Ende der Familienserie : So verabschiedete sich die „Lindenstraße“

Krimi und Wehmut: Die ARD-Serie gönnte sich nach 34 Jahren ein fast besinnliches Finale - und einen Cameo-Auftritt. Die Quote stimmte zum Ende.

Letzte "Lindenstraße"-Folge 1758, "Auf Wiedersehen". Klaus Beimer (Moritz A. Sachs, lre.) und die neuen Mieter Rachel Goldberg (Hana Geißendörfer) und Ron Liebermann (Benjamin Röschel).
Letzte "Lindenstraße"-Folge 1758, "Auf Wiedersehen". Klaus Beimer (Moritz A. Sachs, lre.) und die neuen Mieter Rachel Goldberg...Foto: WDR/Steven Mahner

Das war es. Oder kommt da noch was? Sonntagabend, 19 Uhr 25 im Ersten. Klaus Beimer (Moritz A. Sachs) verabschiedete sich in Folge 1758 mit einer großen Geburtstagsparty für seine Mutter aus der "Lindenstraße". 4,09 Millionen Zuschauer schalteten das Finale ein, anderthalb Millionen mehr als sonst im Durchschnitt. Mit der Quote hätten es die ARD weiterlaufen lassen können.

Es war ja vollkommen unklar, wie die Geißendörfer-Produktion die Familienserie nach 34 Jahren beenden würde. Mit Knall und Fall? Mit Schienbeintreten in Richtung ARD-Programmdirektion? Oder ganz leise in Moll?

Nichts von alledem. Die letzte Szene, um die vorher ein großes Geheimnis gemacht wurde, hatte tatsächlich Mutter Beimer. Marie-Luise Marjan, alleine unterwegs in Deutschlands berühmtester Fernsehstraße, ihren Blick verklärt lächelnd über die Hausfassaden schweifen lassend, alldieweil sie, wo sonst, im griechischen Restaurant Akropolis von Familie und Freunden erwartet wird. Dann der Schwenk nach oben in den Münchner Himmel. Abschiedsmelodie. Der Gruß des Teams an seine treuen Zuschauer. Aus, vorbei, nach 34 Jahren.

Endlich, werden viele sagen. Warum jetzt? Schon noch ein paar Millionen Andere. Sie habe ein würdiges Finale ihrer Lieblingsserie gesehen, der man allerdings auch in dieser Folge ansah, dass sie in die Jahre gekommen ist (was ja sogar ihr Schöpfer Hans W. Geißendörfer zugab).

Robin-Wood-Postkarten in Klaus Töpfers Garten

Was sind der x-te Aufguss eines Fast-Totschlags von Anna Ziegler, ein x-ter Streit mit ihrer ewigen Rivalin Helga Beimer samt anschließender Versöhnung gegen all die Tabubrüche, Skandale und Skandälchen seit 1985, an die die ARD im 45-minütigen Vorlauf der finalen Folge erinnerte, mit Blick hinter die Kulissen.

Erster Aids-Toter und erster Schwulenkuss im deutschen Fernsehen, rechtsextreme Bewegung und Gefahr, noch vor Hoyerswerda, Klage von CSU-Mann Peter Gauweiler, der in der "Lindenstraße" als "Faschist" bezeichnet wurde, Streit wegen Robin-Wood-Postkarten in Klaus Töpfers Garten.

Fernsehgeschichte. Vielleicht hätte die ARD, die sich Ende 2018 mehrheitlich gegen eine Verlängerung des Produktionsvertrags ausgesprochen hatte, der einzigartigen Serie, neu aufgestellt um Produzentin Hana Geißendörfer (die in der Abschiedsfolge einen Cameo-Auftritt hatte, als Neu-Mieterin in der Lindenstraße 3) die Chance zur Erneuerung geben sollen.

Vielleicht hätte es aber auch nicht mehr besser werden können.

Sicher ist, dass das letzte Bild das wichtigste und richtige war. Keine Figur hat Inhalt und Image eines TV-Formats in Deutschland so sehr geprägt wie Mutter Beimer. Ihre Spiegeleier werden fehlen.

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