Andreas-Gruber-Thriller im TV : Die skurrilen Fälle des BKA

Sat 1 bringt die außergewöhnlichen Thriller von Andreas Gruber ins Fernsehen. Im Zentrum: ein kiffender BKA-Profiler aus Holland.

Nicht ohne seinen Joint: Der BKA-Profiler Maarten S. Sneijder (Raymond Thiry) kann es sich leisten, seine Marotten zu pflegen.
Nicht ohne seinen Joint: Der BKA-Profiler Maarten S. Sneijder (Raymond Thiry) kann es sich leisten, seine Marotten zu pflegen....Foto: Sat 1/Petro Domenigg

Das deutsche Bundeskriminalamt konnte es bislang, was die mediale Faszination angeht, bei weitem nicht mit Federal Bureau of Investigation, aufnehmen. In zahlreichen Filmen und Serien – derzeit zum Beispiel in „Mindhunter“ auf Netflix – wurde dem FBI schon ein Denkmal gesetzt. Doch Wiesbaden ist nicht Quantico und selbst der bekannteste BKA-Präsident und Terroristenjäger Horst Herold ist bei weitem nicht so berühmt-berüchtigt wie FBI-Gründer J. Edgar Hoover. Umso erstaunlicher ist der Erfolg der Romane von Andreas Gruber, der das BKA mit einer schillernden Aura umgibt, wie sie sonst nur Ermittlungsbehörden wie eben das FBI haben. Womöglich liegt es daran, dass Gruber Österreicher ist. Die meisten deutschen Krimi-Autoren haben gar nicht erst den Versuch unternommen, das Bundeskriminalamt so zu überhöhen. Sat 1 zeigt am Montagabend mit „Todesfrist“ nun den ersten der bislang fünf BKA-Krimis von Gruber, Teil zwei ist für das kommende Jahre geplant.

Statt der gewohnten Special Agents hat das BKA in Grubers Kriminalromanen den Profiler Maarten S. Sneijder. Der Holländer kommt ohne seine Joints nicht aus. Er sagt, dass sie ihm gegen seine Kopfschmerzen helfen, seine Sinnesorgane sensibilisieren und seinen Verstand schärfen. Im Kontakt mit anderen Menschen ist er dagegen einsilbig, er bevorzugt Informationen in maximal drei Sätzen. Ihn als kompletten Misanthrop zu bezeichnen, ginge vermutlich zu weit, aber ein Kotzbrocken ist er sicherlich – immerhin ein effektiver, wie er selbst einräumt und dabei das Gesicht zu einem seltenen Lächeln verzieht. Sneijder gilt als Genie. Sonst würde man ihm seine Regelbrüche und Alleingänge nicht verzeihen. Besser noch: Schauspieler Raymond Thiry gelingt es auf fantastische Weise, das kauzige, aber nicht unsympathische Wesen des dauerkiffenden Profilers vom Roman auf den Bildschirm zu transportieren.

Thoug-sein hat nichts mit Körperbau zu tun

An Josefine Preuß als Polizistin Sabine Nemez, die sich schon zweimal erfolglos beim BKA beworben hat, muss man sich erst gewöhnen, wenn man zuvor die Bücher gelesen hat. Ihre zierliche Statur scheint nicht ganz zum vehementen Auftreten der jungen Frau zu passen, doch Preuß zeigt, dass tough-sein nichts mit Körperbau zu tun haben muss. Die Energie von Sabine Nemez rührt zudem nicht zuletzt daher, dass ihre Mutter zur Verdächtigen in einem Mordfall wird. In München wurde eine Frau in eine Kirche geschleift, am Boden festgebunden und mit Tinte ertränkt. Nemez Mutter wusste, dass ein Verbrechen passieren würde. Doch ist sie deshalb eine Mörderin? Sabine Nemez glaubt an ihre Unschuld und ermittelt zunächst auf eigene Faust – auch gegen Maarten S. Sneijder.

Die Tote aus der Kirche ist nicht das erste Opfer, und es wird nicht das letzte sein. In Wien wird einer Psychologin (Mavie Hörbiger) ein abgetrennter Finger zugeschickt. Und sie wird aufgefordert, in 48 Stunden herauszufinden, wem der Finger gehörte und warum er abgetrennt wurde. Weil Nemez erkennt, dass die Märchen aus dem „Struwwelpeter“-Kinderbuch dem Täter als Vorlage dienen, macht Schneijder sie in diesem vertrackten Psychospiel (Regie: Christopher Schier) zur Assistentin. Vielleicht wird ja doch noch etwas aus der erträumten Karriere beim BKA. Dem TV-Publikum wäre es zu wünschen. Allerdings müsste nicht ganz so unverblümt gezeigt werden, wie es aussieht, wenn ein Täter den Buchreim „Jetzt geht es klipp und klapp - mit der Scher’ die Daumen ab“ wörtlich nimmt.

„Todesfrist“, Sat 1, Montag, 20 Uhr 15

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