„Big Brother“ entdeckt die Corona-Wirklichkeit : Pool der Ahnungslosen

Sieben Wochen heile Welt, dann plötzlich Menschen mit Masken: Die Bewohner im „Big-Brother“-Container wurden von Sat1 über die Corona-Pandemie informiert.

Die «Big Brother»-Bewohner der aktuellen «Big Brother»-Staffel sitzen in einem Whirlpool.
Die «Big Brother»-Bewohner der aktuellen «Big Brother»-Staffel sitzen in einem Whirlpool.Foto: dpa

"Truman Show" im Privatfernsehen: Am Dienstagabend hat das Wissen um die weltweite Corona-Pandemie auch die letzten neun Bundesbürger erreicht - in Köln, im Trash-TV.

Die wochenlang von der Nachrichtenlage abgeschotteten "Big Brother"-Bewohner wurden über den Ausbruch des Coronavirus informiert. Moderator Jochen Schropp hat den Kandidaten, die ein kleines Areal in Köln bewohnen, in einer Spezial-Sendung ab 19 Uhr erzählt, was außerhalb ihrer künstlichen Welt los war und ist.

Schropp saß den staunenden Kandidaten auf einer Couch gegenüber - streng getrennt hinter einer großen Glasscheibe. Der Grund? Zeigte ein Einspieler zur Nachrichtenlage, wie das gefährliche Virus näherkam: China, Europa, Italien, Deutschland, die ersten Toten hier, Ausrufung der Notstände, Menschen mit Masken. "Big-Brother"-Arzt Andreas Kaniewski erklärte Übertragungswege und Schutzmaßnahmen.

Vormittags noch im Pool, abends fast Weltuntergangsstimmung. Die Container-Bewohner müssen sich wie Truman Burbank alias Jim Carrey gefühlt haben in jenem US-Blockbuster-Film mit simulierter Welt und künstlichen Himmel, in der die Wirklichkeit einbricht.

„Meine Mutter ist 55 und schwer lungenkrank.“

Die ersten Reaktionen: Mitbewohnerin Rebecca musste sich beruhigen, Altenpflegerin Michelle weinte. "Meine Mutter ist 55 und schwer lungenkrank." Andere hörten gebannt zu, nahmen sich in die Hand. Menowin gab den Stoiker.

Dann Fragen zu Krankheitsverlauf, Zahl der Toten in Deutschland, Hamsterkäufen, zur Not und Hilfe von Kleinunternehmen und Pflegeheimen. "Big Brother" entdeckt das soziale Gewissen.

Später noch Video-Botschaften von Eltern, Geschwistern, Kindern. Da weinte selbst Menowin. Der Entschluss zur Offenbarung sei auch in Absprache mit den Familien gefallen, hatte Sat1 in der Sendungsankündigung mitgeteilt. Es dürfte die Quote (zuletzt 800 000 Zuschauer in der Tageszusammenfassung) des fast in der Versenkung gelandeten Trash-TV-Formats angehoben haben.

Die aktuelle Staffel der Reality-Show läuft seit dem 10. Februar im Fernsehen. Erste Kandidaten wurden bereits am 6. Februar von der Außenwelt abgeschottet. Letzte bekannte Bilder für sie waren die von Corona in China. An der Wissenslücke änderten auch neu eingezogene Kandidaten nichts. Sie durften der Stammbesetzung nichts über aktuelle Entwicklungen verraten.

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Ein bemerkenswertes Stück Reality-TV aus dem gerade wahrscheinlich sichersten Platz in ganz Deutschland: dem Containerdorf in Köln. Dann kam die Werbung.

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