Boxen wieder im Zweiten : Voll auf die Zwei

Das ZDF überträgt wieder Boxen, aber nur authentisches und faires Boxen. Los geht es am 9. November. Ein Kommentar

Thomas Fuhrmann ist Sportchef des Zweiten Deutschen Fernsehens in Mainz - und offenbar großer Boxfan.
Thomas Fuhrmann ist Sportchef des Zweiten Deutschen Fernsehens in Mainz - und offenbar großer Boxfan.Foto: ZDF

Boxen hat es schwer, jedenfalls im deutschen Fernsehen. Übers Jahr gesehen laufen mehr Boxfilme als dass Boxkämpfe übertragen werden. „Rocky Balboa“ nur zum Beispiel. In diese (vermeintliche) Lücke will das Zweite Deutsche Fernsehen hineinstoßen. Am 9. November, natürlich ein Samstag, geht es live hinein in die Kampfnacht in der „Kuppel“ in Hamburg.

ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann möchte „authentisches Boxen“ übertragen. Erst mal toll, aber was ist das: authentisches Boxen? Fuhrmann hat folgende Antwort parat: „Der eigentliche Boxkampf steht im Mittelpunkt, nicht das Drumherum.“ Außerdem sei Boxen intensiv und eine der ältesten Sportarten.

Da passt es prima ins Bild, dass der ZDF-Partner, die Universum Box-Promotion, stolz darauf ist, mit dem öffentlich-rechtlichen Sender einen Fernsehpartner gewonnen zu haben, der „die Universum-Philosophie von fairem Boxen mitträgt“.

Von der Champions League zum Boxen

Was war Boxen bisher? Nicht fair, nicht authentisch? Da schreit der Mainzelmann aber „Guuddnnabend“ vor Glück, dass sich die Fleischhauerei zum Guten wendet. Das Zweite hatte bis 2010 im Verbund mit dem Boxstall Universum mehrere Kampfabende jährlich übertragen. Dann wurden die großen Namen im Ring weniger und weniger, die Quoten sanken, das ZDF haute die Millionen lieber für die Fußball-Champions-League raus. Aber auch die CL hatte ihre Zeit, jetzt will das ZDF die Millionen erneut fürs Boxen raushauen. So authentisch und so fair wie möglich.

Anfang 2020 ist bereits ein weiterer Abend mit „authentischem Boxen“ geplant. Schon für den ersten Abend wird das komplette Teilnehmerfeld zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. Ist bestimmt nicht einfach, Boxer nach der vereinigten ZDF-Universum-Philosophie zu finden.

Und weil das ZDF der vielleicht feinfühligste Sender („Herzkino!“) im deutschen Fernsehen sein will, wird die öffentlich-rechtliche Anstalt auch noch überzeugende Argumente dafür finden, warum ausgerechnet an einem 9. November eine neue TV-Boxtradition begründet werden soll. Oder ist das jetzt die Reaktion eines verzärtelten Fernsehkritikers?