Abschied von der Kommissarinnen-Rolle : Maria Simon verlässt "Polizeiruf 110"

Seit 2011 spielt Maria Simon die Hauptkommissarin Olga Lenski im RBB-Krimi. 2020 ist Schluss, die Schauspielerin will Neues entdecken

Maria Simon verlässt den "Polizeiruf 110" des Rundfunks Berlin-Brandenburg.
Maria Simon verlässt den "Polizeiruf 110" des Rundfunks Berlin-Brandenburg.Foto: RBB

Es ist eine lange Zeit. Maria Simon kam 2011 zum "Polizeiruf 110" des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), 2020 wird die Schauspielerin zum letzten Mal die Hauptkommissarin Olga Lenski spielen. Was zunächst an der Seite von Horst Krause begann, ging von 2015 mit Lucas Gregorowicz als Adam Raczek weiter. Maria Simon sagte laut einer Pressemitteilung zu ihrem Abschied: "Ich bin sehr dankbar, dass ich diese schöne Rolle der Olga über viele Jahre spielen und kennenlernen durfte. Es war eine sehr fruchtbare Arbeit und Erfahrung. Was kommt, steht in den Sternen, ich weiß nur, ich muss weiterziehen, weiterlernen und Neues entdecken. Herzlichen Dank an die Zuschauer, die Olga mögen und an das RBB-Team für die tolle Zusammenarbeit."

Programmdirektor Jan-Schulte-Kellinghaus sagte für den RBB, "natürlich bedauern wir die Entscheidung von Maria Simon, respektieren sie aber selbstverständlich und wünschen ihr jetzt schon viel Glück auf allen neuen Wegen." Maria Simon habe über neun Jahre hinweg wie keine andere Kommissarin den Brandenburger "Polizeiruf 110" geprägt, "dafür gilt ihr unser großer Dank". Der Sender freue sich, noch drei Filme mit Maria Simon verwirklichen können, im Herbst 2020 werde sie dann zum 17. und letzten Mal als Olga Lenski zu sehen sein." Adam Raczek im Polizeikommissariat in Swiecko bei Frankfurt an der Oder ermittelt weiter, "mit wem, wird sich zeigen. Eins wissen wir: Den Fahndern geht die Arbeit in Brandenburg nicht aus", sagte Schulte-Kellinghaus.

Nominiert für den Deutschen Filmpreis

Maria Simon, geboren 1976 in Leipzig, studierte an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin. Sie debütierte 1999 an der Seite von Jürgen Vogel in "Zornige Küsse", beim Internationalen Filmfestival Moskau erhielt sie dafür den Preis als Beste Schauspielerin. Auf der Berlinale 2003 war sie mit den Filmen "Good Bye, Lenin!" und "Lichter" vertreten, für beide Rollen gab es Nominierungen für den Deutschen Filmpreis. Bei der Berlinale 2004 gehörte Maria Simon zu den Shooting Stars, den nominierten besten Nachwuchsdarstellern der europäischen Länder. 2016 wurde sie für "Silvia S. - Blinde Wut" als Beste deutsche Schauspielerin mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.

Im "Polizeiruf 110" aus Brandenburg wird Maria Simon mit ihrem Ausscheiden die bislang dienstälteste Ermittlerin gespielt haben. Ihre Vorgängerinnen waren Katrin Sass (Tanja Voigt, 1993 - 1998, zehn Fälle), Jutta Hoffmann (Wanda Rosenbaum, 1999 - 2002, vier Fälle) und Imogen Kogge (Johanna Herz, 2002 - 2010, zwölf Fälle).

Anlass zum Aufbruch

Die Neubesetzung von Olga Lenskis Stelle könnte zugleich ein passender Anlass sein, das Profil des Brandenburger „Polizeiruf“ zu schärfen. Da ist zum einen die persönliche Ebene zwischen der deutschen Kommissarin und ihrem polnischen Kollegen mit seinen tradierten aus einer katholisch geprägten Gesellschaft stammenden Überzeugungen, die zu deutlich sichtbaren Spannungen hätte führen sollen. Doch in der Praxis – das mag auch im guten Verhältnis der beiden Schauspieler begründet sein – wurde dieses Potenzial nicht ausgeschöpft. Da gäbe es deutlich mehr Möglichkeiten, das nicht immer einfache deutsch-polnische Verhältnis auszuloten.

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Mehr Mut zum Konflikt wünscht man sich auch mit Blick auf die Stoffe. Da könnten mehr solche außergewöhnlichen Folgen helfen wie „Demokratie stirbt in Finsternis“ wiederum mit Jürgen Vogel über die Aussteiger-Szene – Preper genannt –, die sich auf die Apokalypse vorbereitet. Oder Plots, die nicht davor zurückschrecken, das schwierige politische Verhältnis der beiden Ländern sowohl in der Vergangenheit als auch der Gegenwart aufzugreifen. Dass dies bislang nicht geschah, ist sicherlich nicht Maria Simon anzulasten. Ihr Abgang könnte aber das Signal zum Aufbruch sein.