. Oktober großes Jubiläum feiert: ein Vierteljahrhundert Rosamunde-Pilcher-TV.

Wie arrogant, etabliert, wie elitär muss ein Kritiker sein, dass er das Vergnügen von vier, fünf Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern beharrlich ignoriert? Er muss weder das eine noch das andere und auch nicht das dritte sein – er ist einfach ratlos. Was gibt es über ein „Herzkino“ zu schreiben, das auf jeden Fall Gebrauchsfernsehen sein will und auf keinen Fall ein Experiment? Eine zweite Kritik wäre Wiederholung, eine Gebrauchsanleitung fürs Publikum, das diese gar nicht braucht. Es erwartet seit 147 Folgen „Pilcheritis“ genau das: ein abzirkeltes Melodrama, ein leises Toben in Leben, die überraschend vor neue Herausforderungen gestellt werden. Cornwalls gütige Sonne löst die Turbulenzen noch vor der 90. ZDF-Minute auf. Es darf geseufzt und sich gefreut werden, dass die böse Welt da draußen noch Gegenpole kennt, in denen das Unglück nur eine kurzfristige Chance hat. Das „Herzkino“ gehört zu den besten Lebenslügen, die sich das Fernsehen ausgedacht hat.

Heißt Retro populistisches Programm?

Alles nur noch Stillstand, ja Retro im traditionellen Fernsehen? Der SWR hat die „Montagsmaler“ reaktiviert, am Freitag probiert das Erste eine Neuauflage von „Dingsda“. Beide Sendungen sind bei der Fanbase des öffentlich-rechtlichen Mediums, beim älteren Publikum bestens bekannt, da darf das Comeback auf erneuerten Erfolg hoffen. Konservatives – oder muss man sagen: Populistisches? – prägt das lineare TV mehr und mehr: Sendeschemata einbetoniert, Formate vereist und das „heute-journal“ wird auf ewig von Claus Kleber moderiert.

Da kommt der Fernsehkritiker mit folgendem Vorschlag ins Spiel. Er akzeptiert den Wunsch der Fans nach „Herzkino“-Fernsehen und die „Herzkino“-Fans akzeptieren seinen Wunsch nach Überwindung des „Herzkino“-Fernsehens. Es steht eins zu vier Millionen.

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