Arte-Doku über das Universum : Von Himmel und Hölle

Der kurzweilige Dreiteiler „Unser Universum“ kommt als informatives Ablenkungsprogramm nicht nur für Sterngucker gerade recht.

Die Gestalt des Ikarus - Anreger vieler technischer Schöpfungen
Die Gestalt des Ikarus - Anreger vieler technischer SchöpfungenFoto:arte

Man könnte meinen, die Menschheit ist recht weit gekommen mit ihrem Wissen über das Universum, seit in Babylon vor etwa 2800 Jahren die ersten Mondfinsternis-Tabellen mit Keilschrift in Ton geritzt wurden. Mittlerweile blicken Teleskope tief ins All, im vergangenen Jahr gelang das erste Foto von einem Schwarzen Loch.

Alle Rätsel gelöst? Sicher nicht. Fünf Prozent des Weltraums seien beobachtbar, 95 Prozent immer noch ein Geheimnis, sagt Astrophysikerin Alexandra Amon am Ende des Dreiteilers „Unser Universum“ und strahlt dabei übers ganze Gesicht.

   Die Begeisterung, mit denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dieser britischen Produktion über ihre Erkenntnisse reden, ist häufig zu spüren. Knapp drei Stunden lang dreht sich alles um die menschliche „Leidenschaft für den Himmel“, wie der manchmal leider etwas übertrieben pathetische Kommentar aus dem Off verspricht.

Der von Arte an einem einzigen Abend ausgestrahlte Mehrteiler kommt gerade recht: als informatives Ablenkungsprogramm in schweren Zeiten und zugleich als unterhaltsamer Beleg für die stetige Weiterentwicklung wissenschaftlichen Denkens – und das völlig frei von Virologen. Der britische Autor Adam Luria verbindet dabei Technik- mit Kulturgeschichte. Denn wie der Mensch seit jeher die Phänomene am Himmel gedeutet hat, sagt schließlich auch einiges aus über seine Sicht auf das eigene, das irdische Leben.

Kopernikus rückte Anfang des 16. Jahrhunderts die Sonne ins Zentrum

   Mit einem liebevoll gestalteten, computergenerierten Modell, das einer mechanischen Weltuhr ähnelt (und manchmal auch so klappert), werden die Änderungen des menschlichen Weltbilds über die Jahrtausende anschaulich. Die Babylonier glaubten vor rund 2500 Jahren an eine mitten im Meer gelegene Erd-Scheibe.

Bei Ptolemäus (um 100 n.Chr.) war die Erde, von der Sonne und den Planeten umkreist, immer noch der Mittelpunkt des Universums. Erst Nikolaus Kopernikus rückte Anfang des 16. Jahrhunderts die Sonne ins Zentrum.

   „Unser Universum“ (im Original: „Ancient Skies“, drei Teile, Arte, Sonntag, ab 20 Uhr 15), produziert von der Londoner Firma Impossible Factual im Auftrag von ZDF Enterprises und dem nicht-kommerziellen US-Sendernetz PBS, hat somit nicht nur für notorische Sterngucker einen Reiz. Der Mehrteiler erzählt von den ersten Weltkarten und gigantischen Sonnenkalendern, von den Entdeckungen der Babylonier und Maya, von den Stern-Uhren der Ägypter und der Weitsicht eines Thales von Milet, der schon im sechsten Jahrhundert vor Christus bei der Deutung natürlicher Phänomene auf Beobachtung statt auf Gottesfurcht setzte.

Luria verzichtet dankenswerter Weise auf das übliche „Reenactment“, also die nachgestellte Inszenierung historischer Szenen, bietet aber einige durchaus ansehnliche Anleihen beim Fantasyfilm. Da kämpft die babylonische Gottheit Marduk keulenschwingend mit Tiamat, der einem Ungeheuer gleichenden Urgöttin des Meeres. Und die Schlange, aus dem Paradies vertrieben, saust in Gestalt eines gehörnten Satans tief ins Innere der Erde – die Geburtsstunde der Hölle. Auch das Sciencefiction-Genre findet in Teil drei mit Jules Verne und H.G. Wells Beachtung.

 

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