Berichterstattung zu Notre-Dame : „Shit happens” - ARD reagiert auf Kritik

„Eine Extra-'Tagesschau' hätte uns gut zu Gesicht gestanden”, gesteht der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm ein. Die „Brennpunkt”-Entscheidung verteidigt er dagegen.

Feuerwehrmänner stehen auf dem Dach eines Turmes der Pariser Kathedrale Notre-Dame.
Feuerwehrmänner stehen auf dem Dach eines Turmes der Pariser Kathedrale Notre-Dame.Foto: dpa/ Marcel Kusch

Die ARD-Intendanten üben sich nach nach dem Brand der Kathedrale Notre-Dame am Montagabend in Selbstkritik. „Eine zusätzliche ,Tagesschau‘-Ausgabe um 21 Uhr hätte uns gut zu Gesicht gestanden“, sagte der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm am Mittwoch nach einer zweitägigen Intendanten-Tagung in Hamburg. Die Senderchefs hätten es „mit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass dies nicht geglückt ist“.

Der ARD-Vorsitzende reagierte damit auf die massive Kritik an der Live-Berichterstattung des Senders. So wurde unter anderem vom ehemaligen Chefredakteur von ARD-aktuell Ulrich Deppendorf moniert, dass es keinen „Brennpunkt“ zum Brand der Kathedrale gegeben hat. Für Wilhelm liegt die Wahrheit zwischen der Kritik und dem Lob über den Umgang des Senders mit den Ereignissen in Paris „wie so oft in der Mitte“. Für einen „Brennpunkt“ gebe es klare Bedingungen. Entscheidend sei die Frage, ob eine solche Sondersendung mehr bieten könne als das, was zuvor schon in der „Tagesschau“ berichtet wurde.

„Im Ergebnis hätten wir eine brennende Kirche zeigen können. Das aber wollten wir nicht“, begründete Wilhelm die Entscheidung gegen einen „Brennpunkt“. Zudem habe man nicht die Logistik in Paris gefährden wollen, die für eine verlängerte „Tagesthemen“-Sendung gebraucht wurde. Statt dessen habe man mit Laufbändern reagiert. Die Redaktion von ARD-aktuell könne dies bei entsprechender Nachrichtenlage jederzeit in eigener Souveränität tun, da gebe es keine langen Entscheidungswege. Dies habe man schon vor längerer Zeit so festgelegt.

In Erklärungsnöten wegen Notre-Dame: Ulrich Wilhelm (rechts), der ARD-Vorsitzende und BR-Intendant, und Volker Herres, der ARD-Programmdirektor.
In Erklärungsnöten wegen Notre-Dame: Ulrich Wilhelm (rechts), der ARD-Vorsitzende und BR-Intendant, und Volker Herres, der...Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Volker Herres: "Shit happens"

Vollauf zufrieden mit der Leistung der ARD am Montagabend war auch Programmchef Volker Herres nicht. „Shit happens“, sagte er mit Blick darauf, dass der Brand der Kathedrale in der „Tagesschau“ als Thema erst nach dem Bericht über die Ermittlungen gegen den ehemaligen VW-Chef Winterkorn gezeigt wurde. Wilhelm hatte dies damit erklärt, dass der Bericht noch kurz zuvor um den Einsturz des Vierungsturms aktualisiert worden sei und darum erst eine Minute vor dem Beginn der Nachrichtensendung überspielt werden konnte – und zwar ohne Kommentierung. Die sei erst in der „Tagesschau“-Sendung erfolgt. Es schmerze ihn darum, wenn es nun heiße, die „Tagesschau“ habe Notre-Dame nicht als wichtigstes Thema gesehen.

Auf die Frage nach der Notwendigkeit eines öffentlich-rechtlichen Nachrichtenkanals reagierte der ARD-Vorsitzende ausweichend. Dieses Thema sein „ein wahres Minenfeld“. Wilhelm verwies darauf, dass es Aufgabe der Politik sei, die öffentlich-rechtlichen Sender damit zu beauftragen. Dies sei in der Vergangenheit abgelehnt worden, unter anderem mit Blick auf die frei finanzierten Nachrichtensender n-tv und Welt.

„Wir bemühen uns, unsere Erklärkompetenz im Rahmen der bestehenden Gefäße auszubauen“, sagte Wilhelm und verwies unter anderem auf die Internet-Plattformen wie tagesschau.de. Doch der Spielraum dazu sei nicht besonders groß, wie die Kritik von Zeitungsverlegern an den öffentlich-rechtlichen Nachrichtenangeboten gezeigt hätte.

Unter anderem vom nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet, CDU, war am Montag bemängelt worden, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk schlafe, während „rechte Hetzer erste Verschwörungstheorien“ verbreiten. ARD-Programmchef Volker Herres warnte davor, auf jede Verschwörungstheorie mit einer Erklärung zu reagieren, da man diesen sonst nur eine Plattform bieten würde. „Wir sollten nicht auf jeden Schwachsinn im Internet eingehen“, plädierte Herres.