„3 nach 9“, „Hier spricht Berlin!“ & Co. : „Talk am Dienstag“ in der Halbzeitbilanz

Mittermeier, Tukur, Maffay: Vier Wochen "Talk am Dienstag" zwischen E und U und die Frage, ob es damit im Ersten weitergeht.

Peter Maffay zu Gast bei "3 nach 9".
Peter Maffay zu Gast bei "3 nach 9".Foto: Frank Pusch

Eine stressige Arbeitswoche für Giovanni di Lorenzo und Judith Rakers. Die Gastgeber von „3 nach 9“ haben gleich zwei Talk-Ausgaben innerhalb weniger Tage vor der Brust: am Dienstag ihre Premiere im Ersten im Rahmen des „Talks am Dienstag“, am Freitag eine normale Ausgabe in den Dritten Programmen.

Vom Thema der Woche her macht das Sinn. Peter Maffay, einer der Gäste am Dienstagabend, erzählte di Lorenzo im Gespräch, wie sehr ihn die Nachricht von dem offenbar antisemitisch motivierten Terroranschlag in Halle in der vergangenen Woche entsetzt hat – nicht zuletzt aufgrund seines persönlichen Bezugs zu der Saalestadt, seine Lebensgefährtin Hendrikje Balsmeyer stammt aus Halle.

Ein starker gesellschaftspolitischer Einschlag, wie man ihn von „3 nach 9“ seit über 40 Jahren gewohnt ist und wie er sich auch von den anderen Formaten, die sich in den vergangenen vier Wochen im „Talk am Dienstag“ erstmals im Hauptprogramm präsentieren durften, unterscheidet.

Doch ob nun Maffay oder Jörg Hartmann bei di Lorenzo und Rakers, Michael Mittermeier oder Stephanie zu Guttenberg bei Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt (Hamburg), Günther Jauch oder Else Buschheuer bei Eva-Maria Lemke und Jessy Wellmer (Berlin) oder Ulrich Tukur bei Bettina Böttinger (Köln) - dass unterhaltende Themen gerade auch um diese Uhrzeit, ab 22 Uhr 45, Vorrang haben, versteht sich von selbst. Wechsel auf dem Gästekarussell inbegriffen. Gastgeber bleiben gleich.

So gesehen passt der "Talk am Dienstag" zum herbstlichen Rilke-Gefühl dieser Tage. Das Karussell als Sinnbild des Lebens in seiner ziellosen, aber ständigen Bewegung, in der die immer gleichen Bilder wiederkehren. Wer will da aussteigen? Da mögen noch so viele die Nase rüffeln, wobei sich schon mal die Frage stellt, ob das nicht ein bisschen too much ist, wenn ein Format mehrmals die Woche auf den Bildschirm kommt.

Wichtig für die Terminkalender von Giovanni di Lorenzo und Judith Rakers

Quotenmäßig hatte die „NDR Talkshow“ mit 1,40 Millionen Zuschauern zum Start am 24. 9. die Nase vorn, gefolgt vom „Kölner Treff“ (1,25 Millionen) und „3 nach 9“ (1,1 Millionen). Die neue RBB-Talkshow „Hier spricht Berlin!“ hatte nicht nur zuschauermäßig mit 0,93 Millionen Zuschauern zur Premiere am 1. Oktober noch Luft nach oben.

Da konnten die jahrzehntelang im Dritten arrivierten Formate ihr Stammpublikum offenbar besser abholen. Die Berliner Talk-Debütantinnen Eva-Maria Lemke und Jessy Wellmer müssen noch ein wenig am Moderatoren-Feintuning arbeiten. Von den wenig witzigen Einspielern zur Gästevorstelllung aus dem Off ganz abgesehen.
Immerhin, die neue Talkreihe, stets in Konkurrenz zur Runde von Markus Lanz im ZDF, lag mit 1,18 Millionen Zuschauern (Marktanteil; 9,4 Prozent) über Schnitt im Ersten, wo sonst Filme und Serien nach den "Tagesthemen" laufen. Von daher könnte man sagen: Experiment gelungen. Eine zweite Halbzeit folgt.

Wie es nach vier weiteren Ausgaben mit dem „Talk am Dienstag“ weiter geht, ist noch offen. Die Reihe läuft noch bis zum 19. November auf dem Sendeplatz, an dem Tag mit einer Jubiläumsausgabe zu 45 Jahre „3 nach 9“. Anschließend werde über eine Fortsetzung entschieden, sagt ein Sprecher das Erste.

Das dürfte auch wichtig sein für die Terminkalender von Giovanni di Lorenzo und Judith Rakers, die sich anders als beim RBB, zwei unterschiedliche Talk-Ausgaben zumuten, eine fürs Erste, eine fürs Dritte/Radio Bremen. Die "NDR Talkshow" verfährt ebenso aufwendig.

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Da gilt es sich jetzt schon auf die nächsten sechs Gäste am Freitag vorzubereiten. Da springen unter anderem Marius Müller-Westernhagen, Collien Ulmen-Fernandes und Franz Müntefering aufs Karussell.