DuMont verkauft „Mitteldeutsche Zeitung“ : Wird Bauers Marktmacht in Sachsen-Anhalt zu groß?

DuMont verkauft die „Mitteldeutsche Zeitung“ an die Bauer-Gruppe. Die verfügt bereits über die Magdeburger „Volksstimme“. Nun muss das Kartellamt entscheiden.

Die Kölner DuMont-Mediengruppe verkauft die "Mitteldeutsche Zeitung" an die Bauer-Gruppe. Das Kartellamt muss noch zustimmen.
Die Kölner DuMont-Mediengruppe verkauft die "Mitteldeutsche Zeitung" an die Bauer-Gruppe. Das Kartellamt muss noch zustimmen.Foto: Oliver Berg/dpa

Die DuMont-Mediengruppe verkauft die „Mitteldeutsche Zeitung“ mit Sitz in Halle an die Bauer Media Group zu einem nicht genannten Preis. Im vergangenen Jahr hatte der Kölner Verlag mit der „Berliner Zeitung“ und dem „Berliner Kurier“ bereits zwei Regionalzeitungen abgestoßen. Der Verkauf der „Mitteldeutschen Zeitung“ steht noch unter dem Vorbehalt des Kartellamts.

Die „Mitteldeutsche Zeitung“ ist die größte Regionalzeitung im Süden Sachsen-Anhalts. Mit ihren 17 Lokalausgaben kommt sie auf die Gesamtauflage von rund 162.000 Exemplaren.

Bauer besitzt in Sachsen-Anhalt bereits die Magdeburger "Volksstimme" (Auflage: rund 15.000 Exemplare. Die beiden Publikationen sind die Zeitungen mit der größten Auflage Sachsen-Anhalt.

Bauer argumentiert damit, dass über die erwarteten Synergieeffekte „eine gute Ausgangslage geschaffen wird, um den regionalen Journalismus in Mitteldeutschland langfristig zu erhalten“, wie Marco Fehrecke, der Leiter der Mediengruppe Magdeburg in einer Stellungnahme zum Erwerb der „Mitteldeutschen Zeitung“ sagte. Die rund 1100 Mitarbeiter werden von der Bauer Media Group übernommen.

Der Dortmunder Zeitungsforscher Horst Röper schätzt die Aussichten für eine Zustimmung des Kartellamts als im Endergebnis gut ein. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen der Zeitungsverlag habe das Amt mittlerweile "neue Orientierungspunkte". "Früher hätte das Kartellamt dem Kauf wegen des potenziellen Wettbewerbs zweier Zeitungen mit solchen nachbarschaftlichen Beziehungen wohl nicht zugestimmt, heute gehe ich davon aus, dass das Amt den Verkauf billigen wird", sagte Röper dem Tagesspiegel.

Auf Rendite getrimmt

Synergien sieht Röper in der Verwaltung, in der Verlagsspitze und auf längere Sicht auch bei den Druckkosten. Aber auch in den Mantelredaktionen rechnet Röper nicht damit, dass Bauer mit Blick auf die Kosten lange stillhält. "Der Verlag ist seit Jahrzehnten auf Rendite getrimmt."

Diese Einschätzung teilt auch Frank Überall, der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes. „Gut, dass die Zitterpartie für die Journalistinnen und Journalisten der Mitteldeutschen Zeitung jetzt beendet ist. Die Unsicherheit, was mit ihrem Blatt passieren wird, hat viel zu lange gedauert. Der neue Eigentümer Bauer ist wirtschaftlich potent und verfügt über jede Menge verlegerische Erfahrung. Problematisch ist jedoch, dass Bauer nicht als tariftreues Unternehmen gilt. Die Kollegen der Mitteldeutschen Zeitung müssen auf ihre Rechte pochen – am besten gemeinsam mit ihrem DJV-Landesverband. Geschenkt bekommen sie bei Bauer nichts“, sagte er dem Tagesspiegel.

Laut Mitteilung umfasst der Verkauf außerdem das News-Portal mz.de, die Anzeigenblätter „WochenSpiegel“ und „Super Sonntag“ mit einer wöchentlichen Gesamtauflage von rund 1,3 Millionen und 27 Lokalausgaben. Ebenfalls zur Mediengruppe der MZ gehören die Aktivitäten in Logistik und Druck, den regionalen TV-Sender TV Halle sowie Aktivitäten in Ticketing und Satz-Dienstleistungen.

Entscheidung in Hamburg noch im Januar

„Die Nutzung von Synergien ist der Schlüssel zu langfristigem Erfolg im regionalen Zeitungsgeschäft. Wir sind davon überzeugt, dass die Bauer Media Group der richtige neue Eigentümer für diesen Kurs ist“, sagte die DuMont Aufsichtsratsvorsitzende Isabella Neven DuMont. „Der starke Verbund mit der Mediengruppe Magdeburg ist der richtige Ansatz, um die Mitteldeutsche Zeitung langfristig bestmöglich abzusichern“, ergänzte DuMont-Geschäftsführer Christoph Bauer.

Die DuMont-Mediengruppe sieht im Verkauf der „Mitteldeutschen Zeitung“ einen „weiteren Schritt zur Portfolio-Überprüfung im Geschäftsfeld Regionalmedien. Ziel sei, „die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern“. Dabei habe man sich entschieden, das Medienhaus in Köln fortzuführen. Über die Entscheidung für die Hamburger Morgenpost Medien werde DuMont voraussichtlich noch im Januar informieren.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Bauer Media Group wohl plant, ihre Verlagsgeschichte zu Zeiten des Nationalsozialismus aufzuarbeiten. Ein Historiker solle dazu eingesetzt werden, berichten das NDR-Magazin „ZAPP“ und „Der Spiegel“ am Mittwoch. Bisher seien auf der Internetseite des Unternehmens die Jahre von 1926 bis 1945 ausgespart. Eine Aufarbeitung des Verlages selbst oder eine systematische externe Untersuchung gebe es bisher nicht.

Andere Zeitungs- und Zeitschriftenverlage wie DuMont und Bertelsmann haben ihre Verlagsgeschichte und die Verstrickungen ihrer Chefetagen mit dem Naziregime wissenschaftlich aufarbeiten lassen. Über Verlage wie Holtzbrinck und Verleger wie Axel Springer gibt es Arbeiten, die ihr Wirken auch in der Zeit beleuchten.

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