Dokudrama über „Was bin ich?“-Erfinder : Das Leben von Robert Lembke wird verfilmt

Sein Beruferate-Quiz „Was bin ich?“ war eine Fernsehinstitution. Jetzt wird das Leben der TV-Legende Robert Lembke verfilmt, mitsamt der weniger bekannten Seiten.

Das legendäre Rateteam von "Was bin ich?": Quizmaster Robert Lembke (stehend) mit Guido Baumann (v.l.n.r.), Annette von Arentin, Hans Sachs und Marianne Koch. Das Bild stammt aus dem Jahr 1988.
Das legendäre Rateteam von "Was bin ich?": Quizmaster Robert Lembke (stehend) mit Guido Baumann (v.l.n.r.), Annette von Arentin,...Foto: Istvan Bajzat/dpa

Über dreieinhalb Jahrzehnte kannte fast jeder Westdeutsche und wohl auch ein Großteil der Ostdeutschen, die zumindest ab und zu West-Fernsehen schauten, Robert Lembke und sein Show „Was bin ich?“. Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung lief das „heitere Beruferaten“ zwischen 1955 und 1989 beinahe dreieinhalb Jahrzehnte lang im Ersten. Einer jedoch wollte zeitlebens nur eingeschränkt auf die Frage „Wer bin ich?“ antworten. Robert Lembke selbst, dessen Leben jetzt in einem Dokudrama für die beiden ARD-Sender NDR und SWR verfilmt wird.

Die Frage „Welches Schweinderl hätten S' denn gern?“ wurde zum geflügelten Ausdruck, wenn das Rateteam unter anderem mit der Fernsehansagerin Annette von Aretin, der Schauspielerin Marianne Koch und dem Nürnberger Juristen Hans Sachs durch geschicktes Fragen solche beruflichen Beschäftigungen wie Schmetterlingsbetreuer oder Strohdachbauer erraten sollte. Es war die Zeit, als ein Preisgeld von 50 Mark noch ausreichte, an den Ausstrahlungsdienstagen bis zuletzt jeden dritten Fernsehzuschauer zu erreichen.

Beim Privatleben zurückhaltend

„Mit der Fernsehgebühr erwirbt der Zuschauer ein Recht auf meine Arbeit, nicht auf mein Privatleben“, hat Lembke einmal gesagt. Zu dieser Privatsphäre gehörte für ihn auch, dass er seinen Namen geändert hatte. Lembke wurde 1913 als Robert Emil Weichselbaum geboren. Seine Eltern ließen sich bereits 1918 scheiden, der Vater emigrierte 1936 wegen seiner jüdischen Herkunft nach Großbritannien. Lembke nahm später den Mädchennamen seiner Mutter an.

Andere Wegmarken von Lembkes beruflicher Karriere sind hingegen zwar öffentlich bekannt, wurden jedoch in den Schatten gestellt durch den Erfolg von "Was bin ich?", der wie selbstverständlich mit Robert Lembke gleichgesetzt wurde. So war sicherlich nicht jedem Fernsehzuschauer geläufig, dass Lembke sein Jurastudium abgebrochen hatte, um Journalist zu werden. Dass er beim „Simplicissimus“ gearbeitet hatte und dass er unter den Nazis nicht journalistisch tätig sein konnte, weil er sich weigerte, die nötige „Loyalitätserklärung" abzugeben. Andere, wie der "Frühschoppen"-Erfinder Werner Höfer, sind anders damit umgegangen, was Höfer 1987 den Job kostete.

„Was bin ich?“ war für Robert Lembke eigentlich ein "Hobby" neben seiner sonstigen Tätigkeit für die ARD. Beim Bayerischen Rundfunk war der Journalist Hörfunk-Chef, Fernsehdirektor und Chefredakteur. 1954 war er bei der Fußball-Weltmeisterschaft Assistent von Herbert Zimmermann, der das "Wunder von Bern" im Radio intonierte. 1974 sorgte Lembke als Regisseur dafür, dass die Fußball-WM in der ARD richtig ausgestrahlt wurde.

Mit unbekanntem Archivmaterial

Nach jahrelangen Recherchen beginnen nun die Dreharbeiten unter Führung von Eric Friedler ("It Must Schwing – Die Blue Note-Story“) und Niki Stein („Der Mann im Strom“). Am 27. August fällt die erste Klappe für die aufwändige Ko-Produktion, in der bisher unbekanntes Archivmaterial neue Einblicke in das Leben der TV-Legende gibt, wie es in einer Mitteilung der Sender heißt. Gedreht wird unter anderem in Hamburg, München und Berlin. Aus dem ehemaligen Rateteam kommt Marianne Koch zu Wort, als Zeitzeugin und Beraterin ist exklusiv Lembke-Enkelin Linda Benedikt dabei. Das Dokudrama wird voraussichtlich im kommenden Sommer zu sehen sein.

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