Der erste „Tatort“ der neuen Saison : Eisner und Fellner in Arnies Welt

Der ORF-„Tatort“ mit dem Titel „Pumpen“ Saison führt in die Wiener Fitnessstudios. Da kann Harald Krassnitzer nur neidisch werden.

In der Mucki-Bude: Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser, l.) erhoffen sich von Susi (Michaela Schausberger) Informationen über das Mordopfer, das vor einen Zug gelegt wurde.
In der Mucki-Bude: Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser, l.) erhoffen sich von Susi (Michaela...Foto: ARD Degeto/ORF/Allegro Film

An diesem Sonntag startet die neue „Tatort“-Saison. Es hat fast schon Tradition, dass die Teams aus Österreich oder aus der Schweiz den Anfang machen. Diesmal hat es das Ermittler-Team Eisner und Fellner aus Wien erwischt – „Pumpen“ heißt die diesjährige „Tatort“-Ouvertüre.

Nachdem eine männliche Leiche an den Bahngleisen aufgefunden wird, tappen die beiden Wiener Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) eine Zeit lang im Dunkeln, hat der von den Zugrädern zerschnittene Mann – die expliziten Bilder auf dem Obduktionstisch sind nichts für Zartbesaitete – doch keinerlei Papiere oder Mobiltelefon bei sich. Ein Toter ohne Identität. Doch bald schon führen alle Wege in ein Fitnessstudio, in dem der Tote täglich trainiert hat. Iovan Savic hieß der junge Mann, der nur 23 Jahre alt wurde. Die Ergebnisse der Gerichtsmedizin sprechen gegen einen Selbstmord. Doch wer sollte den Mann umbringen, und warum?

[ „Tatort: Pumpen“, Sonntag, 20 Uhr 15, ARD]

Zumal: ein Arbeitsloser, der einen teuren Sportwagen fährt? Einen Aston Martin, ganz im Stil von James Bond. Eine hübsche Sequenz zeigt denn auch Moritz Eisner, ohnehin schon von all den durch das Fitnessstudio stolzierenden muskelbepackten Männern beeindruckt, wie er sich in der Wohnung des Toten vor einen überdimensional großen Wandspiegel stellt, der in Form der ikonischen 007-Titelsequenz gestaltet ist. Da steht er dann, der Eisner, mit ergrautem Haar, Brille und dem Bauchansatz des 60-Jährigen und macht einen auf Bond, James Bond.

„Pumpen“ – von Andreas Kopriva nach einem Drehbuch von Karin Lomot und Robert Buchschwenter solide und konventionell in Szene gesetzt – taucht ganz ein in die Welt der Fitness, in diesen Kosmos, dem einer der berühmtesten Österreicher, Arnold „Arnie“ Schwarzenegger, entstammt. Eine Welt, in der nicht zuletzt auch mit Anabolika für den Muskelaufbau gehandelt wird.

Die Narration entwirft hier ein Bild, das vom Drogenhandel bis zum systemischen Sozialversicherungsbetrug reicht, aufgebaut von furchteinflößenden finsteren Männern aus dem Balkan. Der Extrem-Kraftsport erscheint dabei als ein in sich geschlossener Kosmos, in den man nur schwer Einblick bekommen kann: Als Manfred Schimpf (Thomas Stipsits), allzu emsig-fleißiger Kollege von Eisner und Fellner, sich in besagtem Studio zur Probestunde anmeldet, um inkognito vor Ort weiterzuermitteln, dabei ohne Absprache mit seinen Kollegen, wird er in der Dusche zusammengeschlagen.

Die letzten Fälle waren stärker

Der 23. gemeinsame Fall von Moritz Eisner und Bibi Fellner fällt nach den letzten guten Wien-„Tatorten“ „Baum fällt“, „Glück allein“ und „Wahre Lügen“ – alle drei von 2019 – eher etwas ab. Bis auf jene spannende Sequenz, in der Bibi Fellner des Nachts alleine durch die Hallen des großen dunklen Fitnessstudios schleicht und dies beinahe mit dem Leben bezahlen muss, ist der Spannungsaufbau in diesem linear erzählten Fall eher mäßig.

So sind es also die kleinen privaten Handlungsstränge, die diesmal wieder schwarzhumorig anerzählt werden und „Pumpen“ mit ausmachen: Neben Eisner, der angesichts all des ausgestellten Testosterons um sich herum den Karton der bestellten Lieferpizza hadernd wieder zuklappt und statt des kühlen Bieres die Wasserflasche aus dem Kühlschrank nimmt, ist es Fellner, die eine amouröse Ablenkung erlebt, und der Mann, mit dem sie gleich zu Beginn des Films beim morgendlichen Aufwachen im Bett zu sehen ist, heißt, nomen est omen, Franz Heiss (Christoph Kail). Doch Bibi Fellner wäre nicht sie selbst, würde sie nicht gleich wieder an dieser neuen Verbindung zweifeln, zumal sie glaubt, dass es mindestens noch eine andere Frau im unsteten Leben des heißen Franz gibt. So schleicht sich der Zweifel von Anfang an ein in das neue kurze Glück.

Jubiliert wird in diesem 50-Jahr-„Tatort“-Herbst in Wien dieses Jahr zwar noch nicht, doch im kommenden ist es dann so weit: Vor zehn Jahren lösten im März 2011 Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser ihren ersten gemeinsamen Fall, derer es dann 25 an der Zahl sind. Und für Krassnitzer, der seit Januar 1999 ermittelt, naht der 50. Erwartet wird dann: Wiener Schmäh vom schwarzhumorig Allerfeinsten.

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