Andrea Sawatzkis Roman verfilmt : Schlimmer geht immer

"Ihr seid natürlich eingeladen": Die dritte Verfilmung eines heiteren Familienromans von Andrea Sawatzki kippt zu oft in Klischee und Klamotte.

In Trauer um Vater und Mann: Gundula Bundschuh (Andrea Sawatzki, links) und ihre Mutter Ilse (Thekla Carola Wied).
In Trauer um Vater und Mann: Gundula Bundschuh (Andrea Sawatzki, links) und ihre Mutter Ilse (Thekla Carola Wied).Foto: ZDF und Britta Krehl

Es waren sicher nicht allein die feuerroten Haare, die Andrea Sawatzki zu einer der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen gemacht haben; aber natürlich sind sie ein unverkennbares Markenzeichen. Deshalb wird vermutlich jeder Leser bei der Lektüre ihres zweiten Romans „Tief durchatmen, die Familie kommt“ automatisch die Autorin vor Augen gesehen haben; schließlich ist ihre Heldin Gundula Bundschuh ebenfalls rothaarig. Tatsächlich hat Sawatzki damals zugegeben, dass dies kein Zufall gewesen und „ein kleiner Wunschgedanke“ mit im Spiel gewesen sei. Ihre Berliner Nachbarin, die Produzentin Regina Ziegler (ebenfalls rothaarig), bekam den Roman bereits vor der Veröffentlichung, und so kam eins zum anderen.

„Ihr seid natürlich eingeladen“ ist schon der dritte Film über die Bundschuhs. In den Romanen beschreibt Sawatzki die turbulenten Erlebnisse der chaotischen Sippe bei Familienfesten oder im gemeinsamen Urlaub mit einer Mischung aus Bosheit und Empathie. Die Ereignisse sind zwar auf die Spitze getrieben, wirken dennoch lebensnah und authentisch. Anlässlich der ersten Verfilmung hat die gebürtige Oberbayerin jedoch versichert, es sei „zum Glück alles erfunden“. Sie lebt seit über zwanzig Jahren mit ihrem Kollegen Christian Berkel zusammen, das mittlerweile verheiratete Paar hat zwei Söhne. Sawatzki zählt nicht zuletzt dank ihrer Rolle als Frankfurter „Tatort“-Kommissarin zu den bekanntesten deutschen Schauspielerinnen.

Breites Rollenspektrum von Andrea Sawatzki

Ihre große Stärke ist das breite Rollenspektrum, das von Klamauk („Erkan & Stefan“) bis Anspruch („Klimawechsel“) reicht; in Komödien überzeugt sie genauso wie im Drama oder im Thriller. Für „Tatort: Herzversagen“ hat sie den Grimme-Preis bekommen, für die RTL-Serie „Arme Millionäre“ den Deutschen Comedypreis und für „Bella Vita“ den Bayerischen Fernsehpreis.

Weil sie nie auf ein Genre festgelegt war, kann sie auch mit Mitte fünfzig nach wie vor aus dem Vollen schöpfen. Außerdem ist bekannt, dass sie bereit ist, sich auf Experimente einzulassen; die Frauen, die sie spielt, müssen weder hübsch noch auf Anhieb sympathisch sein.

Das gilt auch für die etwas verhuschte Gundula Bundschuh, die tapfer versucht, jede noch so große Kränkung, mit der ihre Mischpoke sie konfrontiert, wegzulächeln. Die bisherigen Adaptionen der heiteren Familienromane – der zweite hieß „Von Erholung war nie die Rede“ – waren gelungene Gratwanderungen zwischen Drama und Klamotte: weil Drehbuchautor Mathias Klaschka perfekt den Tonfall der Bücher getroffen hat. Die Verfilmungen waren gemäß der Komödiendevise „Schlimmer geht immer“ auf den Punkt inszenierte Gag-Feuerwerke. Leider gelingt es dem dritten Film, der am Montag im ZDF läuft, überhaupt nicht, die entsprechenden Erwartungen zu erfüllen.

Der Komödie widerfährt somit exakt jenes Schicksal, vor dem Regisseurin Vivian Naefe die beiden anderen bewahrt hat: das Umkippen ins reine Lustspiel. Regie führte diesmal Thomas Nennstiel, ein eigentlich erfahrener Regisseur, der einige durchaus sehenswerte Komödien gedreht hat („Die Erfinderbraut“, „Idiotentest“, „Der Stinkstiefel“). Der dritte Film über die Familie Bundschuh ist ihm jedoch missglückt, was sicher auch, aber nicht nur mit der Adaption zu tun haben wird. Die hat diesmal Alexander Dydyna besorgt, ein junger Autor, zu dessen wenigen Meriten die Kinofilme „Goethe!“ und „Bruder vor Luder“ gehören.

Zu wenige Zwischentöne

Nach Christfest und Urlaub nutzt „Ihr seid natürlich eingeladen“ gleich zwei Anlässe, bei denen Familien zusammenkommen: Die Trauerfeier für Gundulas Vater geht nahtlos in die Vorbereitungen der Hochzeit ihres Sohnes Rolfi (Oskar Bökelmann) über. Diesmal gibt es jedoch kaum Zwischentöne; das ständige Rülpsen des jüngsten Sohnes, der für einen entsprechenden Wettbewerb übt, ist leider typisch für das Humorniveau.

Bisher brachten die Figuren eine gewisse Komplexität mit und waren daher immer wieder für Überraschungen gut, diesmal werden sie auf ihre jeweils hervorstechendste Eigenschaft reduziert: Die Schwiegermutter (Judy Winter) wird zur Schnapsdrossel, die Mutter (Thekla Carola Wied) zur Giftspritze, der wehleidige Bruder (Stephan Grossmann) zur Witzfigur. Bloß Gundula bleibt die, die sie war; Sawatzki hat die stille Dulderin von Anfang an als wandelnde Zeitbombe verkörpert, die irgendwann in die Luft gehen wird.

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„Ihr seid natürlich eingeladen“, ZDF, Montag, 20 Uhr 15

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