AfD-Gast bei „Maischberger. Vor Ort“ : „Ich glaube an die Kraft des Streits“

Mohammad Suleman Maik wurde nicht eingeladen, Tino Chrupalla dafür schon. Wie es Talkerin Sandra Maischberger mit der AfD hält.

Sandra Maischberger wird am kommenden Mittwoch mit Politikern und Bürgern in Erfurt talken.
Sandra Maischberger wird am kommenden Mittwoch mit Politikern und Bürgern in Erfurt talken.Foto: WDR

Aufregung um die ARD-Talkshow „Maischberger“ am 11. März. Schauplatz soll Erfurt sein, Thema die kontroversen Vorgänge um die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen. Darum gibt es Streit, ausgelöst von einem Tweet des Erfurter Muslims Mohammad Suleman Malik. Er beschwert sich, erst ein- und dann wieder ausgeladen worden zu sein. „Ich – Muslim und direkter Betroffener der rassistischen Hetze der AfD wurde von #maischberger ausgeladen“, twitterte Malik. „Wisst ihr, wer stattdessen eingeladen wurde? AfD-Vorsitzender Tino Chrupalla.“

Sandra Maischberger sagte dazu dem Tagesspiegel, „unsere Sendung am Mittwoch ist die erste von drei geplanten Folgen ,maischberger.vor ort’. Wir wollen außerhalb der Publikumssendungen, die man vor Wahlen kennt, Bürger mit Politikern ins Gespräch bringen. In Thüringen haben wir dazu Politiker der drei Parteien eingeladen, die im Zentrum der Ereignisse der letzten Wahlen standen: Linke, AfD und CDU.“ Insofern hätte die Einladung der Parteivorsitzenden Katja Kipping und Tino Chrupalla bereits festgestanden, als die Redaktion mit Malik gesprochen hat.

Andere Stimmen als Mohammad Suleman Malik

„Parallel haben wir einen Aufruf gestartet, um rund 100 interessierte Bürger einzuladen. Die Reaktionen waren so zahlreich, dass wir uns entschieden haben, zum Thema ,Rassismus’, ,Ausländerfeindlichkeit’ und ,Ausgrenzung von Muslimen’ diesmal andere Stimmen im Publikum zu Wort kommen zu lassen als Herrn Malik, den wir bereits vor drei Jahren zu Gast hatten. Wir bedauern sehr, dass Herr Malik, den wir als Diskutanten hoch schätzen, aber auch andere interessierte Bürger nicht in die Sendung einladen konnten.“

Nicht sofort erkennbar ist, warum die Vorgänge in Erfurt im Februar immer noch eine Talkshow wert sein sollen. Nach Aussage von Maischberger ist Erfurt bewusst als erster Ort für die „Vor.Ort“- Reihe geplant. Die Ereignisse um die Ministerpräsidentenwahl würden grundsätzliche Fragen aufwerfen, die in ihrer Bedeutung über das Bundesland hinausgingen. „Außerdem hatten wir das Gefühl, dass zu den Wahlen in Thüringen wirklich jeder ausführlich zu Wort gekommen ist – außer den Wählern. Ihnen wollen wir Raum und Aufmerksamkeit geben“, sagte sie.

Lieber Streit als Bequemlichkeit

In „Journalist“-Interview hatte die Journalistin ihre Linie festgelegt: „Vertreter der AfD generell nicht mehr einladen zu wollen, lässt sich in unserer Demokratie nicht begründen.“ Der Kritik, dass damit ein Blankoscheck für die Rechtspopulisten ausgestellt würde, hielt die Moderatorin entgegen, „dass man nicht generell eine Gruppe Wähler vom politischen Diskurs ausschließen kann.

Die AfD ist im Bundestag die stärkste Oppositionspartei und stellt in allen Landtagen bis auf Bremen eine mehr oder weniger große Fraktion. Wir überlegen aber sehr genau, welche Politiker wir wann zu welchen Themen einladen. Oder welche Politiker wir nicht einladen, weil sie an einer echten Diskussion kein Interesse zeigen.“ Politische Positionen im Diskurs zu konfrontieren, sei das Gegenteil eines Blankoschecks. „Ich glaube an die Kraft des Streits – auch wenn das in Bezug auf die AfD gerade keine bequeme Position ist“, meinte Maischberger.

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