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Beschwerde der Martin-Niemöller-Stiftung : Spot für Garnisonkirche bringt ZDF Ärger ein

Ein Beitrag für den umstrittenen Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam wird den ZDF-Fernsehrat beschäftigen. In 80 Beschwerden wird dem Sender unter anderem vorgeworfen, seine ausgewogene Berichterstattung aufgegeben zu haben.

Darf das ZDF für den Wiederaufbau einer ehemaligen Militärkirche werben?
Darf das ZDF für den Wiederaufbau einer ehemaligen Militärkirche werben?Screenshot: Tsp

Der Streit um den Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam hat das Fernsehen erreicht. Die Martin-Niemöller-Stiftung will mit einer Beschwerde beim ZDF-Fernsehrat gegen einen Beitrag des Senders protestieren. Mit dem einminütigen Spot, den das ZDF am Sonntag direkt vor den „heute“-Nachrichten gezeigt hat, habe der Sender seine bisherige ausgewogene Berichterstattung aufgegeben und sei werbend für das umstrittene Projekt tätig geworden, kritisierte der Stiftungsvorsitzende Michael Karg.

Der Mainzer Sender wies die Kritik zurück. „Das ZDF berichtet in seinen Angeboten über den Umgang mit dem kulturellen Erbe Deutschlands. Aus diesem Grund hat das ZDF die kritische Debatte um den Wiederaufbau der Garnisonkirche umfänglich thematisiert und Befürworter wie Kritiker zu Wort kommen lassen“, teilte der Sender am Dienstag auf eine Anfrage des Tagesspiegels mit. Weitere Trailer zu anderen kulturellen Projekten seien geplant, Ausstrahlungstermine stünden aber noch nicht fest. Bis Mittwoch seien beim ZDF-Fernsehrat wegen des kurzen Films rund 80 Beschwerden eingegangen, sagte eine Sprecherin dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch in Mainz.

Symbol für Militarismus oder Zeichen für Frieden oder Versöhnung?

Der Wiederaufbau der in den letzten Kriegswochen 1945 zerstörten Militärkirche, deren Überreste 1968 gesprengt wurden, richtet sich vor allem gegen deren ehemalige Rolle als Zeichen des preußischen Militarismus sowie die Vereinnahmung des Ortes während des Nationalsozialismus, wie am „Tag von Potsdam“ 1933. Die wiederaufgebaute Kirche soll nach dem Willen der Stiftung Garnisonkirche hingegen als Zentrum für Frieden und Versöhnung dienen. Der Gottesdienst zum Start des Wiederaufbaus Ende Oktober vergangenen Jahres fand unter Polizeischutz statt.

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Michael Karg von der Martin-Niemöller-Stiftung wies darauf hin, dass der Bau wegen Problemen mit dem Fundament seit Jahresbeginn stillsteht. „Der ZDF-Spot hätte diese Information enthalten müssen, so führt er die Zuschauer und möglichen Spender in die Irre.“ Kritische Distanz ist dem Spot tatsächlich nicht anzumerken, weder in Bildern, Musik noch Texten. In einer Szene freuen sich zwei Jungen über den Fund einer Glocke im Trümmerhaufen. Am Ende heißt es: „Der Turm der Potsdamer Garnisonkirche wird wieder aufgebaut. Und jeder kann helfen.“ Dieser Beitrag war dabei wohl weniger hilfreich. Kurt Sagatz

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