Anti-Doping-Berichte : Geheimsache „Sportschau“

Neues in Sachen russisches Staatsdoping: Das Erste schenkt Hajo Seppelt eine komplette "Sportschau". Und rückt den Lieblings-TV-Sport Biathlon in kein gutes Licht.

Doping-Reporter Hajo Seppelt
Doping-Reporter Hajo SeppeltFoto: AFP

Ungewöhnlicher Ort für die „Sportschau“ am Sonntag im Ersten. Sie kommt nicht aus Köln, sondern direkt aus einem Studio am Brandenburger Tor, moderiert von Jessy Wellmer. Ungewöhnlich auch das einzige Thema dieser Sendung: „Verräter – Die Folgen des Falls Russland“, eine neue Folge „Geheimsache Doping“ von Hajo Seppelt. Wohl am ungewöhnlichsten ist aber, dass auch die Auswirkungen des russischen Dopingskandals auf Deutschlands populärste Wintersportart angesprochen werden – Biathlon, die am Wochenende in ihre neue Saison startet und dabei wieder stundenlang im Fernsehen zu sehen ist.

Das überrascht. ZDF und ARD machen mit Biathlon-Übertragungen seit Jahren sehr gute Quote. Der RBB (der bei der ARD für die Übertragungen verantwortlich ist) produziert diese Anti-Doping-„Sportschau“, die kein so gutes Licht auf den Biathlon werfen dürfte. Das sei kein Problem, sagt Seppelt. „Der RBB, der zusammen mit dem WDR die Doping-Berichterstattung der ARD verantwortet, hat uns sogar ermutigt, diese Recherchen zu machen.“ Gute Quote und kritische Berichterstattung schlössen sich nicht aus. Da habe sich einiges im Sportjournalismus im Fernsehen getan. „Eine ganz ,Sportschau’ zum Thema Doping wäre aus meiner Sicht vor zehn Jahren undenkbar gewesen.“

Vielleicht waren die Doping-Storys aber auch noch nie so brisant. Etliche Verdachtsfälle sowie die Korruptionsvorwürfe im Weltverband sind nicht abschließend bearbeitet und werfen, so das Erste in seiner Ankündigung, einen Schatten auf den Biathlon-Weltcup-Auftakt in Pokljuka. An dem TV-Beitrag, sagt Seppelt, werde bis zur letzten Minute gefeilt. Es soll nicht nur eine Bilanz aus vier Jahren Arbeit der ARD-Dopingredaktion zum „Fall Russland“ gezogen werden.

Fake-News-Attacken, gefährliche Fluchten

2014 geriet Russlands systematisches Staatsdoping weltweit in die Schlagzeilen, in der TV-Doku berichteten Whistleblower über systemisches Doping in Russland in der Leichtathletik und anderen Sportarten. Das hatte heftige Entwicklungen im Weltsport ausgelöst: Sperren, Ausschlüsse von Olympia, Gerichtsurteile, Fake-News-Attacken, gefährliche Fluchten und weltweite Athleten-Proteste.

Laut Seppelt gibt es nun „frappierende Einsichten. Der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, Craig Reedie, habe anfänglich offenbar kein Interesse hatte, Ermittlungen im größten Doping-Skandal aufzunehmen – wegen offenkundiger Nähe zu Russland.“ Zudem habe sich trotz Putins vollmundiger Ankündigungen bei der russischen Anti-Doping-Politik nichts geändert, was die Umsetzung betrifft. „Russische Whistleblower, die wir in den USA an geheimen Orten getroffen haben, können ein Lied davon singen. Sie werden als Verräter gebrandmarkt.“

Apropos, auch die Autoren des „Sportschau“-Beitrags, Hajo Seppelt und Nick Butler, werden sich wieder keine Freunde mit ihrer Arbeit machen. Seitdem Seppelt vor der Fußball-WM in Russland wegen seiner Recherchen zur unerwünschten Person erklärt worden war, hatte er Personenschutz. „Uns ist von Leuten, die es wissen müssen, der Rat gegeben worden, bei unserer Arbeit auf Sicherheit zu achten.“ Markus Ehrenberg

„Sportschau“, Sonntag, ARD, 18 Uhr

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