Die "Tatort"-Saison 2017/18 : Breiter geht’s nicht

RAF-Aufarbeitung, Gruselkrimi, Berlinale-Film im Film, Penis voll frontal: Viel Ungewöhnliches in der „Tatort“-Saison 2017/18. Nur eines hat sich nicht geändert.

Wieder erfolgreich: die Münsteraner Ermittler Axel Prahl und Jan Josef Liefers.
Wieder erfolgreich: die Münsteraner Ermittler Axel Prahl und Jan Josef Liefers.Foto: dpa

Das war’s: Am Sonntag stand noch ein neuer Münchner „Tatort“ über die Reichsbürgerszene im Programm, die von Ende August bis Juni laufende „Tatort“-Saison 2017/18 ist damit zu Ende, nicht zuletzt wegen der Fußball-WM, die bald alles dominiert. Während der Sommerpause stehen „Tatort“-technisch wochenlang hauptsächlich Wiederholungen im Programm, wobei es dieses Jahr eine Ausnahme gibt: die TV-Ausstrahlung von Til Schweigers über zwei Stunden dauerndem Kino-„Tatort“ mit dem Titel „Tschiller - Off Duty“ am Sonntag, den 8. Juli.

Ein Rückblick auf die vergangenen neun Monate lohnt sich dennoch bereits: Die 36 neuen „Tatorte“ hatten es in sich. So gab es einen Münchner Krimi, der sich um die Pornobranche drehte („Hardcore“), ein Aufarbeitungsversuch zur RAF aus Stuttgart, einen Krimi um eine Partei nach Art der AfD aus Hamburg (mit Wotan Wilke Möhring), einen ambitionierten Berlinale-Krimi, Film im Film („Meta“) sowie einen Thriller in Anlehnung an den realen Fall Bögerl mit Maria Furtwängler, der wie der echte Fall von 2010 ungelöst blieb und damit Zuschauererwartungen enttäuschte.

Für Aufsehen sorgte im Herbst auch ein Film aus Bremen. Kommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) war in der Folge „Zurück ins Licht“ full frontal, wie es im Fachjargon heißt, also mit Penis nackt zu sehen. Das gab es vorher so noch nicht, zumindest bei keinem Hauptdarsteller der Reihe.

Das Team aus Münster liegt weiter vorne

Außergewöhnlich waren auch ein übersinnlicher Gruselfilm aus Frankfurt sowie erneut ein Impro-Krimispiel mit Ulrike Folkerts. Ein erster „Tatort“ mit improvisierten Dialogen des Filmemachers Axel Ranisch wurde Anfang 2017 viel kritisiert, vor allem wegen beteiligter Laiendarsteller. Der Film „Babbeldasch“ hatte auch ARD-intern Überlegungen über eine Experimentebeschränkung befördert, die dann aber im Dickicht der vielen beteiligten Anstalten unterging. Ranischs zweiter „Tatort“ ohne Drehbuch kam bei Zuschauern und Kritik deutlich besser an.

Folkerts Figur Lena Odenthal verlor diese Saison allerdings nach mehr als 20 Jahren ihren Kollegen Kopper. Er beendete nach einem rätselhaften und recht persönlichen Mafiafall den Polizeidienst und ging nach Italien. Schauspieler Andreas Hoppe machte kein Geheimnis daraus, dass er gerne an Bord geblieben wäre, sein Abgang also unfreiwillig war.

Die mit Abstand besten Einschaltquoten hatten wiederum die Fälle aus Münster. Während „Fangschuss“ mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers im April 2017 mit etwa 14,6 Millionen Zuschauern die höchste Zuschauerzahl seit 25 Jahren für einen „Tatort“ holte, waren die Fälle dieser Saison etwas quotenschwächer - wenn auch auf hohem Niveau: den Kunstkrimi „Gott ist auch nur ein Mensch“ sahen 13 Millionen, den Zookrimi „Schlangengrube“ gut zwölf Millionen. dpa/Tsp