Arte-Doku über Sergio Leone : Kino = Leben

Ein glorreicher Regisseur, der lange Zeit verkannt wurde: Eine Arte-Doku würdigt das Werk von Sergio Leone.

Spiel mir das Lied vom Tod. Sergio Leone (r.) und Henry Fonda beim Dreh.
Spiel mir das Lied vom Tod. Sergio Leone (r.) und Henry Fonda beim Dreh.Foto: Bridgeman Images

Es sind Filmtitel, die in das kollektive Gedächtnis eingegangen sind. Und es sind Filmmusiken, die die Menschen kennen, die sie mitpfeifen oder mitsummen können. „Für eine Handvoll Dollar“, „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Es war einmal in Amerika“ – sofort beginnt das Kopf-Kino, lauscht man den Kompositionen von Ennio Morricone. Sergio Leone, dessen Todestag im April 2019 sich zum 30. Mal jährt, hat nur wenige Kinofilme gedreht, gerade einmal ein halbes Dutzend. Einige davon haben Filmgeschichte geschrieben, andere sind in Vergessenheit geraten. Im Vorfeld des Todestages blickt Autor Jean-François Giré in seiner Dokumentation „Sergio Leone – Spiel mir das Lied von Amerika“ auf Leben und Werk des italienischen Regisseurs.

Leone, in Rom geboren und aufgewachsen, Sohn der Schauspielerin Edvige Valcarenghi und des Filmpioniers Vincenzo Leone, kommt durch das Metier seiner Eltern früh schon mit dem Medium Film in Berührung. Der kleine Sergio wird an den Sets der Eltern groß und schwärmt für das Hollywood-Kino der goldenen Ära, während in Italien Mussolini herrscht. Bei Vittorio de Sicas 1948 gedrehtem „Fahrraddiebe“ wird er Italiens jüngster Regieassistent. Bei den in Roms Cinecittà-Studios entstehenden US-Monumentalfilmen „Quo Vadis“ und „Ben Hur“ ist Leone einer der Regisseure des zweiten Aufnahmeteams.

„Das Kino ist für mich das Leben, und umgekehrt“, sagt Sergio Leone an einer Stelle in dokumentarischen Archivaufnahmen und bislang unveröffentlichten Tonbandaufnahmen, aus denen Girés neue Dokumentation neben zahlreichen Filmausschnitten und sehr alten Interviews mit Claudia Cardinale und Clint Eastwood hauptsächlich besteht. „Ich bin ein Kind des Kinos. Mein Leben, alles, was ich lese und sehe, dreht sich ums Kino.“

Leone schuf zwar ein neues Western-Genre und wurde zu einem sehr reichen Mann. Er hatte es jedoch nie leicht, da er lange Zeit nicht ernst genommen und verkannt wurde. Sergio Leone, das war nicht die Klasse eines Rossellini, Visconti, Antonioni, Fellini. Leone, das galt als Populärkultur.

Der sehr korpulente, barocke Mann hatte mehrere Herzinfarkte

In den 1960er Jahren dreht Leone seine harten, ironischen Meisterwerke des von ihm begründeten Italo-Westerns. Er entdeckt Clint Eastwood in einer US-Serie und castet ihn in „Für eine Handvoll Dollar“, dem Auftakt seiner Dollar-Trilogie, „Für ein paar Dollar mehr“ und „Zwei glorreiche Halunken“ sollen folgen, Eastwood wird zum Star. In den meisten seiner Filme geht es um Freundschaften, um Buddys, die sich durchschlagen, um Typen, die weder so richtig bad guy noch good guy sind.

Der Dollar-Trilogie schließt sich die Amerika-Trilogie an, die, gestreckt auf 15 Arbeitsjahre, bereits den Abschluss seines überschaubaren und doch so ikonischen, unvergänglichen Werkes bildet: Auf „Spiel mir das Lied vom Tod“ mit Claudia Cardinale und Henry Fonda, den Höhepunkt seiner Regiekarriere, folgt zunächst „Todesmelodie“ (1971), bis heute seine unbekannteste Arbeit, damals ein Total-Flop, trotz der Besetzung mit James Coburn und Rod Steiger. Sergio Leone wurde nicht alt. Der sehr korpulente, barocke Mann hatte mehrere Herzinfarkte, paffte aber seine dicken Zigarren und aß viel. Der Zustand seines Herzens verschlechterte sich mit Abschluss seiner letzten Arbeit, des aufwendigen Vier-Stunden-Epos „Es war einmal in Amerika“ gravierend. Operationen lehnt Leone ab.

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Eines Abends sitzt er zu Hause im Fernsehsessel. Es ist der 30. April 1989. Leone sieht sich einen Film seines amerikanischen Regiekollegen Robert Wise an, „I Want to Live!“. Ein Herzinfarkt trifft ihn. Die Fernbedienung hält er noch immer in der Hand, der Bildschirm flimmert. Thilo Wydra

„Sergio Leone – Spiel mir das Lied von Amerika“, Sonntag, Arte, 22 Uhr 05