Castingshow bei Sky : "X Factor" mit Onkel Thomas

Modern-Talking-Star und Rapper in einer Jury: Castingshow gibt es nun auch im Pay TV bei Sky. Wobei "X Factor" keine Neuerfindung ist.

Thomas Anders (l-r), Jennifer Weist, Lions Head und Sido bei einem Pressetermin zur neuen Musik-Castingshow "X-Factor" bei Sky Deutschland.
Thomas Anders (l-r), Jennifer Weist, Lions Head und Sido bei einem Pressetermin zur neuen Musik-Castingshow "X-Factor" bei Sky...Foto: dpa


Der „Onkel“ von Sido? An diese Bezeichnung muss sich Thomas Anders erst mal gewöhnen. Doch es stimmt schon, die vier Juroren der Castingshow „X Factor“ auf Sky könnten unterschiedlicher nicht sein. Nicht nur altersmäßig, auch musikalisch liegen zwischen Rapper Sido, 37, und Ex-Modern-Talking-Sänger Thomas Anders, 55, Welten. In der Jury von „X Factor“ stehen die beiden Seite an Seite mit Rocksängerin Jennifer Weist von der Band „Jennifer Rostock“ und Popmusiker Lions Head. So viel schon mal vorab: Wenn die am Montag startende Show so zündet wie bei der Präsentation der Juroren am Donnerstag in Berlin, könnte das durchaus neuen Schwung ins Castingshow-Format bringen.


Interessant ist, aus welcher Ecke der Refresh kommt. Bei Sky denkt jeder zuerst an Fußball und Serien. Das will Sky-Deutschland-CEO Carsten Schmidt ändern. „X Factor“ passe genau in die Senderstrategie: zu zeigen, dass Sky mehr zu bieten habe als Fußball. Dabei sei diese Show für den Sender schon auch ein kleines Abenteuer. Ganz neu ist das Format nicht. Entwickelt wurde es 2004, es war in 52 Ländern von Australien bis Russland zu sehen, in Deutschland von 2010 bis 2012 auf Vox. Bei „X Factor“ treten Musiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in verschiedenen Kategorien gegeneinander an und versuchen, die Jury für sich einzunehmen.


Die Juroren seien emotional und authentisch, siehe Sido, stehen in guter Interaktion mit den Kandidaten, sagt der Produzent, Ufa-CEO Nico Hofmann und verweist auf ein erfolgreiches Pendant bei Sky Italia. Dabei sind Solokünstler genauso wie Bands – ein Alleinstellungsmerkmal dieser Castingshow – und Rapper. Das freue Sido (dessen Frau Charlotte Würdig die Show moderiert, zusammen mit dem Ungarn Ben Istenes). Genauso wie der Umstand, dass es in der Show um Musik gehe und nicht darum, sich über die lustig zu machen, die auf der Bühne stehen und sich alle Hoffnungen machen auf das große Finale am 19. Oktober live in Köln. Der Gewinner erhält einen Plattenvertrag bei Sony Music.


Nur: Was ist das eigentlich, der X Faktor? „Das gewisse Etwas, das man hat, jeder merkt es, wenn jemand mit dem X Faktor den Raum betritt“, sagt Thomas Anders. Das mit dem „Onkel“ scheint dem Mann, der Millionen Platten weltweit verkauft hat, nichts auszumachen.

Das Duo Mrs. Greenbird?


Eine Frage ist, ob es den Castingshowfans etwas ausmacht: schon wieder TV-Talente suchen. Die Formate gehen quotenmäßig nicht mehr alle durch die Decke. Die Zeiten, in denen RTL mit seinen Castingshows sieben Millionen Zuschauer hatte, sind vorbei. An den Sieger der dritten „X Factor“-Staffel auf Vox, das Duo Mrs. Greenbird, kann sich auch nicht jeder erinnern. „Deutschland sucht den Superstar“ und „Das Supertalent“ gehören allerdings immer noch zu den erfolgreichsten Programm-Marken des Privatfernsehens.

„DSDS“ – mit Thomas-Anders-Ex-Gesangspartner Dieter Bohlen – musste bei der Staffel 2018 teilweise Quoteneinbrüche hinnehmen, auf unter drei Millionen Zuschauer. Das reichte bei dem Show-Dino immer noch für Marktführer-Anteile von 18 Prozent bei der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Ähnlich „Das Supertalent“. Die Show hat es seit 2007 auf elf Staffeln gebracht, die neue startet im September. Dabei lebt das Format vor allem von Dieter Bohlen und Bruce Darnell, die die Jury dominieren. Die letzte Staffel erreichte in der werberelevanten Zielgruppe bis zu 20 Prozent Marktanteil.


Die ProSiebenSat1-Gruppe wiederum hat „Germany’s next Topmodel“ und „The Voice of Germany“ im Programm. Diese Castingshow ist seit 2011 zu sehen, mit zuletzt ebenfalls knapp 20 Prozent Marktanteil. Im Herbst startet die achte Staffel. In der Jury hier: Mark Forster, Yvonne Catterfeld, das Team Michi Beck/Smudo sowie Neuzugang Michael Patrick Kelly. „The Voice of Germany“ gilt so ein bisschen als Kritikerliebling unter den Castingshows.


Es ist also nicht so, dass den Produzenten und Unterhaltungsschmieden wie Ufa Show & Factual nichts mehr einfällt, beziehungsweise einfallen muss. Castingshow funktioniert. Das lohnt einen Versuch im Pay TV. Ob sich „X Factor“, bei aller Qualität, aber dort der ganz großen Aufmerksamkeit erfreuen wird? Wer zu Sky schaltet, erwartet immer noch eher Fußball-Experten Lothar Matthäus und „Babylon Berlin“ statt Thomas Anders.

„X Factor“, 15 Folgen, montags und freitags, Sky1, 20 Uhr 15

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