Abgebrochenes Interview von Björn Höcke : ZDF fordert Stellungnahme von AfD

„Deckt man das, oder distanziert man sich davon?“: Chefredakteur Peter Frey will von der AfD wissen, was die Partei aus der Angelegenheit schließt.

Björn Höcke, Landeschef der AfD in Thüringen.
Björn Höcke, Landeschef der AfD in Thüringen.Foto: imago images / Sammy Minkoff

Das ZDF hat die AfD aufgefordert, zu dem Interview-Abbruch ihres Thüringer Landeschefs Björn Höcke Stellung zu nehmen. Es stelle sich die Frage, was die AfD aus der Angelegenheit schließe, sagte Chefredakteur Peter Frey am Montag im ZDF-„Mittagsmagazin“. „Deckt man das, oder distanziert man sich davon?“

Höcke hatte dem ZDF ein Interview gegeben, in dem es um seinen Sprachgebrauch und NS-Begriffe ging. Nach etwa zehn Minuten hatte der Sprecher Höckes aus dem Hintergrund eingegriffen und gesagt: „Ich würde sagen, das sollten wir einfach wiederholen. Das geht so nicht. Das geht so nicht. Sie haben jetzt Herrn Höcke mit Fragen konfrontiert, die ihn stark emotionalisiert haben. Diese Emotionen, glaube ich, sollte man so nicht im Fernsehen bringen.“

Höcke selbst sagte, er sei nicht auf Fragen zu dem Thema vorbereitet gewesen: "Wir hätten doch eigentlich mit schönen Sachfragen zur Landespolitik einsteigen können und Sie hätten die Fragen dann am Ende, wenn wir am Laufen waren, nochmal vielleicht stellen dürfen."

Das Interview noch einmal zu beginnen, lehnte der ZDF-Journalist aber ab. Daraufhin wurde das Interview abgebrochen.

„Dann haben wir ein manifestes Problem“, sagte Höcke. „Ich kann Ihnen sagen, dass das massive Konsequenzen hat.“ Kurz darauf sagte er: „Wir beenden das Interview. Nur dann ist klar: Wir wissen nicht, was kommt. Dann ist klar, dass es mit mir kein Interview mehr für Sie geben wird.“

Auf die Frage des ZDF-Journalisten, ob dies eine Drohung sei, sagte Höcke: "Das ist nur eine Aussage, weil ich auch nur ein Mensch bin.". Der Interviewer hakte nach und fragte den AfD-Politiker: "Und was könnte kommen? Wenn Sie sagen, wir wissen nicht, was kommt." Höcke entgegnete: „Vielleicht werde ich auch mal eine interessante persönliche, politische Person in diesem Land.“

ZDF-Chefredakteur Frey: „Das ist eine Drohung, ja“

Frey sagte zu Höckes Äußerung: "Das ist eine Drohung, ja." Der Chefredakteur verteidigte zugleich das Interview: Das ZDF habe einen Beitrag zur Aufklärung leisten wollen, keine Skandalisierung. "Wir wollten keinen Eklat. Wir wollten einen Beitrag, der sich mit der Sprache der AfD, der Sprache von Björn Höcke auseinandersetzt."

Das Interview wurde am vergangenen Mittwoch in Erfurt geführt, ausgestrahlt wurde es am Sonntagabend. Das ZDF hat das komplette Interview und den Wortlaut online gestellt.

Frey hält die Veröffentlichung des vorzeitig beendeten Interviews für richtig: „Wir haben uns darüber wirklich intensiv Gedanken gemacht. Wie soll man damit umgehen?“, sagte er. „Und ich glaube, die transparenteste Lösung, auch für unsere Zuschauer, ist einfach gewesen, dass wir die 12 Minuten, 14 Minuten nehmen, sie ungeschnitten, so wie die Szene eben abgelaufen ist in Erfurt am letzten Mittwoch, in die Mediathek stellen, so dass jeder sehen kann, was passiert ist.“

Vor Beendigung des Interviews waren Höcke Aussagen von Parteikollegen gezeigt worden. Diesen hatte der Redakteur Aussagen von Höcke vorgelegt und sie gefragt: "Ist das aus 'Mein Kampf' oder von Herrn Höcke?" Bei einem Beispiel antwortete der AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier: "Wenn, eher aus 'Mein Kampf' würde ich sagen, aber nicht von Herrn Höcke."

Höcke sagte in dem Interview: "Ich glaube nicht, dass es eine allgemein gültige Definition dessen gibt, was eine NS-Diktion, was NS-Sprache ist." Kritiker, die ihm eine sprachliche Nähe zum Nationalsozialismus vorwerfen, seien "Stellenmarkierer". Diese wollten "kontaminieren, was angeblich nicht mehr sagbar ist", fügte Höcke hinzu.

Höcke war nach eigenen Angaben davon ausgegangen, dass es in erster Linie um den Landtagswahlkampf gehen würde. Das ZDF betont, dass es laut der vorigen Absprache nicht um Thüringen, sondern um die bundespolitische Bedeutung Höckes gehen sollte.

Der Deutsche Journalisten-Verband protestierte gegen Höckes Verhalten. Höcke habe "ein weiteres dunkles Kapitel des gestörten Umgangs der AfD mit der Pressefreiheit" aufgeschlagen, erklärte DJV-Chef Frank Überall. (AFP, dpa)