Dritte Staffel von „Westworld“ : Der Mensch denkt, die Maschine lenkt

Wer ist Herrscher, wer Sklave? Die dritte Staffel der Science-Fiction-Serie „Westworld“ wird trotz aller Philosophie actionhaltiger.

Dieser Roboter gehört zur Kategorie Arbeitspferd und hilft Caleb („Breaking Bad“-Star Aaron Paul) vor allem bei gefährlichen Arbeiten an Hochhausfassaden.
Dieser Roboter gehört zur Kategorie Arbeitspferd und hilft Caleb („Breaking Bad“-Star Aaron Paul) vor allem bei gefährlichen...Foto: HBO/Sky

Wer lebt in einer größeren Scheinwelt, ein Android, der ein eigenes Bewusstsein erlangt hat und weiß, dass er eine Maschine ist, oder all die Menschen, die sich nicht einmal bewusst sind, dass sie in einer Illusion leben? Ja sogar in der Illusion einer Illusion. In der dritten Staffel der Science-Fiction-Serie „Westworld“, die kurz nach dem Start in den USA ab Montag nun auch in Deutschland im Pay-TV-Sender Sky läuft, gehört dies zu den großen philosophischen Fragen.

Die Serie basiert auf einem Film von Science-Fiction-Autor Michael Crichton aus den 70er Jahren. Die Attraktion eines Wildwest-Themenparks besteht in menschenähnlichen Robotern, den so genannten Hosts. Mit ihnen können sich die Besucher ohne Gefahr für das eigene Leben oder ihre Gesundheit mit Waffen duellieren. Oder sie vergnügen sich mit Prostituierten im Saloon. Aus dem noch etwas hölzern agierenden Hosts von damals sind in der seit 2016 laufenden HBO-Serie perfekte menschliche Abbilder geworden. Einige von ihnen haben ein eigenes Bewusstsein entwickelt – und lehnen sich gegen ihre Schöpfer auf.

Während die erste Staffel gleichermaßen Kritik und das Publikum begeisterte, verschreckte die reichlich verworrene Story der Fortsetzung viele Zuschauer. Sie möchte der Seriensender nun durch eine bessere Balance zwischen den philosophischen Aspekten einer durchtechnisierten Welt und den Action-Elementen einer Unterhaltungsserie zurückholen.

[„Westworld“, dritte Staffel, acht Episoden; montags 20 Uhr 15 auf Sky Atlantic HD sowie über die Online-Plattformen von Sky. Die Staffeln eins und zwei sind bei Sky ebenfalls verfügbar]

Für die Showrunner Lisa Joy und Jonathan Nolan ist das die logische Fortschreibung ihrer Geschichte. Dass sich „Westworld“ in diese Richtung entwickeln würde, sei von Anfang an der Plan gewesen, sagt das Autorenpaar. Nach einem blutigen Gemetzel am Ende der zweiten Staffel sind einige der Hosts, wie die Androiden heißen, aus dem Park in die reale Welt entkommen.

Dolores dreht den Spieß um

Dolores Abernathy (Evan Rachel Wood) reicht es jedoch nicht aus, jetzt frei zu sein. Ihr Ziel ist es, den Spieß umzudrehen. Sie will die Menschheit entmachten. Dolores ist die fleischgewordene Vollendung der Maschinenfrau Maria aus Fritz Langs „Metropolis“, die Androiden-Krone der Schöpfung.

Bernard Lowe (Jeffrey Wright), die Kopie von „Westworld“-Mitgründer Arnold Weber, war ebenfalls die Flucht geglückt, doch auch ihn lässt der Park und das Schicksal der Androiden nicht los. Ebenso wenig wie Maeve Millay (Thandie Newton), die ehemalige Vertraute von Dolores, die nun aber immer mehr zu ihrer Gegenspielerin wird. Immer wieder stehen dabei die Ex-Hosts vor der Frage, was real ist und wann sie sich wieder nur in einem Skript befinden.

Zu den neuen Darstellern gehört unter anderem „Breaking Bad“-Star Aaron Paul, der einen Ex-Soldat mit Belastungssyndrom spielt, der als Kleinkrimineller in Kontakt zu Dolores gerät. Vincent Cassel („Oceans 12“-Nachtfuchs) spielt hingegen die graue Eminenz Serac.

Eine übermächtige Künstliche Intelligenz mit dem Namen Rehabeam, die von einer riesigen schwarzen Kugel mitten in einem Öko-Wolkenkratzer in Los Angeles aus die Welt regiert. Der Name leitet sich von einem biblischen König ab, dem Sohn von Salomo. Der Mensch denkt, die Maschine lenkt. Selbst Kleinkriminelle bekommen ihre Aufträge über eine Smartphone-App namens Rico. Einen Gastauftritt haben zudem David Benioff und Daniel Weiss, die Showrunner der Fantasy-Serie „Game of Thrones“, die auch eine gewisse Rolle spielt.

Ein Hauch von "Game of Thrones"

Immerhin verbindet HBO mit „Westworld“ die vage Hoffnung, dass die Androiden-Serie die Lücke bis zu einem wirtschaftlich vollwertigen Nachfolger von „Game of Thrones“ schließen könnte. Der Seriensender soll dafür ziemlich tief in die Taschen gegriffen haben. Von 100 Millionen Dollar allen für die erste Staffel war die Rede.

„Westworld“ spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, der man zumindest äußerlich einiges abgewinnen kann. Statt Dauerregen in den übervölkerten Hochhausschluchten von „Blade Runner“ scheint in dieser Zukunft die Sonne nie unterzugehen. Die Architektur ist großstädtisch, aber offen und freundlich. Die Menschen sind entspannt, niemand scheint existenzielle Sorgen zu haben. HBO hat keine Kosten gescheut, und rund um den Globus gedreht – unter anderem in Valencia in der futuristischen Stadt der Künste und der Wissenschaften.

Abseits der Androiden hält sich „Westworld“ mit technischen Visionen zurück. Außer ein paar Quadrokopter-Flugtaxis, autonom fahrenden Personenwagen und Motorrädern sowie einem zweibeinigen Arbeitsroboter, der an Hausfassaden gefährliche Arbeiten verrichtet, sieht die Welt nicht viel anders aus als unsere. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick.

Das Ex-Saloon-Girl Maeve Millay hat gelernt: Jedes Spiel hat seine eigene Regeln. Du musst nur wissen, wie du sie brechen kannst. Und darin sind die Androiden nicht schlechter als die Menschen.

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