Champions-League geht zu Amazon und Dazn : Internet frisst Fernsehen

Das Streamingportal Dazn nimmt Sky die Champions-League-Rechte weg und bringt das Pay-TV an den Rand seiner Existenz. Ein Kommentar.

Der Streamingdienst Dazn übernimmt vom Pay-TV Sky die Rechte an der Champions League.
Der Streamingdienst Dazn übernimmt vom Pay-TV Sky die Rechte an der Champions League.Foto: promo

Soll man nicht glauben, dass in diesem Wahnsinnssystem des Fußballs für einen Moment die ökonomische Vernunft siegt. Sky verzichtet aus finanziellen Gründen auf die TV-Rechte an der Champions League von der Saison 2021/22 an. Hatte Sky eine andere Wahl? Hätte das Pay-TV weiterhin die Königsklasse plus die Bundesliga live und exklusiv übertragen wollen, wären neue Milliarden für die Rechte fällig geworden – die dann wieder die Abopreise getrieben hätten. Ein gewagtes Kalkül, insbesondere mit den Blick auf die Zahlungsbereitschaft der Fans.

Die können sich auf den ersten Blick erst mal freuen. Der Genuss der Champions League zu Hause scheint günstiger zu werden. Amazon Prime wird das Topspiel der Champions League am Dienstag zeigen, derzeit kostet ein Amazon-Jahresabo 69 Euro. Ob es dabei bleiben wird? So fraglich wie die Annahme, dass sich das Streamingportal Dazn seinen großen Coup – Sky aus dem Wettbewerb zu boxen – weiter mit nur 11,99 Euro monatlich bezahlen lässt. Da sind Steigerungsraten zu erwarten, doch könnte die Abo-Gesamtsumme aus Amazon und Dazn niedriger sein als bei der derzeitigen Kombi aus Dazn und Sky.

Fernsehen in der Defensive

An dem Rechtepoker wird erkennbar, wie sehr sich das Geschäft, das früher Fernsehen hieß, verändert. Die Streamingportale sind aggressiv in der Offensive. Für ein Pay-TV wie Sky wird es gefährlich. Livefußball ist immer noch der Kern des Abogeschäfts, so attraktiv die Filme und wachsende Zahl an Serien-Originals sein mögen. Klar ist: Sky wird bei der nächsten Vergaberunde der Fußball-Bundesliga um nahezu jeden Preis zuschlagen müssen, ansonsten geht es direkt an die Existenz.

Einen Sieger kennt jede Vergaberunde an Fußballrechten: die Klubs. Sie holen wieder mehr Geld aus diesem System, das sich Sport nennt und Kapitalismus ist.