Die Pressearbeit des DFB : Grindel und die Netiquette

Vetorecht, Kontrolle und Interviewabbrüche, wenn denn Interviews überhaupt zustande kommen: Die Pressearbeit des DFB steht weiter in der Kritik.

Nicht unumstritten: Reinhard Grindel, DFB-Präsident
Nicht unumstritten: Reinhard Grindel, DFB-PräsidentFoto: dpa

Das war doch mal ein relativ stressfreier Medienauftritt von Reinhard Grindel: der DFB-Präsident am Sonntagabend im Studio des Bayerischen Rundfunks (BR) als Gast bei „Blickpunkt Sport“. Vor einem ohnehin nach einem Bayern-Sieg am frühen Abend bestens gelaunten Publikum ließ es sich gut Rede und Antwort stehen, zu Fragen rund um die Nationalmannschaft, Trainer Löw und die WM 2022 .


So viel Menscheln, so viel Entspanntheit war nicht immer in jüngster Zeit, wenn DFB-Chef und Medien zusammentrafen. Zuletzt brach Grindel ein Interview mit der Deutschen Welle abrupt ab, als Fragen über die Zukunft des Weltfußballs und seine Finanzierung, neue Wettbewerbe, mithin zum nicht ganz unumstrittenen Fifa-Boss Infantino aufkamen.

Der Deutschlandfunk hatte daraufhin den DFB gefragt, ob er zu diesem Interview-Abbruch etwas zu sagen habe. Kein Kommentar, und kein Einzelfall offenbar, wie der Sender weiter mitteilt, weigere sich Präsident Grindel seit jeher, sich dem Deutschlandfunk einem ausführlichen Interview zu stellen.

In die Kerbe schlugen auch die Kollegen des einzigen Sport-Hintergrund-Magazins im Fernsehen, „Sport Inside“ im WDR. Sie melden: „,Sport Inside’ fragt regelmäßig Interviews vor der Kamera bei DFB und DFL an. In der Regel werden diese Interviewanfragen abgelehnt und anschließend nur konkrete schriftliche Fragen beantwortet beziehungsweise auf vorhandene allgemeine Statements zu dem jeweiligen Thema verwiesen.“

Eine Anfrage des Tagesspiegel an den DFB, ob das so zutreffe und inwiefern das Methode habe, blieb am Montag bislang unbeantwortet. Es gab auch keine Antworten zu einem anderen Vorwurf, den der Deutschlandfunk in den Raum stellt.


Im Rahmen der Berichterstattung über die Video-Schiedsrichter der Liga hätte der DFB verlangt, „bei der Abnahme des Hörfunkstücks als Ganzes dabei“ zu sein und ein „Vetorecht“ auszuüben. Die DFB-Pressestelle erklärte laut Deutschlandfunk, die Kontrolle der redaktionellen Arbeit sei wichtig, um Irritationen bei der Spielleitung zu vermeiden. Die Schiedsrichter sollten sich auf ihre Arbeit konzentrieren und nicht über eine mögliche Berichterstattung nachdenken.


Apropos Kontrolle. Etwas hatte der BR bei dieser Fragestunde am Sonntagabend mit Grindel doch noch zu regeln. Zuschauer konnten Fragen an den DFB-Präsidenten vorab online schicken, unter #fragGrindel. Offenbar ging es da nicht nur schiedlich-friedlich zu.

„Liebe Fans von BR Sport“, schreibt der BR auf der Website, „vielen Dank für Eure Kommentare. Bitte bleibt sportlich und sachlich. Unsere Seite soll kein Forum für Beleidigungen werden. Bitte beachtet die Netiquette des BR.“

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