ARD-Tragikomödie „Nichts zu verlieren“ : Die wichtigen Fragen des Lebens

Zwei Geiselnehmer kapern einen Reisbus, nicht ahnend, dass es sich um eine Trauerreise handelt. "Nichts zu verlieren" ist eine berührende Tragikomödie über den Sinn des Lebens.

„Schatzi, bist Du die Chefin von der Truppe?“ Räuber Richy (Georg Friedrich) kapert den Reisebus von Irma Anders (Lisa Wagner).
„Schatzi, bist Du die Chefin von der Truppe?“ Räuber Richy (Georg Friedrich) kapert den Reisebus von Irma Anders (Lisa Wagner).Foto: Meike Birck/BR

Zwei Räuber, ganz offensichtlich nicht von der allerhellsten Sorte, nehmen an einer Tankstelle mit einer Pistole bewaffnet die Insassen eines Busses als Geiseln. Wer nur diese Kurzbeschreibung liest, bekommt derzeit sicherlich größte Bedenken, wurde doch gerade erst des 30. Jahrestages der blutigen Geiselnahme von Gladbeck gedacht. Dass der ARD-Film an diesem Mittwoch den Titel „Nichts zu verlieren“ trägt, macht es nicht besser, denn genau diesen Eindruck hatten die beiden Geiselnehmer Rösner und Degowski ebenfalls gemacht. Vor laufenden Kameras steckten sie sich die Läufe ihrer Pistolen in den Mund, um der Polizei zu signalisieren, dass ihnen ihr Leben nicht allzu viel wert ist, sie aber ganz sicher noch ein paar Geiseln mit in den Tod nehmen würden – was sie dann ja auch taten.

Doch glücklicherweise gehen die Ähnlichkeiten zwischen Gladbeck und dem ARD-Mittwochsfilm nicht so weit. Die, die nichts zu verlieren haben, sind in dieser Koproduktion von BR und ORF nämlich die Insassen des Uralt-Busses, die sich auf einer Trauerreise unter Leitung von Irma Anders (Lisa Wagner) befinden. Sie alle haben vor nicht allzu langer Zeit einen nahen Angehörigen verloren und seither den Weg in ein normales Leben nicht wiedergefunden. Das müssen die beiden aus Österreich stammenden Geiselnehmer (Georg Friedrich und Christopher Schärf), die nach einem vergurkten Einbruch in Bayern nun auf der Flucht sind (ein Räuber wurde von einem ehemaligen Komplizen versehentlich angeschossen), auch bald erkennen.

„Nichts zu verlieren“, der Film von Regisseur Wolfgang Murnberger (Buch: Ruth Toma) ist trotz bewaffneter Geiselnahme kein weiterer Fernsehkrimi, sondern eine anrührende Tragikomödie, in der die Fragen von Leben und Tod auf ganz andere Weise beantwortet werden.

„Nichts zu verlieren“, ARD, Mittwoch, 20 Uhr 15

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