Arte-Krimi : Schlaflos in Dänemark

In „Follow the Money“ verschwimmen Grenzen zwischen Bürgerlichkeit und organisiertem Verbrechen.

Manfred Riepe
Durchsuchung: Das Team der Taskforce um Alf (Thomas Hwan, r.).
Durchsuchung: Das Team der Taskforce um Alf (Thomas Hwan, r.).Foto:arte

Eine Bad Bankerin mit diabolischem Charme. Ein Rauschgifthändler, der sein Geschäft mit der Präzision eines Wirtschaftswissenschaftlers betreibt. Und ein traumatisierter Drogenfahnder, der nur mit Tabletten schlafen kann: Kein Zweifel – da ist wieder etwas faul im Staate Dänemark. Eine Arte-Serie aus Kopenhagen zeigt, wie der Kapitalismus aus dem Ruder läuft, wenn Nichtskönner und Populisten das Sagen haben.

Seit 25 Jahren arbeitet Anna (Maria Rich) in der Sparkasse als Kundenberaterin. Ihren Job verrichtet sie freundlich und mit der Präzision eines Computers. Keiner der Kollegen macht ihr etwas vor. Trotzdem wird sie bei der Beförderung zur Filialleiterin übergangen. Und zwar mit dem vergifteten Lob, sie sei eben unentbehrlich an der Basis. Welch eine Wertschätzung! Anna, äußerlich ganz ruhig, stopft sich auf der Toilette Klopapier in den Mund und packt all ihren Frust in einen lautlosen Schrei.

Unterdessen wird eine junge, naive Kollegin, die von den Oberen leicht zu kontrollieren ist, Anna vor die Nase gesetzt. So funktioniert eben das System. Doch Anna spielt nicht mehr mit. Ein paar unauffällige Transaktionen ins Ausland – und schon ist die vormals graumäusige Ehefrau und Mutter eines erwachsenen Sohnes eine Nummer im Drogengeschäft. Die Erotik der Macht bringt sogar ihr in Routine erstarrtes Eheleben wieder in Schwung.

Die großen Fische und nicht die kleinen Geldboten

Neben Anna porträtiert die Serie zwei verwandte Seelen, die aus ähnlichen Gründen mit dem System auf Kriegsfuß stehen. Alf Rybjerg (Thomas Hwan), ein labiler Polizist mit wachem Blick auf verborgene Geldströme, will eigentlich die Hintermänner im Drogenmilieu fassen.

Die großen Fische und nicht die kleinen Geldboten. Der fähige Ermittler wird jedoch ausgebremst von seinem mediokren Vorgesetzten, der auf kurzfristige Fahndungserfolge setzt und nachhaltige Polizeiarbeit blockiert.

Und so geht dem fähigen Polizisten Alf immer wieder Nicky (Esben Smed) durch die Lappen, ein smarter Dealer, der das Geschäft mit der Präzision eines Wirtschaftswissenschaftlers aufzieht. Seine Lieblingslektüre: „Creating Modern Capitalism“, ein Standardwerk des Pulitzer-Preisträgers Thomas K. McCraw. Eine Schlüsselrolle spielen in dieser Serie auch arabische Clans, deren Parallelwelt ähnlich präzise ausgeleuchtet wird wie in „4 Blocks“.

„Follow the Money – Die Spur des Geldes“ wirft differenzierte Blicke auf die Schnittstelle zwischen Wirtschaftskriminalität und Migration. Das System gerät in Schieflage, nicht wegen der Geldgier böser Kapitalisten, sondern weil zentrale Schaltstellen besetzt sind mit Nichtskönnern, Blendern und karrieristischen Politikern ohne Vision. Die ersten beiden Staffeln aus den Jahren 2018 und 2019 hat Arte übersprungen. Schade eigentlich („Follow the Money“, zehn Teile, Arte, Donnerstag, 21 Uhr 05).

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