Arte-Serie mit Laetitia Casta : Männer sollten sich besser fernhalten

Eine Arte-Serie mit Laetitia Casta verbindet griechischen Mythos und das Thema Umweltschutz. Und manchmal auch ein wenig „Bilitis“.

Manfred Riepe
Fast wie bei „Bilitis“. Théa (Laetitia Casta, r.) und Chloé (Noée Abita).
Fast wie bei „Bilitis“. Théa (Laetitia Casta, r.) und Chloé (Noée Abita).Foto: Arte

Die Strandparty hat der Grapscher Boris (Théo Berger) sich anders vorgestellt. Beim Versuch, die schüchterne Chloé (Noée Abita) mit K.O.-Tropfen gefügig zu machen, fällt er ohne ersichtliche Ursache ins Koma. Später stürzt der Liebeskranke sich dann von einer Klippe in den Tod. Männer sollten sich besser fernhalten von der verführerischen Chloé, die schon bald in eine Reihe mysteriöser Morde verwickelt wird: Eine Arte-Serie über Weiblichkeit, Natur, Umwelt, Gift und toxische Männlichkeit interpretiert den Sirenen-Mythos neu.

Schauplatz ist die französische Mittelmeerinsel Korsika. Hier arbeitet Chloé, ein Waisenmädchen, das als Kind in einer Höhle aufgefunden wurde, in einer Fischfabrik. Ihr Job ist unsicher. Seit geraumer Zeit gehen die Fangraten immer weiter zurück. Um über die Runden zu kommen, kooperieren einige der Fischer mit kriminellen Entsorgungsfirmen. Das wird ihnen zum Verhängnis.

Zwei der Fischer, die gerade dabei sind, Ölfässer zu verklappen, sterben unter merkwürdigen Umständen. An Bord ihres Kutters findet die Polizei eine unbekannte Frau namens Thea (Laetitia Casta). Niemand weiß, wie sie an Bord kam. Hat sie etwas mit dem Tod der Fischer zu tun? In welcher Beziehung steht sie zur jungen Chloé?

Der Plot dieser französischen Serie ist sprunghaft und nicht immer logisch schlüssig [ „Die Frau aus dem Meer“, Arte, Donnerstag, ab 21 Uhr 10, drei von sechs Teilen]. Lässt man sich darauf ein, dann entwickelt der Sechsteiler jedoch eine magische Sogwirkung. Das liegt auch an der anmutigen Darstellerin Laetitia Casta in der Titelrolle. Nach dem Antlitz des ehemaligen Mannequins wurde jene Mariannen-Büste modelliert, die, von Zeit zu Zeit wechselnd, jeweils nach dem Vorbild prominenter Französinnen wie Brigitte Bardot oder Catherine Deneuve neu gefertigt und in den örtlichen Rathäusern der gesamten Republik ausgestellt wird.

Aqua-Lolita mit Schmollmund

Staatstragend ist Laetitia Castas Rolle als Frau aus dem Meer deswegen aber nicht. Im Gegenteil. Die Miniserie, bei der Aurélien Molas („Die Geister des Flusses“) am Buch mitwirkte, ist eine eigenwillige Mischung aus Öko-Parabel, Mystic-Thriller und dem guten alten Geschlechterkampf.

Die Casta verkörpert dabei eine dämonenartige Heimsuchung aus den Untiefen des Meeres, die ihren Lebensraum gegen Umweltsünder verteidigt. Anders als im griechischen Mythos lockt sie toxische Männer nicht mit ihrem Gesang, sondern mit weiblichen Reizen ins Verderben. Dabei empfindet die Meerjungfrau, die anstelle eines Fischschwanzes zwei grazile Beine hat, eine abgründige Form von Lust.

In seinem Regiedebüt entführt der Franzose Julien Trousselier in eine seltsame Welt mit alten Tonbändern, einem gelben Mercedes aus den 80er Jahren und einer Telefonzelle. Faszinierend sind die atmosphärischen Naturbilder, deren schroffer Kontrast zu verlassenen Industrieanlagen, einer maroden Kirche sowie einer Geisterstadt das Ökothema unterstreicht.

Man kann allerdings nicht ganz verschweigen, dass „Die Frau aus dem Meer“ gelegentlich haarscharf am Trash entlangschrammt. Der Auftritt der jungen Noée Abita als verführerische Aqua-Lolita mit Schmollmund erinnert ein wenig an den Softsexfilm „Bilitis“.

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Man bleibt aber trotzdem an der Serie dran, weil ihr immer wieder überraschend poetische Momente gelingen. Stimmen die Fischer ein Requiem für ihre toten Kollegen an, dann gehen diese Klänge durch Mark und Bein. Wie der Gesang einer Sirene.

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