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Datenschutz : Was Smart Meter über uns verraten

Wer braucht die Daten? Und wofür?

Im Experiment war es noch nötig, dass die Bewohner den simplen Testfilm mindestens eine halbe Stunde laufen ließen. Derzeit arbeiten die Forscher daran, den Nachweis nach fünf Minuten Filmlaufzeit zu erbringen. Theoretisch, da ist sich Greveler sicher, könnte man fast jede Sendung im Stromlastprofil nachweisen.

Aber wofür? Wer braucht das? Die FH Münster schreibt in ihrem vorläufigen Bericht, dass Ermittler oder Filmfirmen sich für die Technik interessieren könnten, um Raubkopien zu identifizieren, etwa von Filmen, die noch gar nicht auf DVD erschienen und somit womöglich illegal heruntergeladen worden sind.

Greveler spinnt die Idee weiter, das ist sein Job: Aus zentral gespeicherten Daten mancher Smart Meter ließe sich lesen, wann es an der Haustür geklingelt hat oder wann Dusche und Fön gleichzeitig benutzt worden sind – Indizien dafür, dass sich mindestens zwei Personen im Haushalt aufgehalten haben. Das könnte Privatdetektive im Auftrag eines misstrauischen Ehepartners interessieren.

So weit ist es allerdings noch lange nicht, noch muss niemand Filmkonzerne, Detekteien oder gar Geheimdienste fürchten, die mittels Stromzähler schnüffeln. Zu wenige Zähler gibt es, und nicht alle senden Daten so häufig – alle zwei Sekunden – aus dem Haus. Auch gibt es recht wirksame Verschlüsselungstechniken. Datenschützer sind dennoch besorgt und befassen sich seit gut einem Jahr intensiv mit den intelligenten Zählern.

Datenschützer fordern, dass die Daten im Haus bleiben, statt auf den Servern der Konzerne ausgewertet zu werden

Auf Anregung des Bundesdatenschutzbeauftragten und im Auftrag des Forschungsministeriums hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in diesem Jahr ein Schutzprofil für Smart Meter entworfen. Das sieht vor, dass die Zähler über eine lokale Schnittstelle verfügen, mit der Verbraucher die Daten direkt aus dem Gerät ziehen und auf dem Heimcomputer betrachten können. Der Datenschutzbeauftragte fordert zudem, dass Konzerne die Abrechnungssoftware – etwa für Tag- und Nachtstromtarife – direkt auf dem Gerät aufspielen. Dann gäbe es keinen Grund dafür, dass überhaupt Daten das Haus verlassen. „Es ist zwingend notwendig, verbindliche Standards für technischen Datenschutz sowie die IT-Sicherheit der Smart Meters zu schaffen“, heißt es in einem Papier des Bundesdatenschutzbeauftragten. Selbstverpflichtungen der betroffenen Unternehmen würden nicht genügen.

Das sieht man in der Industrie ganz anders. Dem IT-Verband Bitkom zufolge werden im laufenden Jahr allein in Deutschland Produkte mit eingebauter IT-Intelligenz im Wert von rund 19 Milliarden Euro verkauft. Zu viele Regeln wären nur hinderlich für den Wettbewerb, der freie Markt möge es richten, so die Auffassung. Auch die massenhafte Verbreitung eines Standardzählers wie in Italien oder England lehnt die deutsche Industrie ab. Würden die Daten die Haushalte gar nicht verlassen, entfiele überhaupt der zentrale Anreiz für Unternehmen, eine Infrastruktur aufzubauen. In einem Positionspapier des Bundesverbandes der Deutschen Industrie heißt es: „Einschränkungen in den Systemarchitekturen sowie Geschäftsmodellen können die Entwicklung hin zu einem beschleunigten Ausbau des Internets der Energien behindern, wenn nicht sogar verhindern“. Von Datenschutz ist darin nicht die Rede.

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