Böhmermann im ZDF-Hauptprogramm : Jan – geh ins Offene!

Neun Monate wird Jan Böhmermann an seiner neuen ZDF-Show basteln. Die muss dann aber sitzen. Ein Kommentar.

Jan Böhmermann will erwachsen werden, jedenfalls wechselt er ins ZDF-Hauptprogramm
Jan Böhmermann will erwachsen werden, jedenfalls wechselt er ins ZDF-HauptprogrammFoto: dpa

Im Dezember ist es geschafft, dann läuft die letzte Ausgabe vom „Neo Magazin Royale“. Jan Böhmermann fliegt bei ZDFNeo nicht raus, das ist es nicht, er wechselt ins ZDF-Hauptprogramm. Im Herbst 2020 will er dort, wohl am Freitag nach der „heute-show“, mit einer neuen Sendung antreten.

Soll bestimmt was Großes werden, soll Peng machen. Deswegen darf sich keiner wundern, dass Böhmermann und seine Kombattanten von der „bildundtonfabrik“ wenigstens neun Monate bis zum Start brauchen. Oder nehmen sie sich so viel Zeit, um gleich weitere ZDF-Formate zu renovieren. Die „heute-show“ steckt fest. Politikerverarsche traut sich mittlerweile jeder Fernsehprolet, und die Meinung, dass Satire im (Zweiten Deutschen) Fernsehen mit immer noch mehr Satire immer noch besser wird, ist ein folgenschwerer Programmirrtum.

Der Wechsel ins Hauptprogramm folgt offenbar einem Wunsch Böhmermanns. Merkwürdig. Das ZDF hat deutlich mehr, mehr ältere, mehr konservative Zuschauer. Es ist erfolgreich dank eines Programmehrgeizes, der mit fünf Millionen Zuschauern bei den „Rosenheim-Cops“ zufriedener ist als mit einem Kulturmagazin „Aspekte“.

45 Minuten Heldenverehrung

Künftig also das Juckpulver Böhmermann, vielleicht lässt sich neue Aufregung und Aufmerksamkeit für das Zweite und für den Scherzmatador generieren; nach sechs Jahren „Neo Magazin“ und „Neo Magazin Royale“ sitzen ein paar Hunderttausend hartgesottene Fans brav ihre 45 Minuten Heldenverehrung ab.

Jetzt aber mal Schluss mit der Herummäkelei. Jan Böhmermann verlässt seinen Sandkasten und geht aufs große Spielfeld, vielleicht gar ins Offene hinaus? Das ist zweifellos so mutig wie notwendig. Jan B. ist 38 und damit viel zu jung, ewig den Janni mit der „Schmähkritik“, der „Prism is a Dancer Show“, mit dem SPD-Vorsitz zu geben. Das war was, da war was in all der „Royale“-Routine – eines steckte nicht drin: Zukunft.

Gehen, um wiederzukommen, das ist beim Medium Fernsehen keine Kleinigkeit. Kann schiefgehen. Böhmermann hatte mit dem „Neo Magazin Royale“ seine Zeit in einer Zeit, die jetzt rum ist. Aber keine Bange: Mit ihm zieht die neue Zeit – wenn sie schreiten Seit’ an Seit’.

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