Aus für "Gottschalk Live" : Ende des Schreckens

Die ARD-Intendanten haben entschieden: Am 7. Juni darf Thomas Gottschalk zum letzten Mal seine Vorabendshow moderieren. Gottschalk selbst zeigt Verständnis für den Beschluss.

Auserzählt. Nach nur fünf Monaten ist für „Gottschalk Live“ am 7. Juni Schluss. Foto: dapd
Auserzählt. Nach nur fünf Monaten ist für „Gottschalk Live“ am 7. Juni Schluss. Foto: dapdFoto: dapd

Nun haben die ARD-Intendanten schneller als erwartet entschieden: Am Mittwochnachmittag gaben sie bekannt, die Vorabendshow „Gottschalk Live“ mit Beginn der Sommerpause zu beenden. Als Grund wurde die zu geringe Publikumsresonanz angegeben. Seinen letzten Auftritt als Gastgeber im Humboldt-Carré am Gendarmenmarkt hat Thomas Gottschalk am 7. Juni.

Die ARD hatte die Sendung erst Ende Januar ins Programm gehoben, um damit den Vorabend für die Werbekundschaft attraktiver zu gestalten. Viermal wöchentlich sollte die Prominenz des geachteten TV-Moderators die Zuschauer um 19 Uhr 20 ins Erste locken. Die Quote ging jedoch nach einem guten Start – die erste Sendung mit Studiogast Bully Herbig kam auf 4,5 Millionen Zuschauer – direkt in den Sturzflug über. Statt der angepeilten zehn Prozent lag sie zuletzt nur noch bei knapp über einer Million Zuschauern, was 4,5 Prozent Marktanteil entspricht.

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Aufstieg und Niedergang von "Gottschalk Live"
Die Lösung? Thomas Gottschalk (links) und Harald Schmidt könnten als Dauer-Unterhalter auf dem ZDF-„Traumschiff“ anheuern. 2009 haben sie es schon gemacht – und es war so großartig, dass Inka Bause jubelte und trubelte.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: ZDF/Dirk Bartling
19.04.2012 22:35Die Lösung? Thomas Gottschalk (links) und Harald Schmidt könnten als Dauer-Unterhalter auf dem ZDF-„Traumschiff“ anheuern. 2009...

Die ARD-Vorsitzende Monika Piel dankte Thomas Gottschalk für seine große Begeisterung, seine Kreativität und seine Risikobereitschaft: „Ich finde es schade, dass ,Gottschalk Live‘ beim Publikum nicht den Zuspruch gefunden hat, den wir diesem Format alle gewünscht haben. Wir werden nun in aller Ruhe gemeinsam über eine Zusammenarbeit in anderer Form nachdenken.“ Bereits seit seinem Wechsel vom Zweiten zur ARD stellten sich die ARD-Programmmacher die Frage, in welchen Galas oder Shows Gottschalk noch eingesetzt werden könnte. Ein Angebot für die Quizsendung „Frag doch mal die Maus“ soll er abgelehnt haben. Oder folgt der endgültige Abschied von der TV-Bühne?

Die Auflösung des auf drei Jahre geschlossenen Vertrages bereitete dem Senderverbund keine Schwierigkeiten. In der Übereinkunft war verankert worden, dass die ARD die Show beenden kann, wenn sie die Quotenvorgabe nicht erreicht. Im langfristigen Schnitt hätte „Gottschalk Live“ bis zum 20. April zehn Prozent Marktanteil erreichen müssen.

Die Sendung wurde von Anfang an von Kritik begleitet. Die mehrfachen Unterbrechungen von „Gottschalk Live“ für Werbung und Wetter ließen sich zu häufig nicht mit den Gesprächen mit Gottschalks Gästen synchronisieren. An prominenten Gästen hat es indes nicht gemangelt. Gottschalk hatte Sportlegenden wie Franz Beckenbauer und Katarina Witt, den Modeschöpfer Karl Lagerfeld, Schauspieler wie Harald Krassnitzer und Uwe Ochsenknecht oder bekannte Musiker wie Sebastian Krumbiegel und Peter Maffay zu Gast. Auch die Unterstützung von TV-Kollegen wie Günther Jauch und Tom Buhrow war ihm sicher.

Thomas Gottschalk zeigte Verständnis für den Beschluss der ARD: „Ich nehme diese Entscheidung der Intendanten mit Bedauern zur Kenntnis, habe aber volles Verständnis dafür. Es war uns von Anfang an klar, dass wir mit diesem Format ein Experiment gewagt haben und ich war mir des Risikos zu jeder Zeit bewusst“, sagte der 61-Jährige, der im vergangenen Jahr die Moderation der ZDF-Samstagabendshow „Wetten, dass..?“ abgegeben hatte. „Über das Schicksal eines Fernsehmoderators entscheidet das Publikum, und ich muss zur Kenntnis nehmen, dass es mir nicht gelungen ist, an diesem Programmplatz genügend Zuschauer zu begeistern“, sagte Gottschalk weiter.

An Versuchen, die Sendung aus dem Quotenkeller zu holen, hat es nicht gemangelt. Zuerst sollte Markus Peichl als Redaktionsleiter „Gottschalk Live“ neue Impulse geben. Im nächsten Schritt wurde das Studio umgebaut. Wo anfangs die Redaktion residierte, nahm nun das Studio-Publikum Platz. Der letzte Versuch bestand darin, die Sendung bereits am Nachmittag aufzuzeichnen, um für Gottschalk eine „entspanntere Situation“ zu schaffen.

Die Aufzeichnung der Sendung führte gestern dazu, dass Gottschalk trotz Absetzung weiterhin als „letzter König im Fernsehen“ gefeiert wurde, der im Vorabend regiert. Auch der Zusatz, „Gottschalk Live“ sei die meistgesehene Vorabend-Entertainmentshow wirkte deplatziert. Auf das Aus ging Gottschalk nur indirekt ein. „ Ich gehe nur, wenn eine Frau kommt, das würde ich fordern“, sagte Gottschalk zu Studiogast Anke Engelke, ohne das näher zu erläutern.

Die ARD-Intendanten haben sich indes der Einsicht gebeugt, dass Thomas Gottschalk der falsche Moderator auf dem falschen Sendeplatz mit dem falschen Sendekonzept war. Die Vertretung für die Sommerpause stand indes schon zuvor fest. Im Wechsel mit der Fußball-EM und den Olympischen Spielen lädt Kabarettist Dieter Nuhr zu einer Spielshow. Ihr Titel: „Null gewinnt“.