"Dienst nach Vorschrift, keine Übergriffe, keine Gewalt"

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Edgar Selge als Kindesentführer : Berliner "Tatort" erinnert an den Fall Metzler

Zu einer Lehrstunde in echter Polizeiarbeit wurde die Kooperation besonders für die beiden Kommissardarsteller. Zwei Vernehmungsspezialisten haben die beiden wie bei einem echten Verhör in die Zange genommen. In dem fiktiven Fall soll Dominic Raacke seine Frau ermordet haben, Boris Aljinovic habe ihm bei der Beseitigung der Leiche geholfen. Trotz ausführlicher Absprachen wurden Raacke und Aljinovic nach zwei Stunden „überführt“. „Es sind eben Fachleute, die einen spüren lassen, dass man lügt, die sich Zeit lassen, einen den Zweifel an der eigenen Aussage so lange spüren lassen, bis man fast daran erstickt“, sagte Aljinovic nach dem Verhör. „An polizeilichen Standards gemessen, wären die meisten TV-Ermittler schon nach ihrem ersten Fall vom Dienst suspendiert“, fand Raacke heraus.

Vor allem für den von Raacke gespielten Kommissar Ritter, der häufig aufbrausend reagiert, wurden die Verhöre von Entführer Braun zur Herausforderung. „Es galt die Ansage, Dienst nach Vorschrift, keine Übergriffe, keine Gewalt.“ Die Nähe zum Fall Metzler wäre einfach zu groß. „Diese Ruhe, die die beiden Kommissare im Film ausstrahlen, spiegelt ganz klar die Realität wider“, sagt Jutta Porzucek vom Morddezernat. „Wenn man einen Kindesentführer anschreit und der von seinem Recht zu Schweigen Gebrauch macht, dann hat man einen riesigen Fehler gemacht“, weiß die Ermittlerin. Dass sich der Berliner „Tatort“ an diese Einsichten hält, macht ihn sehenswert. Allerdings stellt er die Zuschauer auch auf eine harte Geduldsprobe.

Eine Besonderheit des Kriminalfilms ist eine doppelte Vater-Sohn-Konstellation. Edgar Selge trifft im Film auf seinen Sohn Jakob Walser, der sonst am Theater arbeitet und für den „Machtlos“ seine erste professionelle Arbeit vor der Kamera ist. Als Michael Braun will er seinen Filmvater davor bewahren, zum Mörder zu werden. Doch auch ohne diese zusätzliche Spannung hätte der „Tatort“ funktioniert.

„Tatort: Machtlos“, 20 Uhr 15, ARD

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