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Berliner Verlag : Chefredakteur Matthias Thieme geht

Chefredakteur Matthias Thieme verlässt wenige Wochen nach seiner Ernennung den Berliner Verlag schon wieder.

Auf einem Tisch in Berlin liegen zwei Ausgaben der Tageszeitungen "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier".
Auf einem Tisch in Berlin liegen zwei Ausgaben der Tageszeitungen "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier".Foto: Sophia Kembowski/dpa

Was da im Berliner Verlag passiert, kennt man eigentlich nur aus der Fußball-Bundesliga: Trainerwechsel in Permanenz. Nach Tagesspiegel-Informationen hat der Chefredakteur von „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“, Matthias Thieme seine Kündigung eingereicht – nach nur drei Wochen auf diesem Posten.

Matthias Thieme war vom Berliner Verlag im Dezember 2019 als Chefredakteur für digitale Produkte verpflichtet worden. Am 10. Februar verkündete der Verlag, dass die bisherigen Chefredakteure Jochen Arntz und Elmar Jehn das Unternehmen verlassen würden. Thieme führte seither als alleiniger Verantwortlicher die Redaktionen von „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“. Zuvor war Thieme stellvertretender Chefredakteur der „Frankfurter Neue Presse“.

Konflikte über Strukturen und Aufgaben

Die Ernennung von Thieme war eine Entscheidung der Verleger Holger und Silke Friedrich sowie von Herausgeber Michael Maier gewesen. Insbesondere der IT-Unternehmer Friedrich übte massiven Druck bei der Digitalisierung von Redaktion und Verlag aus.

Dabei muss es zu grundsätzlichen Konflikten gekommen sein, nicht über redaktionelle Inhalte, sondern über künftige Strukturen, über die Rollen- und Aufgabenverteilung, wie es im Verlag heißt. Thiemes Kündigung wird angesichts der Umstände von seinen Zeitungskollegen als „sehr nachvollziehbar“ aufgefasst, schreibt Ulrike Simon bei horizont.net. „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“ haben jedenfalls überhaupt keine Chefredaktion mehr.

Seitdem Holger Friedrich und seine Frau Silke, die die „Berlin Metropolitan School“ betreibt, den Berliner Verlag im Herbst 2019 von der Kölner Verlagsgruppe DuMont gekauft haben, kommt das Medienunternehmen nicht mehr aus den Schlagzeilen.

Zunächst hatte das Ehepaar Friedrich sich in einem umfassenden Manifest zum Umbau der Zeitung und zum Zustand der Gesellschaft zu Wort gemeldet; ihrer Darstellung nach war dies auf viel Zustimmung gestoßen, außerhalb ihrer Wahrnehmung war die Verwunderung darüber größer.

Matthias Thieme hat nach drei Wochen im Amt die Chefredaktion von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" offenbar wieder aufgegeben.
Matthias Thieme hat nach drei Wochen im Amt die Chefredaktion von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" offenbar wieder...Foto: dpa

Schließlich gab es im November Berichte über die Einflussnahme der Eigentümer auf die redaktionelle Berichterstattung der „Berliner Zeitung“. So wurde eine BioTech-Firma herausgestellt, an der Holger Friedrich beteiligt ist. Dann wurde die Stasi-Mitarbeit von Holger Friedrich in der Endphase der DDR als „IM Bernstein“ öffentlich, was er vor dem Erwerb des Verlages zusammen mit seiner Frau verschwiegen hatte.

Am Sonntag veröffentlichte die „Welt am Sonntag“ eine Recherche, nach der die Friedrichs jahrelang widerrechtlich die Existenz einer eigenen GmbH in der Schweiz vorgetäuscht haben sollen. „Es bleibt uns wirklich nichts erspart“, sagte eine Mitarbeiterin zur aktuellen Personalie.

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