Amazon-Show "The Grand Tour" : TV-Unterhaltung für Bleifuß-Freunde

Die Auto-Show „The Grand Tour“ ist das letzte Hochamt für Benzin-Junkies und ihre PS-Boliden.

Echte Autonarren: James May, Richard Hammond und Jeremy Clarkson (v.l.n.r.) auf großer Tour.
Foto: Amazon

Political Correctness gehört nicht zu den Stärken von „The Grand Tour“. In der Auftaktfolge der neuen, dritten Staffel der PS-Show von Amazon Prime Video besuchen die Autonarren Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May die einst mächtige US-Automobil-Metropole Detroit.

Innerhalb weniger Jahrzehnte habe die Motor City den Niedergang von Amerikas reichster Stadt zu ärmsten Stadt der Vereinigten Staaten erlebt, merkt Clarkson an. „Außer Hiroshima“, plappert Hammond dazwischen. Für eine solche Bemerkung wäre ein TV-Moderator in jedem öffentlich-rechtlichen Sender gefeuert worden, in „The Grand Tour“ setzt Hammonds Kollege May die Aufzählung hingegen mit Pompeji fort. Die Fans im Zelt in den englischen Cotswolds, wo das Moderatoren-Trio seine Reiseabenteuer präsentiert, feiern es dafür – ebenso wie für die waghalsigen Einsätze rund um den Globus.

„The Grand Tour“ ist aus dem BBC-Automagazin „Top Gear“ heraus entstanden, das zu ihren besten Zeiten weltweit bis zu 350 Millionen Zuschauer hatte, bis es 2015 zum Zerwürfnis zwischen Clarkson und dem Sender kam. „Top Gear“ läuft zwar weiter bei der BBC, Clarkson, Hammond und May wechselten jedoch zum Streamingdienst Amazon.

Corvette Exorcist vs. Ford Mustand Demon

„The Grand Tour“ versammelt die Gemeinde der PS-Junkies, die es in vollen Zügen genießt, wenn die Reifen von US-Muscle-Cars wie einer Corvette Exorcist oder einem Ford Mustang Demon zum Qualmen gebracht werden und über Teslas gelästert wird. Andere Auto-Sendungen mögen über die Vorzüge und Nachteile von vierrädrigen Fahrzeugen für den Individualverkehr aufklären. In „The Grand Tour“ messen die Adrenalin-Junkies lieber, welches 800-PS-Auto den meisten Krach macht. „The Grand Tour“ ist Unterhaltung pur. Ein Hochamt für kraftstrotzende Automobil-Ikonen.

Mit Dialogen wie aus der Muppet-Show und ständigen Reibereien erinnern die Moderatoren an hormongesteuerte Teenager, obwohl alle die 50 längst überschritten haben und speziell Clarkson und May mit ihren Bäuchen kaum noch hinter die Sportlenkräder passen. Mit hämischer Freude wird jedes Missgeschick eines Kollegen quittiert.

Dabei wird die neue Staffel dem Titel der Show durchaus gerecht. Clarkson, Hammond und May gehen noch stärker als zuvor auf große Tour. Auf dem Programm stehen unter anderem die Mongolei, China und Kolumbien. Die spektakulären Landschaften erfüllen dabei vor allem einen Zweck: sie geben eine möglichst imposante Kulisse für die drei gealterten Jungs und ihre teuren Spielzeuge ab. Kurt Sagatz
„The Grand Tour“, dritte Staffel, Amazon Prime Video, ab Freitag.

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