Autor hat Interview mit Morricone gefälscht : „Playboy“ stellt Strafanzeige wegen Betrugs

Ein Interview des Männermagazins mit Komponist Ennio Morricone schlägt Wellen. Passagen daraus, die den Regisseur Tarantino betreffen, sind falsch.

Ennio Morricone
Ennio MorriconeFoto: dpa

Ein Interview des deutschen „Playboy“ mit dem Filmkomponisten Ennio Morricone in der Dezember-Ausgabe ist in die Schlagzeilen geraten. Zuerst, weil Morricone in dem Interview über Regisseur Quentin Tarantino herzieht. Jener wird damit zitiert, dass Tarantino „ein absoluter Chaot“ sei. „Er redet, ohne zu überlegen, er macht alles auf den letzten Drücker, hat kein Konzept.“

Am Dienstag stellte sich heraus, dass das Gespräch in Teilen offenbar „nicht korrekt wiedergegeben war“, so „Playboy“-Chefredakteur Florian Boitin. „Wir bedauern, wenn Herr Morricone dadurch in ein falsches Licht gerückt worden sein sollte. Wir arbeiten an der Aufklärung des Sachverhalts und prüfen rechtliche Schritte.“ Morricone hatte juristische Schritte angekündigt. Tarantino sei ein großartiger Regisseur, verbreitete der 90-Jährige auf seiner Homepage.

Am Mittwoch nun hat seine Agentur laut Meedia.de ein Entschuldigungsschreiben des Interviewers veröffentlicht, der zugibt, das Interview verfälscht zu haben. Andere Personen, die beim Interview anwesend waren, hätten bestätigt, dass Morricone während des Gesprächs keine negativen Bemerkungen über Tarantino gemacht habe. Morricones Agentur hatte den Interviewer, den freien Autor Marcel Anders, gebeten, die Geschichte zurückzuziehen und ein Entschuldigungsschreiben zu schicken. Man habe Kontakt zum Burda-Verlag aufgenommen, um eine Berichtigung zu erreichen.

Boitin teilte am Mittwochnachmittag im Sondernewsletter mit, dass der Autor in einem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, Ennio Morricone dafür um Entschuldigung bittet, sich in der für „Playboy“ angefertigten finalen Interview-Fassung nicht an das tatsächlich Gesagte gehalten zu haben, sondern dem Interview anderweitig getroffene Aussagen hinzugefügt zu haben.

"Ich habe allerhöchste Hochachtung vor Ennio Morricone und seinem musikalischen Lebenswerk. Und ich kann deshalb an dieser Stelle nur mein allergrößtes Bedauern ausdrücken, wenn durch die – man muss es so sagen: vorsätzlich unrichtigen Darstellungen – eines von uns beauftragten Autors Herr Morricone in ein falsches Licht gerückt wurde."

Man werde an einer raschen und vollständigen Aufklärung des Sachverhaltes arbeiten sowie Strafanzeige wegen Betrugs gegen den Autor stellen.

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