Charlotte-Link-Krimi : Von Wales in die Provence

Unser täglich TV-Krimi auch 2020: Das Erste bringt gleich zwei Charlotte-Link-Verfilmungen.

Drama vor Postkartenkulisse: Jenna (Lisa Bitter) hilft Matthew (Benjamin Sadler) bei der Suche nach seiner verschwundenen Frau.
Drama vor Postkartenkulisse: Jenna (Lisa Bitter) hilft Matthew (Benjamin Sadler) bei der Suche nach seiner verschwundenen Frau.Foto: ARD Degeto/Gary Moyes

Mitunter muss ein Darsteller eine Figur verkörpern, die man beim besten Willen nicht sympathisch finden kann. Im besten Fall spielt der Schauspieler diese Person so, dass sie beim Zuschauer die beabsichtigten negativen Gefühle auslöst – auch wenn er selbst deren Verhalten nie billigen würde. Vor dieser Aufgabe stand Ludwig Trepte, der in der Verfilmung des Romans „Im Tal des Fuchses“ von Charlotte Link den Kleinkriminellen Ryan Lee spielt. „Als Schauspieler darfst du niemals die Entscheidungen und Handlungen der Figur, die du spielst, verurteilen oder bewerten“, sagt Ludwig Trepte („Unsere Mütter, unsere Väter“). „Was aber nicht heißt, dass ich diese Entscheidung ebenso treffen würde.“

Ryan Lee ist ein absolut gewissenloser Verbrecher: Um seine Schulden bei einem Kredithai zu bezahlen, entführt der Junkie eine junge Frau namens Vanessa Willard (Katharina Schüttler) auf einem einsamen Parkplatz in ebenjenem Tal des Fuchses, während ihr Mann Matthew (Benjamin Sadler) gerade den Hund ausführt. Das Paar hatte sich kurz zuvor gestritten, er will aus Karrieregründen nach London ziehen, sie lieber in ihrer walisischen Heimat bleiben.

Der Entführer versteckt Vanessa mit einem kleinen Vorrat an Nahrung und Wasser in einer fest verschlossenen Holzkiste in einer Felsenhöhle. Zur Lösegeldforderung kommt es allerdings nicht mehr, denn zuvor wird der Vorbestrafte wegen einer Schlägerei eingesperrt und im Schnellverfahren zu einer mehrjährigen Haftstrafe abgeurteilt. Aus Angst vor einer noch höheren Strafe verheimlicht er die Entführung, das Schicksal der Frau interessiert ihn offenkundig nicht.

Gibt es noch Hoffnung für das Entführungsopfer?

„Im Tal des Fuchses“ ist die 14. Folge der Charlotte-Link-Fernsehreihe der ARD. Die Schriftstellerin gehört mit rund 28 Millionen verkauften Büchern zu den erfolgreichsten deutschen Autorinnen.

Der Entführungsfall bekommt drei Jahre nach dem Verschwinden von Vanessa neue Dynamik. Zum einen, weil Lee aus dem Gefängnis entlassen wird. Zum anderen, weil Matthew über ein befreundetes Ehepaar die Journalistin Jenna Robinson (Lisa Bitter aus dem „Tatort“ in Ludwigshafen) kennenlernt.

Matthew leidet noch immer darunter, nicht zu wissen, was mit seiner Frau geschah. Jenna will ihm helfen und beginnt mit Recherchen zu dem Fall, den die Polizei seinerzeit schnell zu den Akten legte.

Das Aufeinandertreffen dieser beiden Ereignisse gehört zu den Zufällen, von denen es in diesem Drama einige gibt. Sie sind ebenso häufig anzutreffen wie der kleine Fuchs, der immer wieder durchs Bild läuft. Die zufälligen Begegnungen – beispielsweise auf der Polizeiwache – stehen jedoch vor allem dafür, dass die Geschichte einen ganz anderen Verlauf hätte nehmen können, wenn auch nur ganz kleine Nebensächlichkeiten etwas anders verlaufen wären.

So aber stellen sich bis zum überraschenden Schluss viele Fragen wie diese: Gibt es vielleicht doch noch Hoffnung für das Entführungsopfer, das in dem malerischen Tal in Wales festgehalten wurde? Und wer hat es eigentlich auf den Entführer abgesehen?

Diverse Postkarten-Motive finden sich auch im Charlotte-Link-Krimi „Die Entscheidung“ in der kommenden Woche [„Charlotte Link: Im Tal des Fuchses“ am Donnerstag, „Die Entscheidung“ am 9. Januar, beides im Ersten, jeweils um 20 Uhr 15]. Diesmal werden die Provence und die Mittelmeerstadt Marseille zumindest optisch im schönsten Licht präsentiert.

Die Handlung ist hingegen ganz und gar nicht romantisch: Ein aus Paris organisierter Menschenhändlerring hat sich darauf spezialisiert, junge Frauen aus Osteuropa mit der Aussicht auf große Model-Karrieren von ihren Elternhäusern wegzulocken, um sie später als Zwangsprostituierte auszubeuten.

Felix Klare, bekannt unter anderem aus dem Stuttgarter „Tatort“, gerät als Frankreich-Urlauber zwischen die Fronten von Schleusern und Justiz, als er sich für eine junge Frau (Jasna Fritzi Bauer) einsetzt, die bei einem Einbruch in ein Ferienhaus erwischt wurde. Dort wollte sie sich mit ihrem Freund (Frederick Lau) treffen.

Weil er Beweise gegen die Frauen-Händler besitzt, befindet er sich auf der Flucht vor der Organisation, die in der Wahl ihrer Mittel nicht vor mehrfachem Mord zurückschreckt und über beste Kontakte zu Politik und Polizei verfügt. In der Umsetzung bleibt „Die Entscheidung“ allerdings hinter dem „Tal des Fuchses“ deutlich zurück.

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