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Otis Milburn (Asa Butterfield, links) und sein Freund Eric (Ncuti Gatwa) sind wieder in Sachen "Sex Education" unterwegs.
Otis Milburn (Asa Butterfield, links) und sein Freund Eric (Ncuti Gatwa) sind wieder in Sachen "Sex Education" unterwegs.Foto: Netflix

Auch in der zweiten Staffel müssen der nerdige und eigentlich peinliche Otis Milburn (Asa Butterfield) und seine Schwarmfreundin, die rebellische Maeve Wiley (Emma Mackey) dem Untertitel der Serie "Sex Education" ungewollt Tribut zollen: "Experience is overrated" (Erfahrung wird überschätzt). Stimmt nicht, denn auch in der zweiten Staffel der Serie "Sex Education" werden jede Menge Erfahrungen gemacht, obwohl oder gerade weil die beiden in der Moordale Secondary eine Sexklinik betreiben und die Ratschläge gutes Geld bringen.

Aber Teenager sind keine fertigen Menschen, schon gar nicht, wenn es um die wirklich wichtigen Dinge im Leben geht: Liebe, Sex, Freundschaft, Familie, große Gefühle. Otis' bester Freund Eric (Ncuti Gawa) weiß gar nicht wohin mit sich, seiner sexuellen Orientierung und mit Adam Groff (Connor Swindells); der Schuldirektorensohn und Außenseiter ist jetzt in der Militärausbildung, aber seine Gefühle zu Eric spielen unverändert verrückt.

"Sex Education II" prolongiert die Storys der Protagonisten - mittendrin natürlich Otis' alleinerziehende Mutter Jean (Gillian Anderson), die versierte Sexualtherapeutin - und neue Figuren, die den Status quo an der Schule im fiktiven Städtchen Moordale herausfordern. Und als der Ausbruch einer Chlamydien-Infektion droht. ist sowieso klar, was dringender denn je gebraucht wird. eine bessere "Sex Education".

Die britische Serie, geschrieben von Laurie Nunn als kluges Aufklärungs-TV und beste Serienunterhaltung auf der Höhe der Zeit, war 2019 nach "The Witcher" und "Haus des Geldes" die meist gestreamte Produktion bei Netflix.

Twens spielen Teenager

Die Produktion Serie ist bemerkenswert divers angelegt, was Hautfarben, sexuelle Orientierungen, Familienmodelle oder auch Religion angeht. Nicht nur mit Butterfield („Hugo Cabret“, „Den Sternen so nah“) und der 51 Jahre alten Gillian Anderson („Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI“) ist sie herausragend besetzt. Butterfield ist 22, Ncuti Gatwa, 27, Emma Mackey 24 und Connor Swindells 23 alt.

Twens spielen Teenager, was der Zuschauer aber nicht bemerkt. Vielleicht ist diese Besetzung auch ein besonders gelungener Coup, weil die älteren Schauspielerinnen und Schauspieler die Nöte der 16-, 17-Jährige besser kennen, gekonnter ausdrücken können als Darstellerinnen und Darsteller in diesem Alter. Es gibt jedenfalls kein Gefälle im Ensemblespiel.

Alles in allem fühlt sich die Serie nostalgisch und zugleich sehr fortschrittlich an. Sie erinnert an 80er-Jahre-Highschoolkomödien aus den USA und ist doch mit Smartphones und ihrem Themenmix in der europäischen Gegenwart verankert. Die zweite Staffel ist etwas ernster als die erste. Der Soundtrack trägt die Serie wie eine Welle Surfer trägt..

Wer wen in der neuen Staffel küsst, hintergeht, mit wem zusammenkommt, eine neue Freundschaft schließt, sich trennt, eine neue sexuelle Orientierung entdeckt, sexuell belästigt wird, erzählen die acht Folgen derart unterhaltend, dass sich viele Fans eine dritte Staffel wünschen dürften.

"Eine deutsche Serie mit solcher Leichtigkeit und ohne Bedeutungsschwere - was Intimitäten und komplexe Themen wie etwa Schwulenfeindlichkeit angeht - ist auch 2020 leider undenkbar", schreibt dpa-Autor Gregor Tholl. Und er hat verdammt Recht.

"Sex Education", Staffel II. ab Freitag verfügbar bei Netflix.

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