Die Brüder Humboldt im TV-Porträt : Freie Radikale

„Die Brüder Humboldt und ihr Forum“: Eine ZDF-Dokumentation von Carola Wedel

Genius loci. Dreharbeiten mit den Experten Bénédicte Savoy und David Blankenstein vor der Humboldt-Universität.
Genius loci. Dreharbeiten mit den Experten Bénédicte Savoy und David Blankenstein vor der Humboldt-Universität.Foto: ZDF und Alina Rapoport

Sie sind das Beste, das Preußen hervorgebracht hat. Und sie haben sich mit ihrer Heimat schwergetan, suchten die Weite. Wilhelm von Humboldt, geboren 1767, war Diplomat, Kulturpolitiker und dann aber vor allem Privatgelehrter. Alexander, zwei Jahre jünger, trieb die unstillbare Neugier nach Amerika und Russland, wohnte Jahrzehnte in Paris. Seine Schriften erleben gerade jetzt eine Renaissance. Er war Vordenker und Kritiker der Globalisierung, verband Wissenschaft und Poesie. Was Alexander von Humboldt anfasste, hatte anschaulich zu sein, er kämpfte für eine sinnliche Forschung.

In der Mitte Berlins entsteht ein Riesenbauwerk, das ihren Namen trägt. Das Humboldt-Forum ist geplant als Ort der kulturellen Begegnung, ein Museum neuen Typs, dort soll auch die Geschichte der Humboldts eine Rolle spielen. Im Zuge ihrer Langzeitdokumentation zur Berliner Museumsinsel hat sich Carola Wedel auf ihre Spuren begeben. Ihr Film „Die Brüder Humboldt und ihr Forum“ skizziert den Weg von Tegel, wo Alexander und Wilhelm aufgewachsen sind, hinaus in andere Länder, auf andere Kontinente. Die Berliner Wissenschaftler Bénédicte Savoy und David Blankenstein sind Wedels Kronzeugen und Scouts; sie haben die Humboldt-Forschung stark belebt und bereiten für 2019 eine Humboldt-Ausstellung für das Deutsche Historische Museum vor.

In Paris fühlte sich Alexander von Humboldt zu Hause

Ihre Fernseh-Reise geht nach Freiberg, wo Alexander seine Bergbaukenntnisse erwarb, die ihm in Südamerika so sehr von Nutzen waren, natürlich nach Paris – damals die kulturelle und wissenschaftliche Hauptstadt der Welt, hier fühlte sich Alexander zu Hause. Die Humboldt-Forscher Ottmar Ette und Jürgen Trabant kommen zu Wort, und wo es keine Bilder gibt, greift Wedel auf Szenen aus Rainer Simons Spielfilm „Die Besteigung des Chimborazo“ (1989) mit Jan Josef Liefers als Alexander von Humboldt zurück. Seine Homosexualität wird angedeutet.

Es ist nicht zu schaffen, in einer Dreiviertelstunde die Stationen dieser zwei überreichen Biografien auch nur zu streifen. Wedel sucht Anknüpfungspunkte für die Arbeit des Humboldt-Forums und stößt dabei auf Wilhelms Begeisterung für das Baskenland, ein eher unbekanntes Kapitel. Bei den Basken studierte er Sprache und Kultur und entdeckte dort frühe demokratische Ideen, mit einem starken Sinn für Autonomie. Der Drang nach Freiheit, geistig wie physisch – das verbindet die beiden preußischen Weltentdecker, bei denen es selbst noch viel zu entdecken gibt. Rüdiger Schaper

„Die Brüder Humboldt und ihr Forum“, 3sat, Samstag, 22 Uhr, ZDF, Sonntag, 0 Uhr 25. Der Beitrag steht ab Samstagmorgen in den Mediatheken von 3sat und ZDF zur Verfügung.

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