Digitalisierung des Fußballs schreitet voran : Sport 1 verchippt Löwen

Beim München-Derby tragen Spieler von 1860 Chips in ihren Trikots. Damit werden Daten erhoben und während der TV-Übertragung eingeblendet.

Test. Unsichtbar für den Sport-1-Zuschauer wurden am vergangenen Sonntag Grafiken mit Spielerdaten ins Bild eingefügt.
Test. Unsichtbar für den Sport-1-Zuschauer wurden am vergangenen Sonntag Grafiken mit Spielerdaten ins Bild eingefügt.Foto: Sport1

Der Chip spielt mit. Am Sonntag, wenn in der Regionalliga Bayern das Münchner Derby 1860 München gegen Bayern München II ausgetragen wird. Jeder 1860Spieler hat einen Chip halb so groß wie eine Visitenkarte in seinem Trikot. Auch im Ball ist ein Tracking-Modul platziert. Trikot und Ball sollen während der Partie Daten übertragen – Sprinttempo, Laufdistanz, Schussgeschwindigkeit.

Die Daten werden für die Live-Übertragung des Spiels bei Sport 1 genutzt. Das Sprinttempo beispielsweise wird mit einer Tacho-Grafik dargestellt. Der Fernsehsender verspricht sich viel davon: „Per Live-Grafik werden die Daten on air eingebunden und machen so das prestigeträchtige Duell für die Fernsehzuschauer noch interessanter“, heißt es in einer Pressemitteilung. Dirc Seemann, Chefredakteur und Director Content von Sport 1 erwartet, dass sich bei der Live-Kommentierung neue Analyse-Möglichkeiten ergeben werden.

Kinexon Sports hat die Tracking-Technik entwickelt, die 1860 München schon bei der Trainingssteuerung im Profi- und im Nachwuchsbereich einsetzt, um individuell auf jeden einzelnen Spieler eingehen zu können. Getestet hat Sport 1 die Technik am vergangenen Wochenende unsichtbar für die Zuschauer, beim Spiel der Löwen gegen  Pipinsried. Am Sonntag von 14 Uhr 55 an muss sie sich in der Live-Übertragung beweisen.

Sprinttempo, Schussgeschwindigkeit, Laufdistanz

Sender und Dienstleister gehen die Sache erst mal vorsichtig an. Die Datenerhebung wird sich auf Sprinttempo, Schussgeschwindigkeit und Laufdistanz beschränken. In der Zukunft sollen weitere Features ermittelt werden, beispielsweise Sprunghöhe bei Kopfbällen oder die Passgeschwindigkeit im Spielaufbau. Damit soll die TV-Übertragung der Regionalliga „reicher“ werden als die Berichterstattung der Ersten Bundesliga, wo auch Spielerdaten erhoben, aber nicht in Echtzeit gezeigt werden.

Ein Sport-1-Sprecher sagte dem Tagesspiegel auf Anfrage, dass „im Vorfeld der Premiere des neuen Tracking-Systems natürlich auch der Bayerische Fußball-Verband und der FC Bayern München informiert wurden“. 1860 München habe während des Spiels nur Zugriff auf die Daten, die auch dem TV-Zuschauer eingeblendet würden. „Nach Spielende bekommen die Löwen dann eine Datenauswertung“, sagte der Sprecher weiter.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. „Sport 1 und seine Partner werden die Ergebnisse aus der Premiere auswerten und dann über weitere Schritte entscheiden und auch darüber, wie die Technik künftig on air eingebunden wird.“ Jetzt ist der Zuschauer am Zug.