„aspekte“ im ZDF : Warum das ZDF sein Kulturmagazin in die Nacht schickt

Wieder eine „Aspekte“-Reform, das ZDF, sein flotter Kulturbegriff, und wer etwas davon hat. Eine Meinung.

Katty Salié und Jo Schück, die beiden "aspekte"-Moderatoren
Katty Salié und Jo Schück, die beiden "aspekte"-ModeratorenFoto: ZDF und Svea Pietschmann

Wieder mal Neues in Sachen Kulturjournalismus im ZDF: Die Sendung „aspekte“ soll sich reformieren und laut Pressemitteilung zu einem „Reportageformat“ werden. „Die Moderatoren Katty Salié und Jo Schück sind fortan unterwegs, präsentieren Themen und treffen Kulturschaffende und andere Gesprächsgäste an den unterschiedlichsten Plätzen der Republik.“ Es ist unklar, was die Reform für Autoren bedeutet, die bislang Beiträge für die Sendung geliefert haben. Man müsse sich verändern, um sich treu zu bleiben, heißt es zur Erklärung beim Mainzer Sender.

„Wir verlassen unser Fernsehstudio, und gehen dahin, wo Kultur und Debatte entstehe, auch in der Präsentation“, sagt Daniel Fiedler, ZDF-Redaktionsleiter für Kultur in Berlin. „Außerdem ermöglicht uns das neue Reportageformat, ,aspekte’ schon um 21 Uhr in die ZDFmediathek zu stellen.“ Dass damit die lineare Ausstrahlung am Freitag hinter das neu geschaffene „ZDF Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann Nähe Mitternacht geschoben wird, blieb zunächst unerwähnt.

Sicher, dem neuen „Aspekte“-Konzept ist eine Chance zu geben und schon gar den beiden Moderatoren. Sicher ist aber auch: Kulturjournalismus sollte ARD, ZDF & Co. schon ein bisschen mehr sein, als an unterschiedlichste Plätze zu gehen und dort Kulturschaffende zu befragen.

Wo bleibt die klassische Kulturkritik, wofür beim ZDF und Deutschlands ältester überregionaler Kultursendung früher Redaktionsleiter und Moderatoren wie Manfred Eichel, Johannes Wilms, Roger Willemsen, Wolfgang Herles, Kino-Kritiker Peter W. Jansen oder auch der jüngst verstorbene Volker Panzer mit seinem 2012 eingestellten „nachtstudio“ standen?

Andere Reflexe als ein Privatsender oder Youtube

Dass das Interesse des ZDF an derlei Kulturberichterstattung im linearen Fernsehen nicht mehr allzu stark ausgeprägt ist, zeigte zuletzt Ende 2018 die Absetzung des 3sat-„Kulturpalasts“. Ja, Tempora mutantur…früher war nicht alles besser und, okay, da ist die maue Quote.

2020 liegt die aspekte“ im Schnitt bei etwas mehr als einer Million Zuschauer. 2019 sahen 830 000 Menschen zu. Bei aller Publikumsfreundlichkeit – es muss, wieder einmal, daran erinnert werden dürfen, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender anderen Reflexen folgen sollte als ein Privatsender oder Youtube. Sperrige Themen und Formen sind durchaus zumutbar.

In Abänderung eines Blumenberg-Zitats könnte man sagen: Kulturkritik ist, worauf man beinahe von selbst gekommen wäre. Eben das: nur „beinahe“. Mit Reportagen, mit Schauwerten kommt man da nur bedingt weiter. Vielleicht bräuchte das Thema Kulturjournalismus beim ZDF auch bessere Selbstpromotion.

Wie das geht, zeigt der Mann, der im ZDF-Programm freitags an die Stelle von „Aspekte“ rückt. Jan Böhmermann, gerade auf großer PR-Tour für sein Buch mit gesammelten Twitter-Werken, hat sich in den vergangen Tagen lautstark über ein Interview in der „FAS“ geärgert, das auf den letzten Metern vor der Veröffentlichung geplatzt ist, angeblich durch den Widerstand von „FAZ“-Feuilleton-Herausgeber Jürgen Kaube. Böhmermann reagiert mit einem offenen Brief bei Twitter. Mehr PR geht nicht.

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